Ayopop Wie sich ein deutscher Gründer in Indonesien gegen Alibaba behauptet

Mit seinem Start-up Ayopop tritt Jakob Rost gegen Chinas Internet-Giganten an. Wie will er da überleben?
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Vor zwei Jahren gründete der 31-Jährige mit einem befreundeten Indonesier sein eigenes Start-up: Ayopop. Der digitale Zahlungsdienstleister beschäftigt etwa 100 Mitarbeiter. Quelle: Frederic Spohr
Jakob Rost

Vor zwei Jahren gründete der 31-Jährige mit einem befreundeten Indonesier sein eigenes Start-up: Ayopop. Der digitale Zahlungsdienstleister beschäftigt etwa 100 Mitarbeiter.

(Foto: Frederic Spohr)

JakartaAn den Anruf, der seinem Leben eine entscheidende Wendung gab, erinnert sich Jakob Rost noch genau. Ob er nicht Lust hätte, nach Südostasien zu ziehen, fragte die unbekannte Frauenstimme. Sie bot ihm einen Job beim E-Commerce-Händler Lazada an, damals noch eine Tochter von Rocket Internet. Das Land könne er sich aussuchen.

„Ich bat um Bedenkzeit“, erinnert sich Rost. „Aber die Frau antwortete: ,Am Montag geht es schon los.‘“ Fünf Jahre später sitzt Rost auf der Terrasse eines Cafés im Zentrum Jakartas, Indonesiens Hauptstadt. Es ist rund dreißig Grad heiß, wie eigentlich fast immer in Jakarta, und hinter einer kleinen Pflanzenwand donnert der Verkehr der Metropole vorbei.

„Jakarta ist so wie Europa um die vorletzte Jahrhundertwende“, sagt Rost. Was jetzt hier passiert, werde die Stadt und das Land auf Jahrzehnte prägen. Das gilt auch für die junge Branche, in der der 31-Jährige mitmischt: dem boomenden Fintech-Sektor im Land.

Den Job bei Lazada gab er auf, vor zwei Jahren gründete er mit einem befreundeten Indonesier sein eigenes Start-up Ayopop. Ein Stockwerk über dem Café arbeiten in einem Großraumbüro ihre rund 100 Mitarbeiter.

Ayopop ist im Kern ein digitaler Zahlungsdienstleister. „Der Markt ist heiß umkämpft“, sagt Handojo Triyanto, Leiter für die Finanzbranche beim Marktforschungsunternehmens IDC Financials. Schwierig für Start-ups sei vor allem, dass bereits große Unternehmen in dem Markt mischen.

Finanzierungsrunde bringt 14 Milliarden US-Dollar

Zuletzt drängten mächtige Gegner auf den Markt: Die Taxi-App Go-Jek, die Millionen Nutzer und als Investor den riesigen chinesischen Internetkonzern Tencent im Rücken hat, ist mittlerweile auch Payment-Anbieter. Auch Ant Financial, der Fintech-Arm von Alibaba, rückt immer stärker in Südostasien vor.

Erst in diesem Monat hat das Unternehmen 14 Milliarden US-Dollar eingesammelt. „Die Kleinen haben dennoch Chancen – wenn sie sich gut spezialisieren“, sagt IDC-Experte Triyanto.

Rost glaubt, mit Ayopop eine Nische gefunden zu haben: Die App soll es den Indonesiern erleichtern, regelmäßig anfallende Rechnungen zu bezahlen, zum Beispiel bei Stromanbietern, Wasserwerken oder Telefonanbietern. In Deutschland werden solche Beträge einfach vom Konto abgebucht. In Indonesien ist das anders: Laut der Weltbank hat nur rund die Hälfte aller Indonesier ein Bankkonto. Viele müssen also regelmäßig Schalter oder Geldautomaten aufsuchen, um ihre Rechnungen Cash zu begleichen – oder sie nutzen eben die App.

Derzeit hat das Start-up schon mehrere Hunderttausend Nutzer, sie machen in der Regel zwischen zehn und 15 Transaktionen pro Monat.

Dafür hat Ayopop schon Hunderte Partner wie Stromanbieter oder Wasserwerke in sein System integriert. Die Spezialisierung soll Ayopop vor der großen Konkurrenz schützen. „In Sumatra im Dschungel mit dem Wasserwerk zu reden und sie ins System zu integrieren machen die Großen nicht. Wir schon“, sagt er.

„Je länger wir basteln, desto größer ist unser Vorsprung.“ Das macht Ayopop natürlich auch zu einem interessanten Übernahmekandidaten. Doch davon will Rost erst einmal nichts wissen. „Wir wollen nicht den schnellen Exit.“

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