Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Autozulieferer Mann+Hummel wieder ohne Chef

Luftfahrt-Manager Werner Lieberherr sollte den Autozulieferer durch die Transformation zur Elektromobilität führen. Das Experiment ist misslungen.
Update: 11.10.2019 - 09:24 Uhr Kommentieren
Der ehemalige Luftfahrtmanager stand nicht lange an der Spitze von Mann+Hummel. Quelle: MANN+HUMMEL
Werner Lieberherr

Der ehemalige Luftfahrtmanager stand nicht lange an der Spitze von Mann+Hummel.

(Foto: MANN+HUMMEL)

Stuttgart Werner Lieberherr verlässt überraschend den Filterspezialisten Mann+Hummel. Man trenne sich „einvernehmlich und mit sofortiger Wirkung“, teilt das Unternehmen mit. Als Grund wird „die unterschiedliche Auffassung über die zukünftige strategische Ausrichtung“ angegeben. All das sind moderne Formulierungen für einen Rausschmiss.

Zumal Lieberherr nicht einmal ein Jahr an der Spitze des Weltmarktführers für Filtration mit knapp vier Milliarden Euro Umsatz und 20 000 Beschäftigten stand. Kommissarisch übernimmt Nicolaas Zerbst mit Emese Weissenbacher die Lenkung der Unternehmensgruppe.

Aufsichtsratschef Thomas Fischer hat bei Mann+Hummel schon ruhigere Zeiten erlebt. Eigentlich ist der industrielle Kopf der beiden Eigentümerfamilien erfahren bei der Suche nach Führungskräften. Ein halbes Jahr hatte er sich Zeit gelassen, bevor er sich vor einem Jahr für den Luftfahrtmanager Werner Lieberherr entschied. Es war also keine überstürzte Entscheidung. „Wir wollten eine Führungskraft, die der heutigen Zeit angepasst schneller entscheidet. Das hat er erfüllt. Bei den Fachthemen stehen wir voll dahinter. Mann+Hummel ist mit seinem breiten Produktportfolio strategisch gut aufgestellt“, sagt Fischer dem Handelsblatt.

Tatsächlich musste der Manager einen Abbau von weltweit 1200 Stellen durchboxen. 300 davon in Deutschland. 100 Millionen Euro sollen bis zum Jahr 2020 eingespart werden, um die Gewinneinbußen zu kompensieren. Als einer der ersten Autozulieferer schnallte das Unternehmen auch mit Blick auf die abebbende Konjunktur die Gürtel enger.

Das Ergebnis war 2018 um etwa die Hälfte auf knapp 94 Millionen Euro Ebit eingebrochen. Also ein eher undankbarer Job, für den Fischer einen harten, internationalen Manager mit Erfahrung suchte – und ihn mit dem Luftfahrtmanager Lieberherr am Ende auch fand.

Lieberherr hatte acht Jahre lang den Luftfahrtkonzern B/E Aerospace geleitet, der vor allem Flugzeugsitze herstellt. Nach der Übernahme durch Rockwell Collins im April 2017 begleitete er noch die Integration des Konzerns und schied anschließend aus. Mit Frau und zwei Kindern lebt der Manager in Zürich. Lieberherrs dezentes Schweizerdeutsch wirkt charmant. Viele Beobachter seiner Karriere sehen in Lieberherr einen geborenen Verkäufer.

„Ich schmeiß euch alle raus“

Doch Lieberherr hat wohl noch eine andere Seite. „Das Wertegerüst von Herrn Lieberherr und von Mann+Hummel haben sich leider als nicht deckungsgleich herausgestellt“, räumt Aufsichtsratschef Fischer ein. Das Experiment mit dem Luftfahrtmanager an der Spitze des Autozulieferers ist damit beendet.

Denn beim Arbeitsplatzabbau soll Lieberherr knallhart vorgegangen sein. „Ich schmeiß euch alle raus“, soll Lieberherr gesagt haben, nicht cholerisch, sondern eiskalt. Ein Ton, der selbst in schwierigen Situationen unüblich in schwäbischen Familienunternehmen ist. Zumal Mann+Hummel umgeben ist von anderen attraktiven Arbeitgebern. Softwarespezialisten können sich im mittleren Neckarraum aussuchen, ob sie zu Bosch, Porsche oder Daimler wollen, ganz zu schwiegen von Mahle, Stihl oder Kärcher. Fachkräfte wechselten nach Lieberherrs Ausbrüchen den Arbeitgeber. Die Führungsmannschaft wurde ohnehin weitgehend neu bestückt und soll laut Fischer so zusammenbleiben.

Es ist nicht das erste Mal, dass Fischer durchgreift. Der Aufsichtsratschef hat sein Büro direkt neben dem Vorstand. Lieberherrs Vorgänger, Alfred Weber, war ihm nicht mehr dynamisch genug und musste gehen. Bei Ventilatorenhersteller EBM Papst führt Fischer den Beirat. Auch dort gab es 2017 einen Chefwechsel. Auch dort ließ sich Fischer viel Zeit, um einen Nachfolger für den in Ungnade gefallenen Rainer Hundsdörfer zu finden. Dort entschied er sich mit Stefan Brandl für ein Eigengewächs.
Allzu lange sollte er sich diesmal nicht Zeit lassen. Nach Informationen aus Beraterkreisen war Lieberherr schon im Jahr 2017 nicht die erste Wahl. Vielleicht erwärmt sich ja einer der Manager, die damals absagten, nun für Mann+Hummel.

Mehr: Die Investmentbank Lazard und die Berater von Roland Berger haben die Bilanzen von 600 Autozulieferern weltweit ausgewertet. Ihr Fazit ist erschütternd.

Startseite

Mehr zu: Autozulieferer - Mann+Hummel wieder ohne Chef

0 Kommentare zu "Autozulieferer: Mann+Hummel wieder ohne Chef"

Bitte bleiben Sie fair und halten Sie sich an unsere Community Richtlinien sowie unsere Netiquette. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar. Wir behalten uns vor, Leserkommentare, die auf Handelsblatt Online und auf unser Facebook-Fanpage eingehen, gekürzt und multimedial zu verbreiten.

Serviceangebote