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Anton Piëch Was der Urenkel von Ferdinand Porsche mit seiner Automarke vorhat

Anton Piëch hat zwar die Leidenschaft für Autos geerbt, sieht sich aber als moderner Unternehmer. Sein erstes Modell ist natürlich ein Sportwagen.
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Der Porsche-Urenkel präsentiert sein Modell Piëch Mark Zero. Quelle: dpa
Anton Piëch

Der Porsche-Urenkel präsentiert sein Modell Piëch Mark Zero.

(Foto: dpa)

GenfAnton Piëch mag sich nicht festlegen. Seinen Wagen werde der Kunde mit einem Elektromotor, Verbrenner oder Hybridantrieb ausrüsten lassen können, sagt er. Von ideologischen Schranken oder technischen Erwägungen will er sich da nicht eingrenzen lassen.

Das Auto, über das Piëch redet, heißt Mark Zero und steht vor ihm in einem abgedunkelten Raum. Die matt-graue Farbe hebt sich von dem Holzboden und dem gediegenen Interieur ab. Mit den schweren Ledersesseln und der Bar gleicht der Raum einem Klub britischer Landadeliger.

Der Mark Zero ist ein Sportwagen, natürlich. Piëch ist Urenkel von Ferdinand Porsche, der mit seinen Erfindungen die Automobilbranche geprägt hat, wie sonst nur Carl Benz es getan hat. Bekannt geblieben ist der Pionier als Namensgeber für den Sportwagen-Hersteller Porsche, der inzwischen zum Volkswagen-Konzern gehört. Mit dem Unternehmen steht der Neugründer in keiner Verbindung. Eine finanzielle Beteiligung an Piëch Automotive gebe es nicht.

Fragen zu seinem Vater – die Ehe mit der Mutter wurde vor Jahren geschieden – weicht er aus. Es gebe Kontakt, sagt er. Und natürlich habe er ihm von den Plänen berichtet. Der lasse ihn machen.

Wer jetzt aber vom Vater auf den Sohn schließt, der tut Anton Piëch Unrecht. Er teilt zwar die Leidenschaft des Altvorderen für das Vierrädrige. „Schon als Kind war ich von Autos fasziniert“, sagt er. Aber er ist kein Erfinder oder Tüftler, der ein Auto zur Perfektion bringen will.

Auch ist er kein Manager vom alten Schlag, bei denen Kumpanei und übertriebene Härte je nach Bedarf zum Rüstzeug gehörten. Er will ein moderner Unternehmer sein. Einer, der den Kunden in den Mittelpunkt stellt und nicht das Unternehmen.

In der Automobilindustrie ist der 40-Jährige eher widerwillig gelandet. „Die Branche hat mich, anders als das Produkt, eher abgeschreckt“, bekennt er. Die Manager mit ihrem Alphagehabe waren ihm suspekt.

Und sie sind es bis heute. Warum er trotzdem in dem Industriezweig aktiv geworden ist? „Die Branche ist in Bewegung gekommen, daraus ergeben sich Chancen.“ Erkannt hat er das vor drei Jahren, als alles anfing. Zusammen mit seinem heutigen Partner Rea Stark Rajcic habe er verschiedene Ideen durchgespielt, sagt er. Auch die eines Einstiegs in die Autoindustrie.

Zeichen für den Angriff

Bis vor wenigen Jahren war ein solcher Schritt undenkbar. Der Markt wurde von Konzernen wie Volkswagen oder Toyota dominiert, die mit ihren Milliarden jeden Herausforderer aus dem Felde schlagen konnten. Diese Zeit ist vorbei. Autos werden elektrisch und steuern in naher Zukunft eigenständig durch den Verkehr.

Das Geschäft hat sich verändert – und zwar stärker, als es von außen den Anschein macht. Menschen werden in Zukunft anders mobil sein. In den Zentralen von Daimler, BMW oder VW fahnden die Verantwortlichen danach, wie ihr Geschäft einmal aussehen wird. Die Existenzsorge ist so groß, dass Daimler-Chef Dieter Zetsche kürzlich den Untergang prophezeite, wenn sein Konzern so weitermacht wie bisher.

Schon als Kind war ich von Autos fasziniert. Anton Piëch, Firmengründer

Für Anton Piëch ist das ein Zeichen für den Angriff. Ihm und seinen Mitgründern habe sich ein Fenster geöffnet. Es sei eine Chance zum Einstieg, sagt er. Auf seinem Sessel hält es ihn nicht mehr. Er geht zu seinem Sportwagen. Über den Lack streicht er nicht, der ist gerade erst von den Angestellten gesäubert worden.

Von einem Traum, einen Sportwagen entwickelt zu haben, würde der Gründer nicht sprechen. Er sieht das eigentlich Innovative als künftiges Geschäftsmodell. Sein Auto aber hat er immerhin vom Papier zum Prototyp aus Metall weiterentwickeln können. „Dafür haben wir einen zweistelligen Millionenbetrag investiert“, sagt er.

Einiges von seinem eigenen Geld steckt in der Firma Piëch Automotive, die ihren Sitz in Zürich hat. Mehr Geld steuerten aber Investoren bei. Um die für seine Idee zu begeistern, hat er einen Investmentbanker und einen Analysten abgeworben. Es sind Hochkaräter, die noch mehr Geld in das Start-up schaufeln sollen. Anton Piëch, Dreitagebart und leger gekleidet, ist Teil des rund hundert Köpfe zählenden Familienclans – eines der einflussreichsten im deutschsprachigen Raum.

Und er ist zudem ein Spross von Ferdinand Piëch. Der hatte wie kein Zweiter die Welt von Volkswagen über viele Jahre geprägt. Erst im Jahr 2015 zog er sich nach einer Fehde mit anderen Mitgliedern der Familie zurück. Seinen Anteil hat Ferdinand Piëch verkauft, auch im Erbfall würde Filius Anton nicht Miteigner von Volkswagen.

Erfrischend angstfrei

Nachdem Piëch und Rajcic ihren Prototypen auf dem Autosalon Genf vorgestellt haben, wollen sie nun Kapital für die weitere Entwicklung einwerben. Rund eine halbe Milliarde Euro benötigen sie, um den Mark Zero auf die Straße zu bringen. Weiteres Kapital werden sie für den Viersitzer und einen sportlichen Geländewagen (SUV) benötigen, die ebenfalls geplant sind.

Schwergewichte wie Volkswagen sind für Anton Piëch nicht die Messlatte für seinen Erfolg. „Wir müssen das Auto neu denken“, meint er. Beim Kunden müsse man anfangen. Und der werde gerne Sportwagen fahren. Für seinen Piëch sieht er daher Bedarf.

Anton Piëch ist erfrischend angstfrei. Während ein Großteil seiner Großfamilie eher voller Sorgen auf den Umbruch der Autoindustrie blicken dürfte, sieht der Neugründer eher die Chance. Diese Sicht hat sehr viel mit seinem Werdegang zu tun. Anton Piëch ist trotz seiner Herkunft kein Automanager vom alten Schlag. Ihn konnte selbst der Ruf des Namen Piëch nicht in Österreich halten, wo sein Vater und viele andere Mitglieder der Familie wohnen. Er fremdelte vielmehr mit seinem Namen. „Es gibt einen Grund, warum ich zum Studieren nach Amerika gegangen bin und später nach China.“

Er wollte raus aus seiner geordneten Umgebung und sich unbelastet entwickeln. Einem Piëch und Porsche öffnen sich viele Türen, allerdings begegnen den Mitgliedern der Familie auch viele Vorurteile und Vorfestlegungen.

Davon hat sich Anton Piëch frei gemacht. Er ist pragmatisch, nahbar, der Toni eben, wie er von vielen genannt wird. Geholfen habe ihm dabei seine Zeit in China. Zwölf Jahre hat er in dem Land gelebt, als Journalist gearbeitet und Werbefilme gedreht. „Die Menschen dort packen die Themen einfach an, das ist erfrischend“, sagt er.

Er ist ein Macher, der das Risiko nicht scheut. Auf dem Auto prangt sein Nachname. Piëch. Floppt das Start-up, es wäre auf immer und ewig mit ihm verbunden. Schon jetzt begleitet das Projekt Missgunst. Sein Piëch erinnere schon an einen Porsche, meint ein Automanager. Anton Piëch kann damit nichts anfangen. Seine Überzeugung: Der Markt ist reif für den Piëch.

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