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Autozulieferer Gestamp-Chef Mera: „Keiner weiß, wie schnell die Elektro-Revolution gelingt“

Der Verwaltungsratschef des Familienkonzerns Gestamp sieht große Chancen in der E-Wende, wenn man in China stark wächst – mahnt aber zu Besonnenheit.
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Autokäufer sind sich auch bei E-Autos noch nicht sicher, meint Francisco José Riberas Mera. Quelle: dpa
Stecker für Elektro-Auto

Autokäufer sind sich auch bei E-Autos noch nicht sicher, meint Francisco José Riberas Mera.

(Foto: dpa)

Francisco José Riberas Mera ist Vertreter der gleichnamigen spanischen Industriellenfamilie und Verwaltungsratschef des Automobilzulieferers Gestamp mit weltweit 43.000 Mitarbeitern. Er ist für seine Zurückhaltung bekannt, und so ist sein Besuch am Standort Bielefeld, wo Gestamp unter anderem Batterieboxen für E-Fahrzeuge von Volkswagen und Daimler baut, etwas Besonderes.

Herr Riberas, Ihre Strategie bei der E-Mobilität geht einher mit Plänen für eine starke Präsenz in China. Wie passt das zusammen?
China ist gerade der wichtigste Absatzmarkt, und er wird im Gegensatz zu Westeuropa und USA weiter wachsen. In Europa denken wir oft an Tesla, wenn wir über E-Autos reden, und vergessen: China führt das Business an. 2018 wurde mehr als jedes zweite E-Auto in China gebaut und verkauft. Wenn wir also ein Leader in diesem Geschäft sein möchten, müssen wir dort präsent sein.

Sie streben eine technologische Führungsrolle vor Ort an?
Genau das ist unser Ziel: Wir wollen mit Forschung und Entwicklung vor Ort sein. Wenn wir Weltmarktführer etwa bei den Batterieboxen bleiben möchten, müssen wir stärker auch in China wachsen.

Wie gut sind Sie darauf vorbereitet?
Wir haben unsere erste Niederlassung in China erst 2008 eröffnet. Jetzt sind es schon elf Niederlassungen mit mehr als 5000 Mitarbeitern. Es hat sich in dieser Zeit viel verändert: In der Vergangenheit war es nicht einfach, mit Herstellern vor Ort zu arbeiten, weil sie nur mit chinesischen Zulieferern kooperiert und Low-Cost-Cars gebaut haben. Aber einige Hersteller steigen jetzt um auf hochpreisige Autos – und dafür brauchen sie unsere Technologien. Das ist eine wichtige Chance für uns.

Was bedeutet das für Ihre deutschen Standorte?
Deutschland spielt für unser Unternehmen eine riesige Rolle. Es ist unser drittgrößter Markt, und die deutschen Hersteller sind Schlüsselkunden für uns. Für uns ist es essenziell, mit unserer Produktion in ihrer Nähe zu sein – und dass es ihnen gut geht. Die Verkaufszahlen der letzten Jahre waren gut, aber der Beginn dieses Jahres lief nicht so gut. Das muss sich ändern, denn wir müssen weiterhin noch andere Autos verkaufen, während wir in die Transformation der Branche investieren.

Wo sehen Sie Gründe für die schwächelnden Absatzzahlen?
Die Verbraucher sind verwirrt. Jeder fragt auch mich: Welche Art von Auto soll ich kaufen? Es gibt noch nicht so viele E-Autos, auch noch nicht so viele Ladestationen.

Und das ist in China anders?
Die Chinesen pushen das Thema E-Mobilität viel stärker. Die chinesischen Kunden sind sehr ungeduldig, wollen kosteneffiziente Lösungen. Und zwar so schnell wie möglich.

Sollten wir uns in Europa diese Dynamik zum Vorbild nehmen?
Die Automobilhersteller sind schon sehr schnell im Umdenken geworden. Aber politisch gibt es einen großen Unterschied: In China steht das Wachstum im Mittelpunkt, in Europa geht es uns darum, unseren Status zu konservieren. Und deshalb hängt gerade vieles in der Luft.

Was müsste besser laufen?
Es ist klar, dass wir in der Zukunft weniger CO2 ausstoßen müssen. Aber wir brauchen klare und positive Botschaften. Derzeit heißt es sehr grundsätzlich, der Diesel sei schlecht, manche Städte verbannen Dieselautos. In der Folge zögern Menschen mit sehr alten, umweltschädlichen Autos, diese gegen neue, effizientere zu tauschen. Das ist die schlechteste aller Lösungen.

Dabei profitiert Ihr Unternehmen von dem plötzlichen Schwenk Richtung E-Mobilität.
Wir sind immer stark gewachsen, die letzten Jahre im Schnitt 17 Prozent – natürlich auch durch Übernahmen. Aber ja, wir profitieren, wir wachsen weiter. Denn unsere Technologie und unser Know-how werden benötigt, um zum Beispiel das Gewicht der Autos mit ihren schweren Batterien in den Griff zu bekommen.

Hier in Bielefeld bauen Sie Batterieboxen unter anderem für VW. Bei einem Modell wurde aus der Order von 230.000 Stück jährlich eine von 570.000. Erfordert der Bau von E-Autos mehr Flexibilität von Ihnen?
Ja, wir spüren das bereits. Derzeit ist es üblich, dass Kunden bei Bestellungen etwa zehn Prozent Flexibilität einfordern. Aber ich gehe davon aus, dass sie künftig 30 oder sogar 40 Prozent Flexibilität einfordern.

Woran liegt das?
Keiner weiß, wie schnell die Revolution hin zur E-Mobilität gelingt, wie schnell die Kunden die Autos nachfragen. Deshalb fordern die Hersteller mehr Flexibilität. Und wir müssen Wege finden, das zu gewährleisten.

Wie kann das gelingen?
Oft geht mehr Flexibilität zulasten von Effizienz. Aber ich setze große Hoffnungen auf die Industrie 4.0. Die Fabrik der Zukunft muss viele Daten in Einklang bringen können, etwa bei Qualitätsmanagement oder Logistik – und sie muss in der Lage sein, in der Produktion schnell umzuschalten.

Mehr: Das Elektroauto eröffnet mittelständischen Zulieferern ganz neue Chancen. Einige Unternehmen gehören zu den großen Gewinnern der Elektrowende.

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