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Autovermietung Sixt macht sich bereit für den Generationswechsel

Mit dem „Project One“ geht der Autovermieter in Konkurrenz zu Uber und BMW. Es ist auch das Gesellenstück einer neuen Führungsriege bei Sixt.
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Sixt macht sich bereit für den Generationswechsel Quelle: Sixt
Konstantin und Alexander Sixt

Seit 2015 sind die Söhne von Vater Erich im Vorstand.

(Foto: Sixt)

München Als Erich Sixt jüngst die Bilanz des ersten Halbjahres zog, da sprudelte aus ihm die Genugtuung: Die Geschäftsreisen laufen gut, der Tourismus boomt, die Mietwagenflotte wächst. Auch der Sprung in die USA ist geglückt, die neuen Stationen von Orlando bis Beverly Hills brummen, sagt der Unternehmer. „Das erste Halbjahr 2018 war das beste in unserer über 100-jährigen Firmengeschichte“, berichtet Erich Sixt – der als Mehrheitseigentümer seit mehr als einem halben Jahrhundert an der Spitze steht.

Mindestens so spannend wie die Gegenwart ist aber die Zukunft der Firma. Denn während der 74-Jährige sich nun auf der Zielgerade seines Schaffens bewegt, basteln seine Söhne Alexander und Konstantin an dem Geschäftsmodell für das kommende Jahrzehnt. „Project One“ heißt der Auftrag der Unternehmenseinheit „Project X“, die Alexander vor drei Jahren gestartet hat. Nun wird das hausinterne Start-up ausgerollt, an dem in Pullach, Kiew und Indien 450 Entwickler arbeiten und das sich Sixt 100 Millionen Euro über die Jahre kosten lässt.

Die ersten Funktionen werden in diesen Tagen scharf geschaltet. Beginnend an den Flughäfen München und Düsseldorf können Mietwagen direkt per Handy gebucht und gestartet werden. Der Weg zum Schalter ist damit gar nicht mehr nötig: Losfahren per App lautet das Versprechen. Mehr noch: „Unser Kunde soll ins Auto einsteigen und es für jeden Anwendungszweck nutzen können“, verspricht Alexander Sixt. Soll heißen: Ob das Auto für einige Minuten oder für mehrere Wochen gemietet wird, soll künftig keine Rolle mehr spielen.

Noch in diesem Jahr sollen 20.000 Autos der Flotte mit der neuen Technik ausgestattet werden. In Zukunft sollen alle 240.000 Fahrzeuge, die der Vermieter weltweit selbst oder mit Franchisenehmern betreibt, umgerüstet werden. Sixt, diese eigenwillige Mischung aus einem stramm geführten Familienunternehmen und börsennotiertem Mobilitätskonzern, steht an einem Scheideweg. Vater Erich hat aus einem lokalen Autovermieter eine internationale Größe gemacht. Mit der Expansion in die USA hat der Patriarch ein Lebensziel erreicht.

So wie Fußballer davon träumen, einmal in Madrid oder Manchester zu spielen, so träumte Erich Sixt davon, dass seine Autos auch in Amerika fahren. Er hat es geschafft: An fast zwei Dutzend US-Flughäfen weht bereits die Sixt-Flagge, darunter in Orlando, „wo mehr Autos vermietet werden als in der ganzen Schweiz“. Und die Expansion geht weiter: Die neuesten Sixt-Standorte finden sich in Manhattan und auf Hawaii. Mittelfristig will Sixt eine Milliarde Euro in den USA erlösen.

Nun bereiten die Söhne den nächsten Schritt vor. 2009 holte Erich die beiden ins Unternehmen. Seit 2015 ist Alexander Vorstand für Strategie, Konstantin leitet den Vertrieb.

Alexander arbeitete zuvor bei Roland Berger und im M&A-Team der Deutschen Bank in London. In seinem Büro hängt das Bild der isländischen Nationalmannschaft, die als Underdog bei der WM 2016 das englische Team schlug. Er „brennt“ für das Unternehmen, das er mit seinem Bruder eines Tages übernehmen will, sagte er dem Handelsblatt einmal. Denn die jungen Sixts wissen: Mehr noch als neue Länder sprengt das mobile Internet die Grenzen des Geschäfts. Hießen die Konkurrenten bislang Europcar und Hertz, so treten heute mit Uber, Google und demnächst auch den chinesischen Mobilitätskonzernen ganz andere Spieler auf den Plan.

Auch Volkswagen, BMW und Daimler wollen in der „Sharing Economy“ ganz vorne mitspielen und selbst Autos vermieten. Der Schlüssel ist die Digitalisierung: Schon heute lassen sich in Großstädten per Handy an jeder Straßenecke für ein paar Minuten Autos anmieten. Jeder will mitmachen: Vom Startup bis zum Großkonzern.

Dabei wollten die Sixts mit der Autoindustrie eigentlich gemeinsame Sache machen: Die Pullacher gründeten 2011 mit BMW das Gemeinschaftsunternehmen „Drive now“, eingefädelt hatte Alexander Sixt die Verbindung. Die Arbeitsaufteilung zwischen Sixt und BMW war klar geregelt: Der Autokonzern stellte mit der Kleinwagenmarke Mini die attraktive Hardware, Sixt besorgte Logistik und IT.

Es waren die Sixt-Techniker, denen es gelang, den Miet- und Abrechnungsprozess komplett in das mobile Internet zu integrieren. Der Erfolg von „Drive now“ überraschte nicht nur die Vorstände bei BMW. Ausgerechnet Mietwagenkönig Erich Sixt hätte nie geglaubt, dass die „Deutschen tatsächlich ihre Autos mit anderen teilen“.

Der Bruch mit BMW

Schnell etablierten sich die beiden Partner in einem Dutzend europäischer Großstädte. Anders als bei herkömmlichen Car-Sharing-Flotten ist „Drive now“ nicht stationsgebunden. Die Autos können innerhalb eines festen Gebietes an jeder Ecke abgestellt werden.

Doch schon bald zeigten sich Risse im Bündnis: BMW wollte mit dem Modell auch in den USA expandieren, Sixt lief das seinen eigenen US-Plänen zuwider. BMW wollte möglichst viele Elektroautos bei „Drive now“ unterbringen. Sixt hält bis heute nicht viel von Stromfahrzeugen in Kundenhand. Der Konzern denkt in Expansion, das Familienunternehmen an das Geldverdienen. Sixt sei zu klein für die großen Pläne befanden die BMW-Manager und bereiteten die Trennung vor.

Sixt macht keine drei Milliarden Euro Umsatz, BMW dürfte in diesem Jahr erstmals mehr als 100 Milliarden Euro erlösen. Mentalität, Firmenkultur und Ambitionen von Sixt und BMW passten am Ende nicht zusammen, erklärte ein Beteiligter.

Tatsächlich lässt sich Sixt seinen Ausstieg teuer bezahlen, monatelang ließ die Familie BMW zappeln. Mit Erfolg: Sixt kassiert für seinen 50-Prozent-Anteil 209 Millionen von dem Autokonzern. Viel Geld, für ein Joint Venture, dass laut BMW-Geschäftsbericht 2018 einen Verlust von vier Millionen Euro geschrieben hat.

„Sixt hat hart verhandelt“, heißt es hinterher anerkennend bei dem Autohersteller. Nun will BMW „Drive now“ mit Daimlers „Car to go“ fusionieren. Stimmt das Kartellamt zu, soll noch in diesem Jahr ein eigener Mobilitätskonzern entstehen, mit dem die deutschen Premiumhersteller weltweit gegen Uber und die neuen chinesischen Konkurrenten antreten wollen.

Die Söhne stehen bereit

Ein Ansinnen, dass die Sixts mit Skepsis verfolgen. Europa sei abgegrast, in den USA hätten nur vier Städte die Voraussetzungen für ein profitables Car-Sharing-Modell, rechnet man in Pullach vor. Zwanzigtausend Autos bringen Daimler und BMW in ihr Gemeinschaftsunternehmen ein. Sixt könne weltweit auf mehr als 200.000 Autos zurückgreifen.

Zudem hat Sixt trotz des Verkaufs von „Drive now“ weiter den Zugriff auf die komplizierten Buchungs- und Abrechnungsprozesse, die man in Pullach entwickelt hat. „Die Software gehört Sixt und bleibt bei uns“, betont Alexander Sixt. Die Prozesse, die IT und die Daten zu beherrschen, sei das größte Kapital des Familienunternehmens, sagt der Junior.

Bleibt die Frage, wann der Patriarch Platz für seine ambitionierten Söhne macht. Mit der Digitalisierung des Unternehmens sollen sich Alexander und Konstantin die Meriten verdienen, die Führung des Unternehmens ganz übernehmen zu dürfen. Obwohl die Familie die Fäden fest in der Hand hält, muss man den Eindruck einer Erbfolge vermeiden.

Mit 60 Prozent hält die Familie zwar die Mehrheit an der Firma. Doch die Sixts sind auch ihren Minderheitsaktionären verpflichtet, denn das Unternehmen ist im SDax notiert. Als Vorstandsvorsitzender hat Erich Sixt noch einen Vertrag bis 2020. Folgt man den Gepflogenheiten guter Unternehmensführung, muss Sixt auf der Hauptversammlung 2019 für klare Verhältnisse sorgen. Dabei will aber auch niemand ausschließen, dass der Senior nicht doch weitermacht. Er selbst hält sich bedeckt.

Andere haben ihre Entscheidung schon getroffen. Bereits im vergangenen Jahr legte Aufsichtsratschef Gunter Thielen sein Amt mit 74 Jahren nieder. Er wolle sich mit Erreichen seines 75. Lebensjahres künftig stärker auf seine vielfältigen weiteren Aufgaben und Verpflichtungen konzentrieren, erklärte der ehemalige Bertelsmann-Chef zu seinem Abschied.

Eine Aussage, die man auch als Fingerzeig verstehen kann. Sein Nachfolger ist Friedrich Joussen. Dem Tui-Chef dürfte die Aufgabe zufallen, den Generationswechsel bei den Sixts behutsam vorzubereiten und umzusetzen.

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