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Axel und Jörg Hüttinger Ein Brüderduo bestimmt das Museum der Zukunft

Zwei Männer aus Franken wollen Wissenschaft endlich erlebbar machen. Für Ausstellungen rund um den Globus konzipieren sie interaktive Experimente.
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Der Trend in der deutschen Museen-Landschaft geht eindeutig zum Mitmachen. Quelle: Prisma Bildagentur
Interaktives Museum

Der Trend in der deutschen Museen-Landschaft geht eindeutig zum Mitmachen.

(Foto: Prisma Bildagentur)

Die gigantische Kugelbahn ist der Besuchermagnet im „Mathematikum“ in Gießen. Dort werden große Kugeln zunächst mit einem Aufzug nach oben gezogen. Diese rollen dann auf unterschiedlichen Bahnen nach unten. Das Spiel mit Klängen und Farben soll den Besuchern vor allem Freude bereiten. Ganz nebenbei erleben sie die Gesetze der Bewegung in Aktion.

Die Kugelbahn ist das Werk von Axel und Jörg Hüttinger. Die Brüder bauen interaktive Ausstellungen für Museen und Wissenschaftsparks weltweit. Dort können Besucher Wissen selbst erfahren, anstatt das Wissen anderer passiv zu entdecken.

„Das echte Leben spielt draußen – wir wollen Museen nicht missbrauchen, um Kindern noch mehr Bildschirme vor den Latz zu knallen“, erklärt Axel Hüttinger.

Das Angebot der Firma ist so vielseitig wie seine Geschichte. Urgroßvater Hüttinger gründete das Unternehmen vor knapp 100 Jahren als Elektroingenieurbüro in Schwaig bei Nürnberg. Dessen Sohn machte daraus eine Modellbaufirma für Unternehmen wie Siemens, die Kunden im Ausland ihre Technik zeigen wollten.

Die Eltern von Axel und Jörg Hüttinger wiederum konzentrierten sich auf Infozentren für großtechnische Anlagen, darunter auch Nuklearmeiler. Als die Rote-Armee-Fraktion im Juli 1986 Siemens-Vorstandsmitglied Karl Heinz Beckurts erschoss, wandten sich die Hüttingers von der Branche ab. Der Fokus lag nun auf der Autoindustrie.

Seit den 90er-Jahren sind die Brüder Jörg und Axel in dem Familienunternehmen tätig, seit 2001 haben ihre Eltern ihnen den Betrieb nach und nach überschrieben.

Die Brüder haben inzwischen ihr eigenes Konzept entwickelt. Das funktionierte nur durch absolutes Vertrauen vonseiten der Eltern. „Anfangs war unser Vater nervös – aber nur intern. Nach außen stand er immer hinter uns, hat uns unterstützt, vertraut und verteidigt“, erzählt Axel Hüttinger.

Die beiden Brüder sind aufgewachsen zwischen Industriemodellen und Bauplänen. Axel studierte Maschinenbau, Jörg Elektrotechnik. Ihren ersten Auftrag erhielten sie Ende der 90er-Jahre: den Ausbau einer ganzen Etage im „Glasgow Science Center“. „Das war unser Sprung in den Weltmarkt“, sagt Axel Hüttinger.

Heute hat das fränkische Unternehmen 120 Mitarbeiter. Zu den Kunden in Deutschland gehören beispielsweise die „Experimenta“ in Heilbronn, das „Mathematikum“ in Gießen und das „Science Center“ in Wolfsburg.

Kaum Konkurrenz

Hüttinger macht mit seinen weltweiten Projekten einen Jahresumsatz zwischen 13 Millionen und 15 Millionen Euro. „Wir haben etwa 20 Projekte im Jahr, für die wir zwischen 20.000 und 3,5 Millionen Euro erhalten“, sagt Axel Hüttinger.

In Deutschland gibt es kaum Konkurrenz. Die Firma übernimmt Entwicklung, Produktion und Aufbau der Ausstellungsvorhaben und hat damit ein Alleinstellungsmerkmal.

Während Axel Hüttinger das Unternehmen repräsentiert, hält sich Jörg nach außen zurück, kümmert sich um interne Aufgaben. Die beiden ungleichen Brüder ergänzen sich in vieler Hinsicht. „Wir sind wie ein altes Ehepaar – der eine kann ohne den anderen nicht“, sagt Axel Hüttinger lachend. Selbstverständlich teilen sie sich ein Büro.

Konkret entstehen dabei Modelle wie eine riesige Magnetwand. An der Wand können Kinder entdecken, dass verschiedene Metalle unterschiedlich gepolt sind. Die beiden Hüttingers haben zudem den „Garten der Energien“ in Paris gestaltet, in dem sich alles um Strom- und Energiequellen dreht. Auch Ausstellungen in Polen und Saudi-Arabien gehören zu den Projekten der Tüftler.

Das „Mathematikum“ in Gießen gilt als erstes mathematisches Mitmachmuseum der Welt. Von Anfang an haben Albrecht Beutelspacher, Initiator des Museums, und sein Team mit der Firma Hüttinger eng kooperiert.

„Bemerkenswert fand ich vor allem, dass wir die Experimente gemeinsam mit den Hüttingers entwickelt haben – und nicht aus einem fertigen Katalog auswählen mussten“, sagt Beutelspacher. Er schätzt die Zuverlässigkeit und Offenheit der Brüder.

Die Unternehmer haben je drei Kinder. „Meine Tochter Claire ist zwar erst elf. Sie hat aber bereits den Plan, Maschinenbau zu studieren und eigene Formate zu entwickeln – das macht sie schon mal zu einer guten Kandidatin“, sagt Axel Hüttinger.

Wer auch immer den Betrieb später einmal übernimmt: „Jeder soll sich in und mit der Firma entwickeln können.“

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