Auszeichnung für „Papa Rhein“: Innovation im Rhein-Tourismus: Jan Bolland als „Next Gen Hotelier des Jahres“ ausgezeichnet
Der Manager hinter dem „Papa Rhein“ ist mit dem Innovationspreis „Next Gen Hotelier“ ausgezeichnet worden.
Foto: dpaHamburg. Schon im November 2019 hat Jan Bolland für sein Hotelkonzept „Papa Rhein“ von der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH die Auszeichnung als „Innovation des Jahres“ erhalten. Zu diesem Zeitpunkt war das insofern erstaunlich, als das Bingener Haus mit seinen 113 Zimmern in bester Flusslage erst ein gutes halbes Jahr später eröffnete – mitten in der Coronapandemie.
Nun werden Bollands Engagement in der jüngeren Vergangenheit und seine Weitsicht in den für die deutsche Hotelbranche schwierigen Zeiten erneut im großen Rahmen belohnt. Am vergangenen Montagabend erhielt er im Hamburger Nobelhaus Grand Elysée den neu gestifteten Preis des „Next Gen Hotelier des Jahres“. Ausgezeichnet wird damit eine Generation von Managerinnen und Managern, der die Jury zutraut, die von Personal- und wirtschaftlichen Sorgen geplagte Branche in eine bessere Zukunft zu führen.
Verliehen wird der Preis von Greensign, nach eigenen Angaben deutscher Marktführer in der Nachhaltigkeitszertifizierung von Hotels, sowie der Passion for Excellence AG des Hotelexperten und Handelsblatt-Kolumnisten Carsten K. Rath. Die Verleihung in Partnerschaft mit dem Handelsblatt fand im Rahmen der „101 Future Hospitality Days“ statt, bei denen an zwei Tagen im Grand Elysée auch mit branchenfremden Referenten über Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Gesundheit in der Hotellerie gesprochen wurde.
Und da sticht das Papa Rhein hervor, durchaus auch optisch. Bloß nichts von der Stange, mag Bolland sich bei der Konzeption des Hauses gedacht haben. Der viel genutzte Begriff des Boutique-Hotels greift dabei zu kurz. Das Interieur der sieben „Konzept-Suiten“ des Hauses etwa wurde themenaffin ausgestattet – mithilfe von Partnern und Sponsoren aus der näheren Umgebung, die nicht nur für die Namensgebung Pate stehen.
Die Suite „Cheers bei Kuehn Kunz Rosen“ etwa entstand in Kooperation mit dem gleichnamigen Mainzer Brauer von Craftbeer. Die zimmereigene Zapfanlage ist hier inklusive. Die „Zeilensprung Suite by Bretz“ ist eher für anspruchsvollere Gäste mit Sinn für das Design des Herstellers von Polstermöbeln gedacht, auch eine Teesuite von Samova oder eine Ginsuite mit „Loredrygin“ ist zu haben. Den Gewinn aus den Umsätzen zweier weiterer Suiten spendet Bolland für soziale Zwecke.
Böse Briefe zum Baustart
Mehr Erlebnischarakter über Storytelling, weniger personalintensive Angebote, für die man ohnehin keine Mitarbeiter mehr findet – das ist für Bolland der Weg, den die Branche in Deutschland künftig gehen sollte. 22 Millionen Euro hat der heute 42-Jährige in seine Vision investiert, nicht nur in der Pandemie ein Risiko. Es war kein einfacher Weg bis zur Eröffnung im Juli 2020.
Das Hotel entstand auf dem ehemaligen Parkplatz der Landesgartenschau von 2008 in Bingen, auch die Stadt hatte immer wieder Interesse signalisiert, der 1-a-Lage am Rhein ein hübscheres Aussehen zu verschaffen. Namen wie Steigenberger und Kempinski waren im Gespräch.
Als Bolland, mit zwei Banken und dem Bonner Softwareentwickler Jörg Haas als Co-Investor im Rücken, dann zuschlug, war es auch wieder nicht recht. Die Bingener erwarteten ein beschauliches Wellnesshotel; als ruchbar wurde, was Bolland da für eine eher hippe und urbane Zielgruppe plante, gab es anonym böse Briefe.
Bolland blieb bei seinem Plan, womit sich das Papa Rhein mit dem alten Winterhafen in unmittelbarer Nähe und dem Blick auf die ufernahen Weinberge tatsächlich weniger an jene älteren Menschen richtet, die es sich in der Wein- und Burgenregion seit Jahrzehnten bedächtig gut gehen lassen.
„Heute klopft man mir auf die Schultern, dass ich das durchgezogen habe“, sagt Bolland. Und sieht sich mit seinem Ansatz auf dem richtigen Weg: „Wer in diesen schwierigen Zeiten versucht, sich durchzumogeln, wird in der Hotellerie nicht überleben.“
Es sind Themen, mit denen sich auch Jan Bolland seit dem Beginn seiner Hospitality-Karriere beschäftigt. Er ist Hotelier in vierter Generation, Meriten erwarb er sich mit der Leitung des traditionsreichen Bad Sobernheimer Familienbetriebs Bollants – Spa im Park.
Aus dem Traditionshotel in die Moderne
„Mein Urgroßvater hat sozusagen den ersten Stein gesetzt“, sagt Jan Bolland. Andres Dhonau, jener Urgroßvater, war ursprünglich selbstständiger Metzger, wurde jedoch von einer schweren Hautkrankheit geplagt. Deren „wundersame Heilung“, wie Dhonau später in einem Buch niederschrieb, führte zur Gründung.
Geheilt wurde er durch den ortsansässigen Pfarrer Emanuel Felke, der in der Naturheilmedizin bewandert war und mit Licht, Luft, Wasser und Erde behandelte. Mit derart durchschlagendem Erfolg, dass Dhonau die gut gehende Metzgerei kurzerhand verkaufte und mit dem Pfarrer das „Felke-Jungborn Kurhaus Dhonau“ gründete.
Das Hotel in bester Flusslage hatte mit Widerständen zu kämpfen.
Foto: PREs hat bis heute Bestand, Jan Bolland wuchs mehr oder weniger im Kurhaus auf. Nachdem zuvor Großeltern und Eltern in der Pflicht waren, machte er das mittlerweile umbenannte Bollants seit dem Jahr 2003 in leitender Funktion und gemeinsam mit seiner Schwester Janine Bolland-Georg sowie Nicola Prass-Anton, der jüngsten Schwester seiner Mutter, zu einem bundesweit vielfach ausgezeichneten Wellnesshotel.
Bolland erweiterte das Haus von 60 auf 120 Zimmer und machte es auch für den Winterbetrieb fit. 2018 dann verkaufte er es an einen US-Rentenfonds, blieb aber noch bis Ende des vergangenen Jahres als Berater mit dem Hotel verbunden. „Ich fühle mich eher als Gestalter, nicht als Verwalter“, begründete der Vater von vier Töchtern und Hobby-Triathlet seinen Schritt.
Change-Management in Theorie und Praxis
Schon 2008 erhielt er als erster Preisträger den Tophotel Hospitality Career Award, mit seiner im selben Jahr gegründeten Hotelmanagement-Gesellschaft betrieb er zudem 13 Jahre lang das kleine, aber feine Klosterhotel Marienhöh im Hunsrück. Ins Bad Sobernheimer Bollants und ins Marienhöh steckte er nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren rund 33 Millionen Euro, um sie für die Wünsche wellnessbedürftiger Gäste fit zu machen.
Nach dem Abitur und einer Ausbildung zum Koch sammelte Bolland zunächst Erfahrungen in gastronomischen Spitzenhäusern im In- und Ausland, bevor er in Bad Honnef ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Hospitality-Management anschloss. Er beendete es mit einem Bachelor an der Universität Brighton und einer Auszeichnung für die beste Studienarbeit seines Jahrgangs. Sein Thema: Change-Management in der Hotellerie.
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Nun also das Papa Rhein, das mit seinem anderen Konzept so gar nicht an den touristisch eher konventionellen Mittelrhein zu passen scheint. Anders sah es die Tourismusbehörde; „das Hotel kann zur Aufwertung des gesamten Images des Mittelrheintals beitragen“, hieß es in der Begründung für die Auszeichnung Bollands im Jahr 2019. Insofern sei die Innovation „als ein mutiger Schritt in die Zukunft“ zu betrachten.
Den nächsten Schritt als Gestalter hat er noch nicht geplant, „ein besonderes Konzept braucht einen besonderen Ort, und den bekommt man nicht auf dem Silbertablett serviert“, sagt der Hotelmanager.