Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Bankerdynastie Stiftungsvermögen verschleudert? Rothschild-Nachkommen erheben schwere Vorwürfe gegen Wien

Der Unternehmer Geoffrey R. Hoguet wirft der Stadt vor, schändlich mit dem großen Erbe der Bankiersfamilie umgegangen zu sein – und klagt nun. Die Stadt wehrt sich.
03.02.2020 - 15:10 Uhr Kommentieren
Ziel der Rothschild’schen Stiftung war es, dort Nervenheilanstalten zu betreiben. Quelle: LBS
Maria-Theresien-Schlössel

Ziel der Rothschild’schen Stiftung war es, dort Nervenheilanstalten zu betreiben.

(Foto: LBS)

Wien Die Bankiersfamilie Rothschild finanzierte einst in Österreich nicht nur die herrschende Habsburger-Dynastie, sondern war in Wien auch als großer Wohltäter bekannt. Baron Albert von Rothschild, damals einer der reichsten Männer Europas, gründete 1907 eine Stiftung für Nervenkranke, um seines Bruders Nathaniel zu gedenken, der ein renommierter Kunstsammler und führender Anwalt für psychiatrische Behandlungen war.

Das riesige Vermächtnis wurde für die Errichtung zweier Einrichtungen für Nervenkranke verwendet. 1912 errichtete die Nathaniel Freiherr von Rothschild’sche Stiftung das bis heute existierende, auf neurologische Rehabilitation spezialisierte Krankenhaus Rosenhügel im vornehmen Stadtteil Hietzing.

Doch der Nachfahre der österreichischen Linie der legendären Bankerdynastie, Geoffrey R. Hoguet, wirft der Stadt Wien vor, schändlich mit dem großen Erbe der jüdischen Familie umgegangen zu sein. Er geht nun juristisch gegen das österreichische Bundesland vor.

Hoguet erhebt schwere Vorwürfe: Wien habe angeblich das Vermögen der Stiftung verschleudert. Deren Wert beläuft sich nach Angaben seines Anwalts Wulf Gordian Hauser auf 110 Millionen Euro.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Die Rothschild-Nachkommen fordern von der Stadt Wien die Wiederherstellung der selbstständigen Verwaltung der Stiftung, wie sie bis zum Jahr 1938 bestanden hat, und eine im Sinne des Stifterwillens widmungsgemäße Verwendung des Vermögens der Stiftung“, sagt Hauser.

    Der in New York lebende 69-jährige Urenkel von Albert von Rothschild (Archivbild von 2006), dem einstigen Chef der Rothschild-Bank, hatte sich im vergangenen Jahr nach zwei Jahrhunderten Familientradition endgültig aus Österreich verabschiedet. Quelle: Patrick McMullan/Getty Images
    Geoffrey R. Hoguet

    Der in New York lebende 69-jährige Urenkel von Albert von Rothschild (Archivbild von 2006), dem einstigen Chef der Rothschild-Bank, hatte sich im vergangenen Jahr nach zwei Jahrhunderten Familientradition endgültig aus Österreich verabschiedet.

    (Foto: Patrick McMullan/Getty Images)

    Hoguet ist Urenkel von Albert von Rothschild, dem einstigen Chef der Rothschild-Bank. Der in New York lebende 69-Jährige, der Deutsch spricht, ist ein bekannter Finanzinvestor und Unterstützer des demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Pete Buttigieg.

    Wien als Europäisches Zentrum

    Auch in Österreich ist Hoguet kein Unbekannter. Der Rothschild-Erbe war bis 1997 im Führungsgremium der österreichischen Creditanstalt Investmentbank und CEO der Creditanstalt International Advisers in New York. Hoguet und Bettina Burr, die ebenfalls aus dem Wiener Rothschild-Clan stammt, hatten sich im vergangenen Jahr nach zwei Jahrhunderten Familientradition endgültig aus Österreich verabschiedet.

    Im Auftrag ihrer Familie verkauften sie 13.000 Hektar Wald in Niederösterreich. 1938 waren die Ländereien von den Nazis enteignet und nach Kriegsende wieder an die Nachkommen der jüdischen Familie aus Wien zurückgegeben worden.

    Ziel der 1907 gegründeten Nathaniel Freiherr von Rothschild’schen Stiftung war es, auf dem Wiener Rosenhügel wie auch auf dem Areal des Maria-Theresien-Schlössels in Wien-Döbling Nervenheilanstalten zu betreiben. Die Behandlung von psychischen Krankheiten war im frühen 20. Jahrhundert neu.

    Wien war damals – nicht zuletzt wegen Sigmund Freud – das europäische Zentrum der Psychologie und Psychiatrie. „Der 1905 verstorbene Nathaniel Freiherr von Rothschild hat testamentarisch ein Vermögen von 20 Millionen Kronen zur Heilung von Nervenkranken verschenkt – eine Riesensumme für eine Stiftung“, sagt der österreichische Wirtschaftshistoriker Roman Sandgruber.

    „Es ist damals in ungeheurer Hochachtung aufgenommen worden.“ Nathaniel galt als überaus großzügiger Privatier in der Hauptstadt des Kaiserreichs. Er besaß damals ein Drittel des immensen Rothschild-Vermögens.
    Hoguets Ziel ist es nun, die Abberufung der Stadt Wien als Stiftungsverwalter vor Gericht durchzusetzen.

    „Die Stiftung wurde im Jahr 1956 nur nominell wiedererrichtet und weiterhin wie zu Zeiten der Arisierung von der Gemeinde Wien verwaltet. Es wurde bewusst darauf verzichtet, das Kuratorium der Stiftung wiederzuerrichten“, sagt Rothschild-Anwalt Hauser.

    Streit um Grundstückswerte

    Zudem soll der Verkauf des Maria-Theresien-Schlössels für rechtsunwirksam erklärt werden. Wien hatte im Jahr 2001 die Immobilie aus Sicht der Rothschild-Nachfahren weit unter Wert verkauft. „Dem Verkauf liegt ein von der Stadt Wien bestelltes Gutachten zugrunde, das von einem Grundstückspreis von 315 Euro pro Quadratmeter ausgeht.

    Die Gegend um Pyrkergasse und Hofzeile gehört zu den absoluten Toplagen im 19. Bezirk, und ein Grundstück dort wäre rund 3000 Euro pro Quadratmeter wert“, sagt Hauser. Dem widerspricht Hannes Jarolim, Anwalt der Stadt Wien. „Das Maria-Theresien-Schlössel wurde von der Stadt 2002 für knapp 6,7 Millionen österreichische Schilling erworben. Dazu hat es ein unabhängiges externes Gutachten gegeben.“

    Der Kosmetik-Erbe, Fernsehunternehmer und Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, betreibt seit 2007 im Maria-Theresien-Schlössel seine Privathochschule. Die Kläger verlangen außerdem, die Änderung der Stiftungssatzung von 2017 für nichtig zu erklären.

    Damals wurde der Rechtsrahmen so verändert, dass die Stiftung im Fall einer Auflösung der Stadt Wien zufallen würde. „Die Änderung erfolgte durch ein Organ, das stiftbriefmäßig gar nicht dazu berufen ist, nämlich durch den Magistrat der Stadt Wien und nicht durch das Kuratorium. Schon aus diesem Grund ist die Änderung nichtig“, sagt Rothschild-Anwalt Hauser.

    Ursprünglich wurde die 1938 arisierte Stiftung von einem Gremium mit zwölf Mitgliedern kontrolliert, davon neun aus der Familie Rothschild. Der Anwalt der Rothschilds hofft, „dass die Stadt Wien zumindest einsieht, dass als erster Schritt für eine vollständige Restitution das unabhängige Kuratorium, das die Stiftung verwaltet, wiedererrichtet werden muss“.

    Die Stadt Wien wehrt sich gegen die Vorwürfe. Die „Rothschild’sche Stiftung ist im Sinn des eigentlichen Stiftungszwecks von der Stadt Wien weitergeführt worden“, sagt Anwalt Jarolim. „Der Stiftungszweck war mit den damaligen finanziellen Möglichkeiten nicht mehr möglich gewesen. Das wollte die Stadt Wien aus Respekt vor der Familie Rothschild verhindern und hat sich daher finanziell engagiert.“

    Wegen der Finanzierung aus Steuern wäre es rechtlich nicht möglich gewesen, das Kuratorium mehrheitlich mit Privatpersonen zu besetzen. Für den 20. Februar ist eine Gerichtsverhandlung vor dem Bezirksgericht Wien-Hietzing angesetzt. Unterstützung bekommt der Rothschild-Nachkomme von Parlamentspräsident Wolfgang Sobotka. Er fordert, die Geschichte der Rothschild-Stiftung „noch einmal genaustens zu untersuchen“.

    Der ÖVP-Politiker plädiert dafür, das Kuratorium aus Respekt vor den „Opfern des Nationalsozialismus“ wieder im ursprünglichen Sinn zu errichten. „Wir brauchen keine Nachhilfe in Geschichte“, sagte hingegen der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) dem Magazin „Profil“. „Die Stadt Wien hat immer gezeigt, wie verantwortungsvoll sie mit der NS-Geschichte umgeht.“

    Mehr: Immer mehr Banken machen Jagd auf deutsche Millionäre. Doch der brutale Wettbewerb lässt die Margen schrumpfen. Gerade ausländische Institute könnten sich verhoben haben.

    Startseite
    Mehr zu: Bankerdynastie - Stiftungsvermögen verschleudert? Rothschild-Nachkommen erheben schwere Vorwürfe gegen Wien
    0 Kommentare zu "Bankerdynastie: Stiftungsvermögen verschleudert? Rothschild-Nachkommen erheben schwere Vorwürfe gegen Wien"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%