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Anno August Jagdfeld „Mr. Adlon“ kämpft vor Gericht um seinen Ruf

Anno August Jagdfeld machte einst als Immobilieninvestor Karriere. Nun liegt der 71-Jährige mit mehreren Finanzinstituten im Streit.
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Hunderte Immobilienprojekte auf die Beine gestellt. Quelle: Pressebild
Anno August Jagdfeld

Hunderte Immobilienprojekte auf die Beine gestellt.

(Foto: Pressebild)

DüsseldorfVor dem Oberlandesgericht in Hamm nimmt sich Anno August Jagdfeld, Immobilieninvestor mit Vorliebe für die altgriechischen Stoiker, am Montag vornehm zurück. Er ist im blauen Tweed-Jackett gekommen, blickt mit kühlen Augen durch seine filigrane Rundbrille mit Goldrand, ihm gegenüber sitzen die Anwälte der Signal Iduna.

Der Dortmunder Versicherung wirft Jagdfeld eine Rufmord-Kampagne vor, die ihn sein Lebenswerk gekostet haben soll. Die Versicherung bestreitet alles und wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Zum Auftakt doziert der Richter ausführlich über die Zulässigkeit der Klage, wägt das Für und Wider ab. Es sieht nicht schlecht aus für den 71-Jährigen, zumindest auf diesem Nebenkriegsschauplatz, bei dem Jagdfeld im Namen seiner Anleger rund 720.000 Euro fordert.

In einer weiteren Klage vor dem Dortmunder Landgericht fordert er persönlich zusätzlich eine weitere Milliarde Euro von der Versicherung. Während der Richter in Hamm doziert, verzieht Jagdfeld keine Miene – ganz in der Tradition der alten Griechen.

Vielleicht ist Jagdfeld inzwischen auch einfach die Atmosphäre in Gerichtssälen gewohnt. Seit der Mann hinter dem legendären Berliner Nobelhotel Adlon vor einigen Jahren mit mehreren millionenschweren Großprojekten Schiffbruch erlitten hat, gerät er mit immer mehr früheren Geschäftspartnern in juristischen Streit. Dabei ist offenbar nicht nur die Signal Iduna ins Visier des vornehmen Rheinländers geraten, wie das Handelsblatt nun aus Gerichtsakten erfuhr.

So führte der Familienunternehmer, der sich mit Prestigebauten wie dem Adlon oder dem gescheiterten Grandhotel Heiligendamm einst einen Namen machte, im vergangenen Jahr auch einen Prozess gegen mehrere Finanzinstitute, die 2010 millionenschwere Verpflichtungen des Luxus-Einkaufszentrums Quartier 206 in der Berliner Friedrichstraße aufgekauft hatten und das Gebäude nach ausbleibenden Ratenzahlungen von Jagdfelds Betreibergesellschaft unter Zwangsverwaltung hatten stellen lassen.

In dem Verfahren, das wiederum vor dem Frankfurter Landgericht geführt wurde, forderte die Jagdfeld-Gruppe Schadensersatz in Höhe von 665 Millionen Euro. Zunächst erfolglos – doch nun wolle Jagdfeld vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt in Berufung gehen, sagte sein Sprecher dem Handelsblatt.

Verwandte als Geschäftspartner

Es ist neben der Milliardenklage gegen die Signal Iduna der zweite Prozess, in dem Jagdfeld um sein Vermögen und um sein Renommee kämpft. Über Jahrzehnte hatte der Sohn aus einer Familie rheinischer Möbelhändler ein regelrechtes Fonds-Imperium geschmiedet und mit Anlegergeldern teure Bauprojekte wie das Adlon oder das Berliner Bürogebäude Pyramide finanziert. Ende der Neunzigerjahre brachte ihm sein Engagement beim Aufbau Ost sogar das Bundesverdienstkreuz ein.

Schon früh zeigte sich, dass der gebürtige Jülicher große Ambitionen hegt. So soll er sich bereits während seines BWL-Studiums gerühmt haben, mehr als der Professor zu verdienen. Über die Jahre stellte Jagdfeld Hunderte Immobilienprojekte auf die Beine. Doch weil dabei auch immer wieder Jagdfelds Verwandte als Geschäftspartner auftauchten, etwa als Mieter oder Inneneinrichter, kam es vereinzelt zum Streit – manchmal mit Anlegern seiner Fonds, die sich etwa mit der Signal Iduna zu einer Schutzgemeinschaft zusammenschlossen, aber auch mit Kreditgebern.

So war es etwa beim Berliner Luxuskaufhaus Quartier 206, das Jagdfeld 1997 in bester Hauptstadtlage errichten ließ. Das Hauptgeschäft, den sogenannten „Departmentstore“, betrieb Anne Maria Jagdfeld, die Ehefrau des Immobilieninvestors. Die Idee: eine Anlaufstelle für gut betuchte Berliner zu schaffen, die mit den Modehauptstädten Madrid, Mailand und München mithalten kann.

Das lief zunächst gut, mit Mietern wie Gucci, Louis Vuitton und Yves Saint Laurent, die lange für reiche Kundschaft auf der Einkaufsmeile sorgten. Doch als die großen Designer irgendwann auszogen, um anderswo eigene Räume zu eröffnen, verlor das Quartier an Bedeutung – und in der Folge an Mietern.

Jagdfelds ursprünglicher Kreditgeber für das Projekt war die Schweizer Großbank Credit Suisse, die den Kredit aber nach ausbleibenden Ratenzahlungen an die Finanzinstitute Titan Europe, Panther CDO IV und Prudential Assurance verkaufte. Die kündigten den Vertrag und stellten das Haus 2011 unter Zwangsverwaltung – unrechtmäßig, wie Jagdfeld behauptet. Die Credit Suisse meldete sich in dem Verfahren als sogenannte Nebenintervenientin, um die beklagten Finanzinstitute zu unterstützen.

Berliner Medien berichteten seinerzeit ausgiebig über den Niedergang der einst mit viel Pomp eröffneten Prachtimmobilie. Etwa im Januar 2018, als es hieß, das Gebäude solle zwangsversteigert werden. Laut „Tagesspiegel“ waren zu diesem Zeitpunkt im Grundbuch rund 140 Millionen Euro Schulden eingetragen. Der Verkehrswert der Immobilie liege derzeit bei 70 Millionen Euro, so ein neueres Gutachten. Zwischenzeitlich war er sogar auf nur 45 Millionen Euro gesunken.

Abriss empfohlen

So taxierte ein vom Amtsgericht Berlin bestellter Gutachter 2013 die notwendigen Sanierungskosten für die Immobilie auf rund 30 Millionen Euro, nachdem ein Wasserschaden für Schwarzschimmel gesorgt hatte. Der Experte empfahl damals aus wirtschaftlicher Sicht sogar einen Abriss der Immobilie.

In dem Gutachten, das dem Handelsblatt vorliegt, heißt es: „Einem Verkehrswert von 45 Millionen Euro steht nunmehr ein Bodenwert von 80 Millionen Euro entgegen, sodass sich allein hieraus die Frage ergibt, ob sich ... eine Freilegung des Grundstücks nicht als wirtschaftlicher darstellt.“ Die Sanierung wurde inzwischen offenbar durchgeführt. Die Versteigerung indes wurde vom Amtsgericht Berlin-Mitte wieder aufgehoben, nachdem sich Jagdfeld gewehrt hatte.

Den beteiligten Kreditverwertern, an die die Credit Suisse die Verpflichtungen von 2006 verkauft hatte, wirft Jagdfeld Folgendes vor: Sie hätten kein Recht gehabt, den Darlehensvertrag zu kündigen, und hätten mit der Zwangsverwaltung ab 2011 den Niedergang des Quartiers selbst verursacht. Die Bank äußerte sich nicht dazu. Jagdfeld indes gibt sich für die zweite Instanz siegessicher.

Doch bevor die nun bekannt gewordene Klage in Sachen Quartier 206 entschieden wird, dürfte der frühere Immobilienkönig noch einmal auf die Signal Iduna treffen. Das Oberlandesgericht in Hamm, das in dem Klagereigen über die geringste Summe zu befinden hatte, verwies den Fall am Montag zurück an das Landesgericht in Dortmund, wo auch Jagdfelds Milliardenklage gegen die Signal Iduna entschieden wird. Die Versicherung werde „keinen Cent“ an Jagdfeld zahlen, sagte ein Sprecher.

Zuletzt sah es um den Adlon-Fonds wieder besser aus: Nach mehreren mageren Jahren erzielte der Fonds im Geschäftsjahr 2017 eine Rendite von 4,5 Prozent, teilte ein Sprecher mit. Drei Prozent wurden demnach für Ausschüttungen verwendet, der verbleibende Betrag ging in „Kredittilgung und Liquiditätsvorsorgen“, hieß es.

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