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Auto-Software Wie eine Dresdener Software-Firma VW vor teuren Fehlern bewahren will

VW kämpfte bei der ID-Reihe mit Softwareproblemen. Ein Joint Venture mit Tracetronic, einer Ausgründung der TU Dresden von Rocco Deutschmann, soll das in Zukunft verhindern.
27.06.2021 - 16:08 Uhr Kommentieren
Der Tracetronic-Chef nimmt Autobauern die lästige und zeitintensive Software-Fehlerprüfung ab. Quelle: Tracetronic
Rocco Deutschmann

Der Tracetronic-Chef nimmt Autobauern die lästige und zeitintensive Software-Fehlerprüfung ab.

(Foto: Tracetronic)

Düsseldorf Für das Betriebssystem eines Smartphones müssen Programmierer rund zehn Millionen Zeilen Code aufschreiben. Für das eines Computers etwa 50 Millionen. Die Betriebssysteme von Autos, die in Zukunft selbstständig fahren und mit der Außenwelt vernetzt sind, benötigen über 100 Millionen Zeilen Code. Wegen dieser gigantischen Menge an Zeilen werden Unternehmen wie Tracetronic eine zentrale Rolle in der Softwareentwicklung von Autobauern und Zulieferern spielen.

Das Unternehmen aus Dresden hat sich auf die automatisierte Validierung, also die Fehlerprüfung, von Autosoftware spezialisiert. Autobauer, die die Software von Tracetronic nutzen, können Gründer Rocco Deutschmann zufolge zeitintensive Prüfungsvorgänge bei der Testung von Software automatisieren. Die Strategieberatung McKinsey schätzt den Markt für die Validierung von Autosoftware auf 34 Milliarden Euro bis 2025. Das wäre verglichen mit dem Marktvolumen von 2020 ein Wachstum von über 100 Prozent.

Deutschmann hat diese Entwicklung früh erkannt. Bereits Anfang des Jahrtausends kam ihm die Idee. Zu dieser Zeit war Deutschmann an der TU Dresden in das Forschungsprojekt „Systematischer Steuergerätetest“ involviert. Damals zeichnete sich ab, dass der Anteil von Elektronik im Auto steigt und damit die Software, die diese steuert, an Bedeutung gewinnt. Und je mehr Software für Autofunktionen geschrieben werden muss, desto größer die potenzielle Fehlerquelle.

2004 folgte die Ausgründung mit vier Mitarbeitern. Mittlerweile beschäftigt Tracetronic 300 Mitarbeiter in Dresden, Ingolstadt, München, Stuttgart und Michigan. In der Zentrale in Dresden gibt man sich Mühe, wie ein modernes Softwareunternehmen zu wirken. Es gibt offene Küchen, viele gläserne Wände und einen Beachvolleyballplatz vor dem Gebäude. Das erinnert ein bisschen an die Google-Zentrale im Silicon Valley. Tracetronic ist allerdings nicht eines dieser rasant wachsenden Start-ups mit finanziell potentem Investor im Rücken. Die Ausgründung der TU Dresden hat sich eher langsam mit jedem neuen Auftrag aus der Autoindustrie entwickelt.

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„Wir haben Tracetronic 2004 mit unserem eigenen Cashflow gegründet. Einige Rechner hat uns die TU Dresden bereitgestellt, die restlichen Mittel kamen von uns“, sagt Deutschmann. Ein Jahr nach der Gründung bekam der Elektroingenieur den ersten Auftrag mit einem Gesamtvolumen von einer halben Million Euro. Mittlerweile zählen Autobauer wie Volkswagen, BMW, Daimler und Zulieferer wie Continental und Bosch zu Tracetronics Kunden. Auf einen Investor verzichtet das Unternehmen weiterhin.

Mögliches Joint Venture mit VW

Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr auf über 30 Millionen Euro. Für ein Softwareunternehmen ist das wenig. Doch Deutschmann rechnet sich große Chancen bei der Zentralrechnerarchitektur aus, die in vernetzten Autos künftig zum Einsatz kommt. „Mit Zentralrechnern im Auto wird die Software nochmals komplexer“, sagt er. „Das ist für uns eine gute Entwicklung.“

Deutschmanns Optimismus ist nicht unbegründet. Mitte Februar tauchte in der Liste des Bundeskartellamts zu laufenden Fusionskontrollverfahren Tracetronic neben Volkswagen auf. Demnach wollen die beiden Unternehmen zwei Joint Ventures gründen.

Der Autobauer hat mit dem Start der ID-Reihe in Sachen Software eine harte Landung erlitten. Das Elektroauto ist das erste Fahrzeug von VW, das auf einer zentralen Rechnerarchitektur beruht. Das Problem: Die Software kam von 19 unterschiedlichen Zulieferern – und die Integrationsarbeit wurde unterschätzt. Die einzelnen Software-Bestandteile kommunizierten nicht fehlerfrei miteinander.

Tracetronic verspricht hier Abhilfe. „Unsere Software kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn einzelne Softwarebestandteile zusammengeführt werden. Bei diesen Integrationsprozessen können mit unserer Hilfe die vorhandenen Fehler im Vorfeld erkannt und korrigiert werden“, sagt Deutschmann. Ziel des Joint Ventures mit VW sei es, Methoden und Werkzeuge bereitzustellen, um die Entwicklung und die nahtlose Integration von Fahrzeugelektronik im VW-Konzern zu verbessern, wie die „Sächsische Zeitung“ berichtete. Ende Juli könnte das Bundeskartellamt grünes Licht für die Zusammenarbeit geben.

Mehr: Wie sich die deutschen Autobauer gegen Google und Tesla behaupten wollen

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