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Arne Weber Der Faytech-Gründer wird in China zum Touchscreen-Star

Weil er als Gründer in Deutschland scheiterte, ging er nach Asien. Dort brachte ihm eine spezielle Technik für Touchscreens Erfolg – seine Firma wächst weltweit.
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Er hat weltweit 300 Mitarbeiter, in Göttingen und vor allem in China. Quelle: Faytech
Arne Weber

Er hat weltweit 300 Mitarbeiter, in Göttingen und vor allem in China.

(Foto: Faytech)

Düsseldorf Es war im Mai, als Arne Webers Empfangsdame ihm mitteilte, dass „jemand von Iiyama“ auf ihn warte. Etwa 50 Millionen Monitore produziert der japanische Branchenführer jährlich. Ein vielversprechender Kunde für Weber und seine Firma Faytech im chinesischen Shenzhen. Als er den Empfangsraum betrat, wartete dort Iiyama-Chef Takeichi Shinji persönlich auf den Faytech-Gründer. „Ich dachte, ich träume“, erinnert sich der 40-Jährige.

Iiyama ist nicht das einzige Unternehmen, das auf den Deutschen und sein Unternehmen in China aufmerksam wurde. Faytech hat sich auf Touchscreen-Monitore spezialisiert. Mittlerweile pflegt Weber Geschäftsbeziehungen auf der ganzen Welt, darunter auch zum japanischen Elektronikkonzern NEC. Denn Faytech hat eine weltweit einzigartige Technik für Glasbildschirme entwickelt, die die Bildauflösung maximiert: das sogenannte Bonding.

Touchscreens bestehen aus zwei Glasscheiben – eine Scheibe für die Touch-Signale, eine Scheibe als Panel für das Bild. Bei herkömmlichen Monitoren ist dazwischen eine Luftschicht. Dadurch kommt es zu einer unschönen Spiegelung. Faytech füllt diese Luftschicht mit einem besonderen Kleber aus. Deshalb gibt es fast keine Reflexionen: Die Bildqualität verbessert sich.

NEC-Hauptgeschäftsführer für Hongkong, Brian Foo, kennt Weber seit vielen Jahren und sagt: „Am besten gefällt mir das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Faytech. Ich habe keine Zweifel, dass die Firma weiter wachsen wird.“ Auch Branchenführer wie Eizo oder Elo kennen diese Technik, aber bisher hat es kein Monitorhersteller geschafft, sie nachzubilden.

Die Touchscreens von Faytech haben daher ein Alleinstellungsmerkmal. Webers Monitore sind etwa in Bestellstationen in Fast-Food-Ketten zu finden. Zudem beliefert Faytech in Asien bekannte Autohersteller, die Weber nicht näher benennt, mit Geräten für digitale und interaktive Werbung.

Faytech produziert zudem 55-Zoll-Monitore in Massenfertigung. Die stehen etwa am Flughafen in Hongkong. Der Airport setzt diese Monitore als elektronische Wegweiser ein. Auch in mehr als 2 000 Bussen in Hongkong gibt es Faytech-Monitore, die die Haltestellen anzeigen. Doch das reicht dem gelernten Bank- und Finanzwirt nicht. Weber eröffnete eine Niederlassung in Japan. Dort will er Bushaltestellen mit Faytech-Monitoren ausstatten.

Die Bonding-Technik lohnt sich offenbar für Webers Firma, die ihren Hauptsitz in Göttingen hat. „Aktuell sieht es danach aus, dass wir nächstes Jahr bis zu 70 Prozent des aktuellen Marktes für Bonding-Klebstoff bedienen werden“, sagt Weber. 2018 mache Faytech rund 30 Millionen Dollar Umsatz, 2017 war es gerade einmal die Hälfte. Für 2019 erwartet der deutsche Unternehmer einen Umsatz von etwa 60 bis 100 Millionen Dollar. Konkrete Schätzungen seien schwierig, weil alles so dynamisch wachse.

Webers Geschäfte liefen aber nicht immer so glatt. „2010 war ich mit unserer Firma kurz vor dem Zusammenbruch“, gibt der 40-Jährige zu. Damals investierte Weber in ein neues Kabelkonzept, um die Touchscreens zu verbessern. Er erklärte einem chinesischen Lieferanten, wie das Kabel aussehen müsste. Am wichtigsten war, dass das Produkt CE-zertifiziert war. Denn Weber produziert auch für den deutschen Markt. Der chinesische Lieferant versprach, alles nach Wunsch umzusetzen.

„Ich habe über 10.000 Euro in diese Kabel investiert – viel Geld für unsere damalige Größe“, erklärt Weber. „Alles sah bei Lieferung korrekt aus, bis ich ins CE-Prüflabor ging und die Kabel die Prüfung nicht bestanden.“ Weber war wütend, was der Chinese gar nicht verstand. Denn wer in China ein CE-zertifiziertes Produkt haben wollte, für den kaufte der Kabellieferant ein Zertifikat ohne Test.

Technikfreak mit Chinafaible

Die Lehre, die Weber daraus zog: Jahr für Jahr ein bisschen mehr von der Produktion selbst zu verantworten. Mittlerweile produziert Faytech die komplette Hardware und programmiert auch die Software selbst. „Wenn ich vorher gewusst hätte, welche Schwierigkeiten mich erwarten, wäre ich vielleicht nicht Unternehmer geworden“, sagt Weber heute.

Da er sich schon als Kind für Computer interessierte, gründete er noch vor dem Studium an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Villingen-Schwenningen eine kleine Firma: Weber baute die Server kleinerer Unternehmen in seiner Region auf.

Direkt nach dem Studium gründete er eine Technikfirma, die sogenannte Mediacenter entwickelte. „2001 träumte ich von einem Gerät, das Fernsehen, Aufnahmen, Musikwiedergabe und Internet, alles miteinander vereint“, erinnert sich Weber. Doch aus seiner Vision vom Smart-TV, das er schon Anfang der 2000er-Jahre als Einzelkämpfer entwickeln wollte, wurde nichts. Seine Firma ging 2006 pleite.

Sein damaliger größter Auftraggeber war der Kamerahersteller Rollei, der sein Deutschlandgeschäft einstampfte. Da Weber für Rollei schon Touchscreens aus China importierte, blieb er in der Branche. Viele Alternativen hatte er damals auch nicht. Er fragte sich: „Wer stellt denn jemanden ein, der direkt nach dem Studium sein eigenes Unternehmen gründet und dann Insolvenz anmeldet?“

Bestärkt durch seine Heirat mit einer Chinesin, entschied Weber, nach China auszuwandern. „Wenn es meine Frau nicht gäbe, wäre ich wahrscheinlich nicht nach China gegangen“, sagt er. Seine deutschen Abnehmer verbanden mit China jedoch schlechte Qualität. Also zog Weber 2002 eine von deutscher Hand geführte Produktionsstätte in China auf. Da Weber nicht gut genug Chinesisch spricht, verlässt er sich auf seine Ehefrau Fang Yang.

2010 startete Weber Faytech mit zehn Mitarbeitern in einer leeren Halle. Mittlerweile hat Faytech weltweit etwa 300 Mitarbeiter, 32 davon in Deutschland. 2017 wandelte er die Firma in eine Aktiengesellschaft um.

Auch in Deutschland hat Faytech Abnehmer, der größte ist der Unterhaltungselektronikanbieter Ultramedia. Uwe Gimpel, Geschäftsführer von Ultramedia, sagt: „Faytech-Produkte sind deutsche Ingenieurskunst kombiniert mit chinesischer Fertigung. Arne Weber expandiert in unglaublichem Tempo mit immer neuen und besseren Ideen.“

Die Einsatzgebiete für Faytechs Touchscreens wachsen rasant mit der Digitalisierung. Sie finden sich etwa in Edekas „Supermarkt der Zukunft“ in Porta-Westfalica. Die Touchscreens der intelligenten Einkaufswagen, die Kunden interaktiv durch den Supermarkt führen, kommen von Faytech.

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1 Kommentar zu "Arne Weber: Der Faytech-Gründer wird in China zum Touchscreen-Star"

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  • Das ist eine Erfolgsgeschichte, wie ich Sie selten bzw. ganz ganz selten lesen kann. Glückwunsch an Arne Weber und Frau Weber und weiterhin viel Erfolg!

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