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Barbara Sturm Wie eine deutsche Orthopädin zum Star der Beauty-Branche wurde

Die gebürtige Thüringerin hat sich in einer hart umkämpften Branche durchgesetzt. Barbara Sturm versorgt jetzt die weltweite Promi-Szene mit ihren Produkten.
21.10.2020 - 12:21 Uhr Kommentieren
Ihr Unternehmen beschäftigt mittlerweile knapp hundert Mitarbeiter und ist selbst zur Marke geworden. Quelle: Chris Singer photography
Barbara Sturm

Ihr Unternehmen beschäftigt mittlerweile knapp hundert Mitarbeiter und ist selbst zur Marke geworden.

(Foto: Chris Singer photography)

Düsseldorf Seien wir ehrlich, wie es in der Branche, um die es hier geht, nicht immer angesagt ist: Kosmetik ist eine Glaubensfrage. Ob eine Creme wirkt, hat sicher auch mit ihren Ingredienzien zu tun, mit dermatologischer Grundlagenforschung und Kärrnerarbeit im Labor.

Aber mit den nüchternen Mitteln der Stiftung Warentest allein kommt man der Multi-Milliarden-Branche und ihren Erfolgsrezepten nicht bei. Es geht da auch um Geschichten und Gefühle, um Marketing, Überzeugungskraft, Beziehungen, ein bisschen Glück und sehr viel Persönlichkeit.

All das hat Barbara Sturm. Und deshalb ist sie auch nicht mehr irgendeine aus Thüringen stammende promovierte Orthopädin, sondern eine weltbekannte „Promi-Medizinerin“, wie Fachorgane von „Bunte“ aufwärts ihr bescheinigen. Gerade hat in Los Angeles ihr dritter Flagship-Store eröffnet, nach Düsseldorf und New York. London ist in Vorbereitung.

Das Unternehmen „Dr. Barbara Sturm“ beschäftigt mittlerweile knapp hundert Mitarbeiter und ist selbst zur Marke geworden, zur Vertrauten von Ikonen wie Naomi Campbell oder Johnny Depp. Den berät in seinem aktuellen Scheidungskrieg Sturms zweiter Gatte, der US-Anwalt Adam Waldman.

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    Es ist auch Family Business. Wer das alles für albern hält, hat die Branche nicht verstanden, in der Sturm mittlerweile selbst ein Instagram- und Tiktok-Star ist und zugleich Dauergast bei Veranstaltungen von Oktoberfest über Oscar-Verleihung bis zu den Filmfestspielen in Cannes – solange derlei stattgefunden hat jedenfalls. Auf Corona hat sich Sturm trotzdem schnell eingegroovt. Ihre virtuellen Workshops, genannt „Skin Schools“, und Youtube-Tutorials, bei denen dann auch mal die gute Freundin Hailey Bieber hilft, gehen durch die Decke.

    Der E-Commerce brummt. Der Umsatz von zuletzt 30 Millionen Euro dürfte sogar dieses Jahr kräftig wachsen, obwohl ihr der stationäre Einzelhandel teils weggebrochen ist: „Ich bin eine Kämpferin“, sagt sie, was sich durch ihre ganze Vita zieht.

    Mehr als Arthrose und Kassenrezept

    Geboren und aufgewachsen ist sie noch in der DDR. Ihre Eltern stellten schon 1984 einen Ausreiseantrag. So landete die zwölfjährige Barbara zum ersten Mal in einer völlig neuen Welt, dem Westen. Nach Kindheit und Jugend in Moers studierte sie in Bochum, Essen und Düsseldorf erst ihr Traumfach Medizin, dann noch Sport. Auch weil die Jungs in der benachbarten Fakultät deutlich cooler und attraktiver waren.

    Für ihre Doktorarbeit über „Schäden am Bewegungsapparat von Skirennläufern“ durfte sie in Sölden mit der österreichischen Nationalmannschaft forschen und feiern, bevor sie in der Praxis eines bekannten Düsseldorfer Orthopäden die Welten drei und vier kennenlernte: Medizin- und Showbusiness.

    Mit Nick Nolte ging es mal von der Praxis an der Kö direkt nach Sylt. Der Hollywood-Schauspieler George Hamilton wurde irgendwann Sturms Freund und dann Lebensabschnittsgefährte. So zierlich, blond und klein, wie sie nun mal ist, sei sie oft als „Freundin von …“ belächelt worden, gerade in der männerdominierten Medizinwelt. „Dabei habe ich mir mit viel Durchhaltevermögen alles selbst aufgebaut“, sagt Sturm.

    Schon während ihres Studiums musste sie als alleinerziehende Mutter sehen, wo sie blieb. Sie werde aber „gern unterschätzt. Dann wird man schon nicht als Bedrohung wahrgenommen.“

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    No makeup makeup please ‼️⁣ ⁣ I never wear makeup, even to red carpet events. Instead, I keep my skin clear, visible and glowing with my 3 “no-makeup skin tricks” for a healthy, natural #sturmglow. The key is to use ingredient science that protects the skin’s barrier function and hydrates on every level for dewy, smooth, glowing skin 💫 🌟 💫 ⁣ ⁣ 1️⃣ Anti-Aging Primer —> a proper skincare product you can use instead of foundation! It creates a flawless base, mattifies oily skin and helps to reduce pore size and wrinkles with Modified Rice Starch. Hyaluronic Acid and anti-aging powerhouses provide intensive hydration and protection. Apply after cleansing or putting on your Face Cream. ⁣ ⁣ 2️⃣ Glow Drops —> instead of highlighter: makes tired, dull skin glow again using Polygonum Bistorta Root to optimise skin tone, Wild Rose Extract to refine pores and Hyaluronic Acid to deliver moisture at superficial and deeper skin layers. Light-reflecting pigments create an instant, visible radiance. Apply after moisturiser, over makeup or combine with your preferred skincare product. ⁣ ⁣ 3️⃣ Lifting Serum —> instead of contouring: gives your facial contours and skin an instant lifting effect using a formula of Biopolymers that create a weightless, firming film on the skin’s surface. Microalgae Extract visibly plumps wrinkles and supports collagen and elastin. Smooths out the skin’s surface texture for a more even-looking complexion. Use as the last step in your skincare regime. ⁣ ⁣ Share with me your #SturmGlow and I will feature it on my feed! 💫

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    Sturm wurde früh klar, dass Medizin mehr sein kann als Arthrose und Kassenrezepte. Sie begann mit – durchaus nicht unumstrittenen – Eigenblutbehandlungen, experimentierte früh mit Botox, Hyaluron und Unterspritzungen. 2006 machte sich Sturm mit einer eigenen Praxis selbstständig, nun schon mit Schwerpunkt Schönheit.

    Ihr Telefonbuch wuchs an, das Produktportfolio ebenso, das heute rund 90 Artikel umfasst: Cleanser, Glow Drops, Lip Balm, Face Cream – was man halt so braucht, um der eigenen Verwitterung tapfer entgegenzutreten und den wahren #sturmglow zu erleben. Allein unter diesem Hashtag finden sich mittlerweile Tausende von Posts im Netz.

    Schauspielstars wie Gwyneth Paltrow schwören angeblich auf Sturms Facials. Das „Teen Breakouts & Blemish-Prone Skin Set“ kann bei Sturm schon mal mit 400 Euro zu Buche schlagen, 100 Milliliter „Hyaluronic Serum“ kosten 700 Euro. Aber es zwingt einen ja niemand zum Kauf.

    Billig können andere, Sturm steht quasi für Haut Couture – und passt damit wunderbar zur Online-Luxusplattform Net-a-porter, die sie früh ins Programm nahm. „Das war für mich der Ritterschlag“, sagt Sturm – und der Start in eine neue Geschäftsdimension, Welt Nummer fünf quasi: als E-Commerce-Größe und global aktive Unternehmerin.

    Pionierin für „G-Beauty“

    Das US-Marktforschungsunternehmen Lucintel rechnete vor, dass das Geschäft mit Anti-Aging-Produkten bis 2023 um jährlich im Schnitt knapp sechs Prozent auf 66 Milliarden Dollar steigen dürfte. Der Bereich Haut- und Haarpflege sei der „am stärksten wachsende Markt überhaupt“, flankiert Douglas-Chefin Tina Müller.

    Sturm wurde obendrein zur Galionsfigur eines Trends, den sie selbst schrecklich findet, weil er so nach Marketing klingt und Kampf der Nationen: sogenannte „G-Beauty“ oder auch „Doctor Brands“. Das „G“ steht für „German“ und meint kleine Kosmetikmarken aus Deutschland, die irgendwie medizinische Glaubwürdigkeit mitbringen, für Nachhaltigkeit stehen und puristische Ehrlichkeit bis in die bauhausschlichten Tuben und Flakons hinein versprechen. „Wir sind ja nicht bei Olympia“, sagt Sturm.

    Dr. Hauschka gehört dazu, Augustinus Bader, Dr. Timm Golüke, auch Marken und Macher wie „Dr. Susanne von Schmiedeberg“, „Doctor Duve“ und natürlich Sturm, die als Medizinerin heute nur noch selten zum Einsatz kommt – und wenn, dann nur für gute Freunde.

    Das Geschäft wird mit der Pflegeserie gemacht, bei der sie auf das „Made in Germany“ ebenso Wert legt wie darauf, keine Tierversuche zu dulden. Nachhaltigkeit sei heute wichtig. Als Unternehmerin kann sich Sturm dagegen wunderbar empören über Bürokratie, Neid und Steuerrecht in ihrer alten Heimat Deutschland: „Es werden einem nur Steine in den Weg gelegt. Niemand gönnt einem irgendwas.“

    Trotzdem sei die Firma ihr Leben. Und dieses Leben ist so erfolgreich, dass es auch andere neugierig macht. Jeden Tag bekomme sie Übernahmeangebote von Hedgefonds, Private-Equity-Firmen oder großen Wettbewerbern.

    „Die Konzerne haben heute zu kämpfen“, sagt Sturm. „Auch weil die Konsumenten genau wissen wollen, was in den Produkten steckt.“ Aber an einen solchen Riesen verkaufen? Da gehe es auch um Glaubwürdigkeit – und damit wieder um den Glauben, womit sich der Kreis schließt. Denn seien wir ehrlich …

    Mehr: L’Oréals „Goldesel“ muss sich in schwieriger Zeit als Chef beweisen

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