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Anton Seeber Seilbahn-Spezialist Leitner baut jetzt auch Windräder

Der Widerstand gegen den Skitourismus wächst. Der Südtiroler Seilbahn- und Pistenraupenhersteller erschließt sich da ein neues Geschäftsfeld.
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Leitner gilt als der größte Arbeitgeber in Südtirol. Quelle: Leitner
Anton Seeber

Leitner gilt als der größte Arbeitgeber in Südtirol.

(Foto: Leitner)

Wien Anton Seeber hat von Pisa erst einmal die Nase voll. In seiner Firmenzentrale am Rande des Südtiroler Städtchens Sterzing redet sich der Chef des Seilbahnherstellers Leitner in Rage. Gerade erst ist er aus Pisa zurückgekehrt. „Wir lassen von derartigen Großprojekten in Italien in Zukunft lieber die Finger“, sagt der Firmenchef und Mehrheitsgesellschafter.

Am dortigen Flughafen hat das traditionsreiche Familienunternehmen zusammen mit der örtlichen Betreibergesellschaft in öffentlich-privater Partnerschaft ein teures, zweieinhalb Kilometer langes Seilbahnprojekt gebaut, das zu einer Menge Ärger geführt hat. „Ich bin ein Idealist, dass ich mich auf das 70-Millionen Euro-Projekt eingelassen habe“, sagt der 46-jährige Unternehmer. „Am Ende wird es voraussichtlich ein Nullsummenspiel werden. Wir hätten es wissen müssen.“

Die wirtschaftliche Enttäuschung kann Leitner aber gut verkraften. 2018 hat das Familienunternehmen erstmals die Milliardengrenze bei den Erlösen überschritten. Auf den Umsatz von 1,02 Milliarden Euro mit Seil- und Bergbahnen, Pistenraupen und Schneekanonen verweist Seeber, der über viele Jahre in der Privat-Equity-Branche in den USA gearbeitet hat, nicht gerne. Denn die Milliardenschwelle setzt ihn unter Erfolgsdruck.

Anton Seeber hat vor drei Jahren seinen Vater Michael bei der Geschäftsführung abgelöst. Der Betriebswirt kam 2006 wieder zurück in die Südtiroler Heimat. Sein Vater, ein früherer Bauunternehmer, hatte 1992 nach einer Schieflage die Firma von der Gründerfamilie Leitner mehrheitlich übernommen. Mit 3500 Mitarbeitern in elf Werken in neun Ländern gilt das Familienunternehmen als der größte Arbeitgeber in Südtirol.

Zu den Erwartungen für das laufende Jahr macht der Leitner-Chef nur eine ungefähre Andeutung: „Wir haben auch im Jahr 2019 eine stabile Umsatzentwicklung mit rund einer Milliarde Euro an Erlösen.“ Beim Gewinn wird er noch schmallippiger. Die Rendite sei „zufriedenstellend“.

Anton Seeber stößt allerdings in komplett neue, umsatzträchtige Branchen vor. Mit seiner Firmentochter Leitwind baut er getriebelose Windkraftanlagen der Megawattklasse. „Mit dem Bau von Windkraftanlagen erschließen wir für uns ein neues Geschäftsfeld“, sagt Seeber. Mit dem Energiekonzern Eon haben die Südtiroler in Steinfeld in Schleswig-Holstein eine Windkraftanlage mit einer Nabenhöhe von 28 Metern errichtet. Der Großteil der Energie wird direkt vor Ort verbraucht.

Ausbau der Marktnische

Für die technisch anspruchsvolle Anlage – intern LTW42 genannt – hat Leitner einen eigenen Umrichter entwickelt. Das Prinzip ist aus der Sicht des Seilbahnherstellers einfach: Die Windkraftanlage funktioniert genau umgekehrt wie bei einer Seilbahn. „Bei den Windkrafträdern erhalte ich Energie und wandle sie zu Strom um. Bei der Seilbahn ist das Gegenteil der Fall“, erklärt Seeber. Der Rotor produziert auch bei schwachem Wind Strom. Die vergleichsweise geringe Größe des Rotors erleichtert das Genehmigungsverfahren.

Das ist ein wichtiger Punkt gerade angesichts des wachsenden Widerstands gegen Windprojekte in der deutschen Bevölkerung. Die neue Generation von Windkraftanlagen kann zudem in kurzer Entfernung beispielsweise zu Unternehmen in relativ kurzer Bauzeit errichtet und auf Grund der Kompatibilität mit dem Niederspannungsnetz direkt an das Verteilernetz des Kunden angeschlossen werden. Leitner will diese Marktnische von getriebelosen, kleinen und geräuscharmen Windkraftanlagen weiter ausbauen. Bis 2020 sind weitere 49 Anlagen geplant.

Im klassischen Wintersportgeschäft mit Seilbahnen, Pistenraupen und Schneekanonen ist das Wachstum mittlerweile begrenzt. Die Skigebiete seien ein gesättigter Markt mit wenig Wachstumsmöglichkeiten. Noch aber macht Leitner mit Seilbahnen für den Wintersport rund zwei Drittel des Umsatzes.

Der wachsende Widerstand gegen den Skitourismus macht das Geschäft nicht einfacher. Quelle: Leitner AG
Skilift von Leitner

Der wachsende Widerstand gegen den Skitourismus macht das Geschäft nicht einfacher.

(Foto: Leitner AG)

Der Weltmarkt für Seilbahnen beträgt nach Branchenangaben nur rund zwei Milliarden Euro. Hauptkonkurrent ist die österreichische Firma Doppelmayr aus Wolfurt in Vorarlberg. Die beiden Unternehmen befinden sich in einem scharfen Wettbewerb. „Wenn wir gegen Doppelmayr bei einem Projekt antreten, kann es schon mal ruinös werden“, erzählt Seeber.

Seeber, der seine Südtiroler Heimat liebt und schätzt, gibt sich angesichts des Klimawandels nachdenklich. Der mit einer amerikanischen Medizinerin verheiratete Firmenchef leugnet nicht den Klimawandel im alpinen Raum. Im Gegenteil: „Es geht darum, dass sich der Mensch der Natur anpassen muss und nicht umgekehrt. Wir Menschen überschätzen uns“, warnt Seeber.

Die Arbeitsteilung funktioniert

Der wachsende Widerstand gegen den Skitourismus macht das Geschäft für das Unternehmen nicht einfacher. Kritikern stößt auf, dass etwa die Bergbahnen im Tiroler Millionärsparadies Kitzbühel die Saison auch in diesem Jahr wieder Mitte Oktober bei noch spätsommerlichen Temperaturen eröffnet haben.

„Wenn irgendwo in den Alpen der Geigerzähler für ökologische Durchgeknalltheit, den Verlust an gesundem Menschenverstand und Dekadenz ausschlägt, dann ist Kitzbühel mit seinen Bergbahnen mit hoher Verlässlichkeit dabei“, sagt der Tiroler Tourismuskritiker und Fotokünstler Lois Hechenblaikner. Die Kitzbüheler Bahnen sind Stammkunde von Leitner.

Beim Mittagessen sitzt Anton Seeber gemeinsam mit Vater Michael in der Kantine der Sterzinger Fabrik. Dem Sohn gehen die Baumaßnahmen auf dem Industriegelände, die sein Vater verantwortet, nicht schnell genug voran. Der 71-jährige Senior nimmt es gelassen und sichert Pünktlichkeit zu.

Die Arbeitsteilung zwischen den beiden Generationen funktioniert, weil die Kompetenzen klar geregelt sind. „Ein Unternehmen zu führen ist, wie einen Bus zu fahren. Es darf dabei nur einer das Lenkrad bedienen, und zurzeit bin ich das. Wenn dem Fahrer dauernd in das Lenkrad gegriffen wird, wird es unweigerlich zu einem Unfall kommen“, sagt Sohn Anton.

Eines haben die beiden Seeber-Generationen gemeinsam. Bei ihnen steht das Wohl der Firma über allem. „Es geht nicht um die Eigentümer, sondern um die Interessen des Unternehmens“, sagt Anton Seeber. „Wenn es den Unternehmen gut geht, wird es dem Unternehmer auch gut gehen.“ Vater Michael lächelt am Tisch zustimmend.

Mehr: Immer mehr deutsche Firmen schätzen die Nähe der Alpenrepublik zu Osteuropa. Ein wesentlicher Grund dafür ist die steuerliche Forschungsförderung.

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