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Andreas Prüfer Der Delticom-Gründer steht vor dem Scherbenhaufen seiner Expansionspläne

Andreas Prüfer beendet seine Experimente mit der Lebensmittellieferung. Der Delticom-Gründer hofft, so das Kerngeschäft mit Autoreifen retten zu können.
20.01.2020 - 12:42 Uhr Kommentieren
Delticom-Gründer Prüfer: Expansion in Lebensmittelbranche gescheitert Quelle: Delticom
Andreas Prüfer

Der Delticom-Gründer will sich bescheidenere Ziele setzen.

(Foto: Delticom)

Düsseldorf Was hatte Andreas Prüfer nicht für hochfliegende Pläne. Von 100 Millionen Euro Umsatz im Geschäft mit Lebensmitteln träumte der Delticom-Vorstand. Der Reifenhändler hatte gerade den Feinkosthändler Gourmondo, die Plattform Lebensmittel.de und den Logistiker ES Food übernommen. Später kam auch noch der Lebensmittellieferdienst Allyouneed von der Deutschen Post dazu. „Wir können nicht viel verlieren – gerade im Food-Geschäft“, sagte Prüfer in einem Interview selbstbewusst.

Doch knapp vier Jahre später steht der Gründer der Delticom AG, der zusammen mit seinem Mitgründer Rainer Binder immer noch die Mehrheit hält, vor dem Scherbenhaufen seiner Expansionspläne. Der Vorstand hat beschlossen, sich wieder auf den Onlinehandel mit Reifen zu konzentrieren, das neue Geschäftsfeld Lebensmittel werde „überprüft“, hieß es.

Doch offenbar werden schon Fakten geschaffen. So ist der Web-Shop Allyouneedfresh.de bereits nicht mehr erreichbar. Auch bei Geschäftspartnern zeigen sich Folgen. Der Biohändler Alnatura beispielsweise wird seinen Web-Shop, der auf einer Kooperation mit der Delticom-Tochter Gourmondo basierte, Ende Januar einstellen.

Eine echte Alternative bietet er nicht, verweist nur darauf, dass die Produkte weiterhin bei Partnern wie Bringmeister, Edeka24 oder Picnic zu bekommen sind. Wie lange es Gourmondo selber noch gibt, ist offen.

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    Delticom hat eine radikale Umstrukturierung verkündet, nachdem das Unternehmen in den ersten neun Monaten 2019 einen operativen Verlust von 7,6 Millionen Euro gemeldet hatte. Im Vorjahr hatte der Händler noch einen Gewinn von 3,4 Millionen Euro verkündet.

    Zugleich hatte er die Umsatzprognose für das Gesamtjahr von bis zu 690 auf bis zu 660 Millionen Euro gesenkt. Immerhin konnte sich das Unternehmen jetzt mit den finanzierenden Banken auf eine Verlängerung der Finanzierung mit einer Laufzeit bis Ende 2021 einigen. Auch das war zuvor fraglich.

    Viele Anleger hatten das Unternehmen schon so gut wie aufgeben. Der Aktienkurs war deutlich gefallen. Hatte er Mitte 2016 noch bei 25 Euro gelegen, war er zeitweise unter die Marke von drei Euro gefallen. In der vergangenen Woche jedoch hat er sich wieder ein bisschen erholt.

    Mitgründer Binder hat aus den Turbulenzen nun trotzdem Konsequenzen gezogen. Er legt sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender Ende Februar nieder – offiziell „aus persönlichen Gründen“. Er will das Unternehmen künftig unentgeltlich beraten.

    Sehr schnell gewachsen

    Damit endet eine lange Zeit erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Prüfer und Binder. Die beiden ehemaligen Continental-Manager hatten das Unternehmen 1999 gegründet. In der Folge wuchs Delticom so schnell, dass es 2004 auf Platz drei der „Deloitte Technology Fast 50“ kam. Im Oktober 2006 wagten sie dann den Gang an die Börse. 2013 wurde der Onlinekonkurrent Tirendo übernommen.

    In der Folge tauschten die beiden Gründer mehrfach die Funktionen in Aufsichtsrat und Vorstand. So wechselte Prüfer 2008 vom Vorstand in den Aufsichtsrat. 2013 dann ging er zurück in den Vorstand. Dort machte Binder für ihn Platz und wechselte auf den Aufsichtsratsvorsitz. Erklärungen für diese Wechsel gab es nicht, es wurden – wie auch beim aktuellen Abschied von Binder aus dem Kontrollgremium – höchstens mal „persönliche Gründe“ angeführt.

    „Nun sind wir in ruhigerem Fahrwasser“, sagte Delticom-Vorstand Prüfer im Dezember, „und können uns konsequent auf unsere geschäftlichen Ziele konzentrieren.“ Doch die scheinen sehr viel bescheidener zu sein als in der Vergangenheit.

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