Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Aufsicht in Familienunternehmen Zu alt, falsch ausgewählt, zu wenig digital: So sieht es in Deutschlands Beiräten aus

Eine Studie unter 250 Familienunternehmen zeigt: Oft fehlt es an Kompetenz in den Aufsichtsgremien. An Beiräte aus den Familien werden weniger strenge Maßstäbe angelegt als an externe.
21.01.2021 - 09:22 Uhr 1 Kommentar
Eine neue Umfrage zeigt, dass in den bestehenden Beiräten zwar betriebliches Wissen und auch Kompetenzen für Strategiethemen vorhanden sind, aber nur 27 Prozent der Befragten fühlen sich beim Thema Digitalisierung kompetent. Quelle: dpa
Mitarbeiter bei Körber & Körber Präzisionsmechanik arbeitet an Industrie 4.0 gesteuerter Produktionslinie

Eine neue Umfrage zeigt, dass in den bestehenden Beiräten zwar betriebliches Wissen und auch Kompetenzen für Strategiethemen vorhanden sind, aber nur 27 Prozent der Befragten fühlen sich beim Thema Digitalisierung kompetent.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Familienunternehmen setzen immer stärker auf Beiräte, die die Geschäftsführung in allen wichtigen Fragen berät. Inzwischen sind es bereits 83 Prozent, die sich so zusätzliches Know-how holen. 2002 waren es noch nicht einmal halb so viele. Das ist die gute Nachricht. Gerade in Corona-Zeiten ist guter Rat wichtig, teils sogar überlebenswichtig.

Die schlechte Nachricht: Es reicht nicht, einen Beirat zu installieren, wenn die Expertise vor allem in Zukunftsthemen fehlt.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage unter 250 Familienunternehmen im deutschsprachigen Raum. „Die Mitglieder des Gremiums sind im Schnitt zu alt, falsch ausgewählt und lassen Kompetenzen in Zukunftsthemen vermissen“, heißt es in der Studie, die im Auftrag der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC und der Intes Akademie für Familienunternehmen erstellt wurde.

Grafik

Anfang des Jahres hatte das Handelsblatt mit Experten gesprochen und eine Checkliste erarbeitet, wie Unternehmen digitale Kompetenz in ihre Beiräte bekommen. Ihnen allen ist klar, dass es daran fehlt. Die aktuelle Umfrage von PWC und Intes liefert nun die Zahlen, die die Probleme offenlegen und zeigen: Es besteht Handlungsbedarf beim Thema Kompetenz.

„Viele Familienunternehmen betreiben die Beiratsarbeit noch nicht mit der gebotenen Konsequenz“, urteilt Uwe Rittmann, Leiter Familienunternehmen und Mittelstand sowie Geschäftsführungsmitglied bei PWC Deutschland. Die Unternehmen verschenkten Potenzial. Er fordert: „Wenn schon Beirat, dann richtig.“

Grafik

Die Umfrage zeigt, dass in den bestehenden Beiräten zwar betriebliches Wissen und auch Kompetenzen für Strategiethemen vorhanden sind, allerdings fühlen sich nur 27 Prozent der Befragten beim Thema Digitalisierung kompetent.

„Wer die Zukunft von Unternehmen erfolgreich mitgestalten will, muss sich heute mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung auskennen: von ihren Auswirkungen auf Produkte und Prozesse über eine intelligente Datennutzung mit KI bis hin zur Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle“, sagt Intes-Geschäftsführer Gerold Rieder.

Zu hohes Durchschnittsalter in Beiräten

Die Studie zeigt legt noch einen weiteren Trend offen: Immer mehr Familienmitglieder ziehen in die Aufsichtsgremien ein. Waren es vor sieben Jahren noch zwei Drittel, sitzen nun schon in vier Fünftel der Beiräte Familienmitglieder. Das ist einerseits sinnvoll, weil das Verantwortungsbewusstsein signalisiere, sagt Rieder. Andererseits sollten auch Familienmitglieder die gleichen Kompetenzanforderungen erfüllen wie andere Beiratsmitglieder.

Allerdings wird bislang zum Beispiel digitale Kompetenz noch zu wenig in der Unternehmerfamilie gesucht, nur 15 Prozent der Beiräte in den befragten Unternehmen zählen Vertreter der nächsten Generation zu ihren Mitgliedern. Das Durchschnittsalter beginnt bei 46 Jahren und endet bei 68 Jahren, die durchschnittliche Verweildauer eines Mitglieds in einem Aufsichtsgremium liegt bei zehn Jahren.

Grafik

Laut Umfrage verlangen 92 Prozent der Familienunternehmen fachliche Qualifikation von externen Beiräten, aber nur 66 Prozent von denen, die aus der Familie in die Aufsichtsgremien gehen. Hinzu kommt, dass nur die Hälfte der befragten Unternehmen dafür sorgen, dass wenn die Geschäftsführung von einem Familienmitglied geleitet wird, das Aufsichtsgremium ein Familienfremder ausüben sollte und umgekehrt. Bei einem Drittel der Unternehmen hat die Unternehmerfamilie den Vorsitz in beiden Gremien.

Der Anteil von Frauen in den Beiräten hat sich in den vergangenen sieben Jahren dagegen deutlich verbessert. Waren es 2013 gerade einmal zehn Prozent der Beiräte, in denen weibliche Mitglieder wirkten, sind es inzwischen mit 54 Prozent mehr als die Hälfte.

Damit liegt die Quote deutlich höher als in den Geschäftsführungen von Familienunternehmen. Eine Untersuchung von Intes war Anfang Dezember zu dem Ergebnis gekommen, dass nur 13,6 Prozent oder 68 der 500 größten Familienunternehmen in Deutschland überhaupt eine Frau in der Geschäftsführung oder im Vorstand haben.

Die weiblichen Beiratsmitglieder kommen oft aus den Unternehmerfamilien, während familienfremde Positionen in den Aufsichtsgremien noch immer häufig mit Männern besetzt würden, sagt Rittmann von PWC. Häufig würden für die Aufsichtsgremien Frauen mit Führungserfahrung in vergleichbar großen Familienunternehmen gesucht. „Aber weibliche Führungskräfte, die parallel zu ihrem aktuellen Job auch noch eine Beiratsaufgabe übernehmen, sind rar“.

Mehr: Durch Corona steigt der Druck, Geschäftsmodelle völlig neu zu denken

Startseite
Mehr zu: Aufsicht in Familienunternehmen - Zu alt, falsch ausgewählt, zu wenig digital: So sieht es in Deutschlands Beiräten aus
1 Kommentar zu "Aufsicht in Familienunternehmen: Zu alt, falsch ausgewählt, zu wenig digital: So sieht es in Deutschlands Beiräten aus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wir haben uns halt "gesonnt" in unserem Erfolg und weiter so "gemerkelt"........die Werkbank haben wir nach China "verkauft" und die software haben wir den USA überlassen. Die Parteispenden an die Politik haben halt Wirkung gezeigt.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%