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Autozulieferer Schaeffler braucht mitten in der Branchenkrise einen neuen Finanzchef

Vorstand Dietmar Heinrich verlängert überraschend seinen Vertrag nicht. Die Ankündigung kommt für Schaeffler zu einem kritischen Zeitpunkt.
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Die Autozulieferer stehen derzeit unter Druck. Sie müssen wegen des Abschwungs der Branche die Kosten drücken, andererseits aber große Investitionen für den Wechsel ins Zeitalter der Elektromobilität stemmen. Quelle: Bloomberg
Schaeffler-Werk in Schweinfurt

Die Autozulieferer stehen derzeit unter Druck. Sie müssen wegen des Abschwungs der Branche die Kosten drücken, andererseits aber große Investitionen für den Wechsel ins Zeitalter der Elektromobilität stemmen.

(Foto: Bloomberg)

München Für einen Finanzchef ist es eigentlich Routine. In einer Telefonkonferenz mit Analysten stellte Schaeffler-Vorstand Dietmar Heinrich gemeinsam mit Vorstandschef Klaus Rosenfeld die Quartalszahlen vor. Die fielen gar nicht so schlecht aus: Nach einem Durchhänger im zweiten Quartal hat sich die Marge bei dem fränkischen Autozulieferer wieder verbessert, der Umsatz ist leicht gestiegen.

Umso überraschender kam die zweite Nachricht des Tages. Heinrich, seit 25 Jahren bei dem Familienunternehmen, wird aus familiären Gründen seinen im Juli auslaufenden Vertrag nicht verlängern. „Ich kenne ihn seit dem ersten Tag, den ich in der Firma bin, und wir haben immer sehr gut zusammengearbeitet“, sagte Vorstandschef Rosenfeld dem Handelsblatt. Die Entscheidung sei für alle überraschend gekommen, aber nachvollziehbar.

Wenn der Finanzchef geht, ist das immer Anlass für Spekulationen. Bei Schaeffler gab es seit dem Börsengang vor vier Jahren mehrere Gewinnwarnungen. Der Aktienkurs halbierte sich zwischenzeitlich. Auch der Dax-Konzern Continental, an dem die Familie Schaeffler beteiligt ist, hat mit den branchenüblichen Problemen zu kämpfen. Die Kursrückgänge ließen das rechnerische Vermögen der Schaefflers zusammenschmelzen, auch wenn sie noch immer zu den wohlhabendsten Familien Deutschlands gehören.

Doch bei Schaeffler betonten alle, Heinrichs Entscheidung habe rein private Gründe. „Wir bedauern den Entschluss von Herrn Heinrich“, sagte Aufsichtsratschef Georg Schaeffler.

Für einen Finanzvorstand kann es durchaus eine Herausforderung sein, wenn der Vorstandsvorsitzende vorher selbst CFO war und sich also mit den Zahlen und der Kapitalmarktkommunikation bestens auskennt. Das gilt insbesondere bei Schaeffler, wo der selbstbewusste Rosenfeld einst als Finanzvorstand den immensen Schuldenberg erfolgreich restrukturiert hatte und nach einem Machtkampf zum dauerhaften Konzernchef aufstieg.

Der Finanzchef ist seit 25 Jahren bei Schaeffler tätig. Quelle: www.imago-images.de
Dietmar Heinrich

Der Finanzchef ist seit 25 Jahren bei Schaeffler tätig.

(Foto: www.imago-images.de)

Doch der bodenständige und freundliche Heinrich kam offenbar gut mit der Rolle zurecht. Er habe eine tiefe Kenntnis von Schaeffler und ein gutes Verständnis der operativen Zusammenhänge, lobt ein Insider.

Die Ankündigung kommt dennoch zu einem kritischen Zeitpunkt. Alle Autozulieferer stehen derzeit unter Druck. Sie müssen wegen des Abschwungs der Branche die Kosten drücken, andererseits aber große Investitionen für den Wechsel ins Zeitalter der Elektromobilität stemmen. Auch Schaeffler wurde kräftig durchgeschüttelt. Es gab wie bei der Konkurrenz Gewinnwarnungen und die Ankündigung eines Stellenabbaus.

Aufwärtstrend im Quartal

Doch die Effizienzmaßnahmen scheinen zu greifen. In den ersten neun Monaten stagnierte der Umsatz bei 10,8 Milliarden Euro, die bereinigte operative Umsatzrendite sank von 10,7 auf 8,1 Prozent. Im dritten Quartal zeigte sich aber mit 9,1 Prozent ein Aufwärtstrend.

Das Ergebnis stimme erst einmal zuversichtlich, sagte Rosenfeld. Von einer Trendwende will er aber noch nicht sprechen. „Die eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Wir müssen unsere Effizienzprogramme in allen Sparten konsequent umsetzen. Das Marktumfeld bleibt weiter herausfordernd. Die Transformation geht weiter.“ Diesmal habe Schaeffler früh reagiert, zum Beispiel mit Schließtagen, dem Abbau von Zeitkonten und vereinzelter Kurzarbeit. „Das hat sich jetzt ausgezahlt.“

Doch zusätzlich muss Schaeffler nun auch einen Finanzvorstand suchen. Der Wirtschaftsingenieur Heinrich war 1995 von Kärcher zu Schaeffler gekommen. Er begann als kaufmännischer Leiter in Südkorea. Zurück in Herzogenaurach, wurde er unter anderem CEO Europa für die Gruppe, ehe er vor gut zwei Jahren zum Finanzvorstand aufstieg.

Bei der Suche nach einem Nachfolger gebe es keinen Druck, sagte Rosenfeld. Heinrich geht erst im Juli. Man werde in den kommenden Wochen noch gemeinsam auf Roadshow gehen. Die Zahlenpräsentation der beiden am Dienstag kam jedenfalls gut an. Die arg gebeutelte Schaeffler-Aktie stieg zwischenzeitlich um mehr als elf Prozent.

Mehr: Autohersteller wollen in fünf Jahren die ersten fahrerlosen Fahrzeuge auf die Straßen bringen. Vorreiter werden Taxis und Gütertransporter sein.

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