Autovermietung Innogy steigt in Carsharing-Start-up Getaway ein

Tausende Autos stehen herum, ohne dass jemand mit ihnen fährt. Edgar Scholler will das mit seinem Start-up ändern und überzeugt damit auch Innogy.
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Der Gründer will die Mobilität in Deutschland demokratisieren. Quelle: Getaway
Edgar Scholler

Der Gründer will die Mobilität in Deutschland demokratisieren.

(Foto: Getaway)

DüsseldorfEdgar Scholler ist keiner, der an einer mitunter bei Gründern chronischen Selbstüberschätzung leidet. Pitcht er vor potenziellen Investoren, wirkt er ruhig. Begeisterung für sein Geschäftsmodell soll die Idee erzeugen, er selbst will nicht nachhelfen. Seine Mitarbeiter kennen ihn als stillen Perfektionisten, der immer noch ein bisschen mehr geben will.

Vielleicht liegt das daran, dass der 32-Jährige ein „alter Hase“ ist. Im Alter von 24 war er Mitgründer von Lottoland, einem in Deutschland nicht zugelassenen Online-Wettanbieter. Direkt nach seinem Studium der Kommunikationswissenschaft und Betriebswirtschaftslehre, ganz ohne absolvierter Karriere startete er damals sein Unternehmertum.

2015 wagte er sich mit einem neuen Start-up auf den Markt. Mit Getaway können Autobesitzer ihre Fahrzeuge über eine App vermieten. Das Start-up kümmert sich um Technologie, Abrechnung und Versicherung.

An den Erfolg glaubt auch das Energieunternehmen Innogy, das zusammen mit zwei Business-Angels nun einen siebenstelligen Betrag in das Unternehmen investiert, wie das Handelsblatt exklusiv erfuhr.

Es war während seiner Zeit bei Lottoland, als der Berliner zwischen dem Firmenstandort in Gibraltar und Berlin pendelte – meist mit dem Flieger: „Mein Auto war dann immer dort, wo ich gerade nicht war – also war ich auf Carsharing angewiesen“, erzählt er. Als Scholler so zu den ausgewiesenen Parkplätzen lief, fielen ihm die zahllosen unbenutzten Autos auf: „Das ist so eine unnötige Verschwendung – die stehen einfach nur rum und verursachen Kosten.“

Über 45 Millionen Autos in Deutschland stünden im Durchschnitt 23 Stunden am Tag still, so Scholler. Eine Goldgrube, die er ausheben will: Getaway stattet das Auto mit einer Hardware aus, die es zum Beispiel möglich macht, das Fahrzeug per App zu öffnen. Zudem liefert das Unternehmen Vollkaskoversicherung und Tankkarte.

Ein Treffen zwischen Besitzer und Mieter ist nicht nötig, alles wird über die App abgewickelt. Für den Gründer geht es aber nicht nur ums schnöde Geld, sondern auch um das große Ganze: Er will zeigen, wie aus den ungenutzten Fahrzeugen eine Lösung für die Mobilität der Zukunft werden kann.

Als Konkurrenz zu etablierten Mobilitätsanbieter sieht er sein Unternehmen nicht, eher als logische Weiterentwicklung von Car2Go und DriveNow: „Für diese Anbieter lohnt es sich nicht, in die Provinz zu gehen. Also bleiben diese Regionen abgeschnitten von innovativen Mobilitätsalternativen.“

Erste Pilotprojekte laufen im Umfeld von Fürth und Essen. Aber auch in Metropolen wie Hamburg und Berlin wagt er sich. Mittlerweile sind etwa 50 Autos mit der Technologie ausgestattet, Tendenz stark steigend: „Wir haben Hunderte in der Warteliste – aber es ist ein langer und steiniger Weg“, sagt er.

Zwei Autos, tausend Dorfbewohner – So geht Carsharing auf dem Land

Dass der sich dennoch lohnen könnte, glaubt nicht nur das Bundesministerium für Verkehr, das Scholler den Mobilitätspreis 2018 verlieh. Auch der Energiekonzern Innogy hält Getaway für zukunftsweisend: „Mit unserem Investment in Getaway setzen wir auf ein weiteres Start-up und ein innovatives Geschäftsmodell, mit dem wir unsere Idee einer dezentralen und digitalen Energiewelt in konkrete Lösungen für unsere Kunden umsetzen“, sagt Thomas Birr, Chef des Innogy Innovation Hub.

Scholler plant derweil bereits die nächste Finanzierungsrunde für sein Start-up Getaway. „Es gibt ja noch so viele Autos in Deutschland, die einfach nur rumstehen“, analysiert der Unternehmer – unaufgeregt wie immer.

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