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Batteriesystemanbieter Sven Schulz führt Akasol erfolgreich an die Börse

Der hessische Batteriepionier startete am Freitag mit kräftigen Kursgewinnen an der Börse. Firmenchef Sven Schulz plant bereits die Expansion.
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Mit Akasol legte der Unternehmer ein erfolgreiches Börsendebüt hin. Quelle: Schulz Group GmbH
Sven Schulz

Mit Akasol legte der Unternehmer ein erfolgreiches Börsendebüt hin.

(Foto: Schulz Group GmbH)

DarmstadtDas war ein Moment so ganz nach dem Geschmack von Sven Schulz. Sein Darmstädter Batteriesystemanbieter Akasol hat am Freitag bei seinem Börsendebüt in Frankfurt kräftige Kursgewinne verzeichnet.

Der erste Preis wurde mit 48,80 Euro festgestellt, knapp über dem Ausgabekurs von 48,50 Euro. Innerhalb der ersten Stunde kletterte die Aktie auf 51,94 Euro, ein Plus von mehr als sechs Prozent. Zum Börsenschluss hin wurden dann immerhin noch knapp 50 Euro festgestellt. Das Initial Public Offering (IPO) brachte insgesamt 118 Millionen Euro ein. Akasol und die begleitenden Banken hielten in den vergangenen Tagen weiter Kurs auf die Börse, obwohl die Volatilität – sprich die Schwankungsanfälligkeit der Kurse – wegen der Handelskonflikte in der Welt zugenommen hatte.

„Der Börsengang war seit Ende 2017 unser erklärtes Ziel. Mit den frischen Finanzmitteln kann ich das Wachstum finanzieren und gleichzeitig unabhängig bleiben“, sagt der 42 Jahre alte Vorstandschef im Gespräch mit dem Handelsblatt. Sein Börsendebüt hatte beste Voraussetzungen, denn Schulz und seine Akasol liegen voll im Zeitgeist: Alternativen Antrieben gehört die Zukunft. Zum Wochenende hin kündigte beispielsweise BMW-Konzernchef Harald Krüger an, in China Batteriezellen für mehrere Milliarden Euro zu bestellen.

Das Umdenken wird zum Mainstream, doch es war ein langer Weg dorthin, wie sich Akasol-Chef Schulz erinnert: „Sehen Sie, im Jahr 2008 war der Rohölpreis bei 140 Dollar je Fass, da war jedem klar, dass etwas passieren muss. Sozusagen auf dem Höhepunkt des Wahns mit den Verbrennungsmotoren haben wir mit der Gründung der Akasol GmbH die Weichen für den heutigen Erfolg gestellt.“

Das Unternehmen stellt Hochleistungsbatteriesysteme her, die in Bussen, Industrie- und Nutzfahrzeugen, Schiffen und Schienenfahrzeugen eingesetzt werden. Für 2018 erwartet die Firma, zu deren größten Kunden Daimler und Volvo zählen, einen Umsatz von 22 bis 24 Millionen Euro und einen Betriebsgewinn (Ebit) von rund 1,5 Millionen.

Zukünftig stellt sich der Batteriespezialist auf hohe Wachstumsraten ein. Nach den Abgasskandalen in der Automobilindustrie und mit dem wachsenden Ökobewusstsein spielen einige Megatrends dem Batterieexperten in die Hände. So wollen zwölf Metropolen – darunter London, Paris und Los Angeles – ab dem Jahr 2025 nur noch emissionsfreie Busse im Nahverkehr einsetzen, wie aus dem Börsenprospekt von Akasol hervorgeht.

Allerdings zeigt die Veröffentlichung zum Börsengang auch, dass es eine Reihe in- und ausländischer Wettbewerber gibt, darunter etwa die Firma Voltabox, die bereits vor Akasol den Sprung aufs Börsenparkett gewagt haben.

Ausbau der Produktion geplant

Akasol-Mehrheitseigner Schulz will mit den Einnahmen aus der Aktienemission die Produktionskapazitäten in Langen bei Darmstadt bis 2020 verdoppeln, ein Werk in den USA hochziehen und ein Forschungs- und Entwicklungszentrum am Hauptquartier in Südhessen bauen. Den Auftragsbestand bezifferte Schulz auf knapp anderthalb Milliarden Euro, mittelfristig solle der Umsatz auf 300 Millionen Euro steigen.

„Chinesen, Koreaner und andere Finanzinvestoren wollten bei uns einsteigen, aber wir legen Wert auf Unabhängigkeit und hatten Sorge, dass uns die Investoren in die falsche Richtung steuern könnten“, meint Schulz, dessen Gruppe nach dem IPO noch 46,7 Prozent der Anteile hält und damit bestimmender Großaktionär bleibt. Einige Interessenten hätten selbst ernannte E-Mobilitätsexperten vorgeschickt, die dann wenig praktikable Vorschläge gemacht hätten, etwa in Richtung einer Ausweitung der Produktpalette hin zu Pkws, berichtet ein Insider.

Schulz lässt sich davon aber nicht beirren, für ihn ist klar, dass sich das Thema E-Mobilität bei Bussen und Nutzfahrzeugen schneller durchsetzen wird. Wer nur auf simple Technik setze, der werde ein ähnliches Schicksal erleiden wie die Solarzellenhersteller, die von den Chinesen verdrängt wurden.

Bei komplexen Batteriesystemen mit anspruchsvoller Elektronik für beispielsweise das Thermomanagement könne das nicht passieren. Deshalb kann Schulz auch gelassen bleiben, wenn die Chinesen zusammen mit BMW eine Allianz für Batteriezellenfabriken schmieden – aus seiner Sicht sind Batteriezellen nur der Rohstoff für seine Lithium-Ionen-Systeme.

Akasol ist eine Ausgründung aus der TU Darmstadt, heute gehört sie als Tochter zur Schulz Group GmbH in Ravensburg, deren Geschäftsführer Schulz ist. Der Chef ist nicht die ganze Zeit über in Langen, sondern pendelt zweimal die Woche dreieinhalb Stunden vom Bodensee nach Hessen. Auch dabei bleibt er seinem Thema E-Mobilität treu, für die Fortbewegung hat er eine Bahncard 100 und einen Tesla.

Elon Musk gehört denn auch zu seinen Vorbildern, aber auch deutsche Unternehmerlegenden wie Carl Benz oder Werner von Siemens – Menschen, die nicht zuerst ans Reichwerden gedacht hätten, sondern von einer Sache überzeugt waren. Und dann ist da noch sein Vater, der seit 2008 im Ruhestand lebt, der aber immer wieder als Ratgeber fungiert. Zu seinem Netzwerk gehört auch der Wirtschaftsrat der CDU, in dem Schulz Mitglied im Bundesvorstand ist.

Schulz beschreibt sich selbst als extrem ergebnisorientiert. „Wie komme ich am effizientesten von A nach B? Das ist es, was mich antreibt“, sagt Schulz, der mit Sakko, Einstecktuch und Jeans recht sportlich wirkt und im Gespräch auch seine Schwächen nicht verschweigt.

„Ich kann nur schwer mit Niederlagen umgehen. Wenn ich einen Mitarbeiter halten will und er trotzdem geht, dann suche ich nach den Ursachen vornehmlich bei mir selbst und unserem Unternehmen. Stimmt etwas nicht mit unserer Unternehmenskultur? Sind wir zu eindimensional, schauen nicht mehr nach links und rechts? Das sind Fragen, die ich mir dann stelle“, erklärt der Firmenlenker.

Der Wirtschaftsingenieur denkt natürlich in Effizienzkategorien, hat aber auch eine Vision, die über die Betriebswirtschaft hinausreicht: Er wolle als Unternehmer einen Beitrag leisten, die Welt in einem besseren Zustand zu hinterlassen.

Nach der hektischen Roadshow an den wichtigsten Finanzzentren der Welt für den Börsengang wird Schulz in den nächsten Wochen auch wieder etwas mehr Zeit finden für seine Familie mit den beiden Söhnen. Sportseitig ist er gerne mit dem Mountainbike unterwegs, einmal hat er sogar die Alpen überquert – ein bleibendes Erlebnis.

Ausnahmsweise war er dabei nur mit Muskelkraft unterwegs. Immer wieder hätten ihn E-Bike-Fahrer überholt. Ausgerechnet ihn, den Batteriepionier.

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