Anna Banicevic Weltgrößter Yachtvermittler Zizoo will mit neuen Kooperationen weiter wachsen

Mit dem Start-up Zizoo ist Anna Banicevic zur weltgrößten Vermittlerin von Urlaubsyachten aufgestiegen – auch dank der Unterstützung von Axel Springer.
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Die Idee zu einer Plattform, auf der Hobbysegler Katamarane, Mini-Yachten oder Schnellboote mieten, kam ihr beim Arbeitgeber Google in London. Quelle: Martin Lengemann/laif
Anna Banicevic

Die Idee zu einer Plattform, auf der Hobbysegler Katamarane, Mini-Yachten oder Schnellboote mieten, kam ihr beim Arbeitgeber Google in London.

(Foto: Martin Lengemann/laif)

BerlinEs ist an diesem Morgen die US-Schauspielerin Lindsay Lohan, die in der ehemaligen Kreuzberger Bechstein-Pianofabrik den Gong zum Klingen bringt – so wie jedes Mal, wenn Kunden einen Mietvertrag von mehr als 20.000 Euro online unterschreiben. „Der Hollywood-Star hat sich für ein Boot entschieden“, plappert eine Angestellte im Großraumbüro aufgeregt, „das direkt vor ihrem Hotel in Mykonos liegt.“

Ansonsten herrscht, abgesehen von dem chinesischen Klanginstrument, das mitten im Raum steht, unter den 30 Mitarbeitern auf der fünften Etage des roten Backsteingebäudes konzentrierte Stille. Hier residiert Zizoo, 2014 gegründet und laut Eigenwerbung weltgrößter Vermittler gewerblicher Urlaubsyachten. Kläger, die gegen die forsche Behauptung in Berlin vor Gericht zogen, wehrte Zizoo vor wenigen Wochen erfolgreich ab, wie Gründerin Anna Banicevic dokumentiert.

„Allein im Juli klickten 250.000 Interessenten auf unsere Seite“, erzählt die 36-Jährige, „zudem haben wir 20.000 Boote zur Auswahl, und das an 530 Standorten in 30 Ländern.“ So etwas habe die Richter überzeugt. Rivalen wie Barqo aus den Niederlanden oder die Berliner Yachtico müssten sich danach, wenn es um Umsatz und Bootsauswahl geht, im Ranking hinter Zizoo einreihen.

Der Axel Springer Verlag benötigte kein Gerichtsurteil, um an die Zukunft des Start-ups zu glauben. Über die Tochter „Plug and Play Accelerator“ stieg der Herausgeber von „Bild“ und „Welt“ gleich zu Beginn in die Firma ein. Acht Prozent des Finanzierungsvolumens von fünf Millionen Euro stellt das Zeitungshaus zur Verfügung.

Der jungen Gründerin mit den dunklen, langen Haaren liegt das Unternehmertum im Erbgut. Ihre Eltern, die aus einem Dorf in Montenegro stammen, führen in Österreichs Hauptstadt Wien gleich mehrere Restaurants. Die Tochter zog es früh ins Ausland. Einen Teil ihrer Jugend verbrachte sie an der irischen Küste, wo sie ihre Liebe zum Segeln entdeckte, später studierte sie Politikwissenschaft an der Uni im nordenglischen Leeds. Die englische Sprache ist ihr lieber als Deutsch.

Die Idee zu einer Plattform, auf der Hobbysegler Katamarane, Mini-Yachten oder Schnellboote mieten, kam ihr beim Arbeitgeber Google in London. In den sieben Jahren dort gehörte es zu ihren Aufgaben, Hotel- und Urlaubsportale wie Booking oder Expedia zu überzeugen, mehr Geld für die Suchmaschine auszugeben. „Da habe ich mich gefragt“, sagt sie rückblickend, „weshalb es solche Portale nicht für die Yachtvermietung gibt.“

Allerdings: Wenn es um Boote geht, erscheint „Sharing“ weitaus komplizierter als das von Übernachtungs- oder Mitfahrgelegenheiten. Start-ups vom Schlage Airbnb oder Uber taugen als Vorbild nur bedingt.

Viele Boote werden nur wenige Wochen im Jahr benutzt

Abgesehen von den USA und Frankreich ist es in fast allen westlichen Ländern Privatleuten untersagt, Yachten oder Schnellboote an Urlauber zu vermieten. Die fehlende Seetüchtigkeit mancher Kähne bestärkt die Behörden in ihrer Ansicht. Wer sich nicht daran hält, muss mit drakonischen Strafen rechnen – selbst mit Beschlagnahme.

Banicevic entschied deshalb, allein auf die Angebote von Charterfirmen zurückzugreifen. Doch viele zögerten zunächst. Die Vermittlungsgebühr – Zizoo verlangt zwölf bis 25 Prozent – sei ihnen zu hoch, bekundete noch letztes Jahr das Unternehmen Sunsail. Doch der Besitzer von 500 Yachten und hinter Wettbewerber Dream Yacht Charter einer der größten Anbieter in Deutschland, knickte inzwischen ein. „Wir arbeiten mit Zizoo zusammen“, erklärte jetzt eine Sprecherin auf Anfrage.

„Unsere Plattform macht den Markt liquide“, nennt Banicevic dafür als Grund. Es gebe weltweit 29 Millionen Boote, sagt sie, doch die würden oft nicht einmal drei Wochen im Jahr genutzt.

Was das Geschäft mit der Bootsvermietung bislang hinderte: Hobbysegler gelangten oft nur über Papierlisten an ihre Yachten. Vermittelt wurden sie meist durch Agenten, wie etwa den Marktführer Scansail in Hamburg. 21 Tage und mehr vergingen, bis aus der Mietanfrage ein Buchungsvertrag entstand. Verfügbarkeit in Echtzeit blieb ein Traum.

Ebenso die Preistransparenz. Einzelne Bootsklassen bergen weit auseinandergehende Tarife. Ein kleines Motorboot gibt es bei Zizoo ab 100 Euro pro Tag, einer TV-Crew vermieteten die Berliner dagegen eine Gulet, einen traditionellen türkischen Zweimaster, für 75.000 Euro die Woche.

Frühestens Ende 2019 aus den roten Zahlen raus

Andere glauben nicht recht daran, dass jetzt mit Zizoo alles einfacher sein soll. „Nur in wenigen Fällen wird es Yacht-Interessenten gelingen, über ein solches Portal ohne umständliche Rücksprachen bis zum Endprodukt durchzubuchen“, glaubt Hartmut Holtmann, geschäftsführender Gesellschafter der Stuttgarter Agentur KH+P Yachtcharter. Bootskunden seien in der Regel anspruchsvoll, stellten knifflige Rückfragen über die Art der Segel, nautische Instrumente oder das Alter des Schiffs.

Hier schwimmen 2,5 Milliarden Euro

„Der hohe Beratungsbedarf“, sagt er, „könnte das Wachstum von Zizoo bremsen.“ Von solchen Bedenken lässt sich Banicevic nicht aufhalten, die bis heute mit 24,14 Prozent den Hauptanteil an der Firma hält. Sie war es auch, die sich den Namen ausdachte – und dabei „Zizoo“, den Spitznamen des französischen Meeresforschers Jacques-Yves Cousteau, wählte.

Zusammen mit den Softwareentwicklern Ivan Miletic und Benito González Del Valle sowie dem Finanzexperten Sinan Masovic hält das Gründerquartett knapp 57 Prozent der Firmenanteile. „Wir sind zwar ständig dabei, neue Finanzquellen zu erschließen“, sagt Masovic, „die Mehrheit verlieren wollen wir aber nicht.“

Einfach wird das nicht. Frühestens Ende 2019 rechnet man mit schwarzen Zahlen. Grund sind die vielen Gelder, die etwa in die Software „Zizoo BMT“ fließen, über die Schiffsvermieter ihre Angebote auf die Plattform laden können. Oder für Werbeausgaben bei Google und Facebook, um den Traffic auf Zizoo zu beflügeln.

Zudem fließt reichlich in die Kundenbindung. Ein Onlinemagazin informiert über neueste Boote und Tricks beim Segeln, ein Loyalty-Programm verspricht Stammkunden Rabatte und Sonderbehandlungen.

„Jeder Euro, den wir investieren, bringt uns einen Ertrag von anderthalb“, rechtfertigt Zizoos Finanzchef den Expansionskurs. Dabei haben die vier Gründer ihre Ertragsziele hoch gesteckt. Bis 2020 soll sich der Umsatz jährlich um das Zweieinhalbfache erhöhen – auf dann 133 Millionen Euro.

Mächtig helfen dabei dürfte eine Vereinbarung, die Zizoo vor wenigen Tagen mit der Rewe-Urlaubstochter DER Touristik geschlossen hat. 500 ihrer Reisebüros erhalten derzeit einen direkten Onlinezugang für die Buchungsplattform der Berliner. Denen winkt dadurch erhebliches Zusatzgeschäft: Wer als Pauschalreisender bei den DER-Agenturen etwa einen Kroatien-Urlaub bucht, kann den Segeltörn am Ladentisch nun gleich mitbestellen.

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