Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Haus von Huf

Das Familienunternehmen hat sich in der Branche einen Namen gemacht.

(Foto: Huf Haus)

Baubranche Häuslebauer in vierter Generation: Huf Haus profitiert vom Fertighaus-Boom

Georg Huf hat nach 25 Jahren die Leitung des Fertighausbauers an die vierte Generation übergeben. Das Image der Branche hat sich in der Zeit stark gewandelt.
11.05.2021 - 14:57 Uhr Kommentieren

Düsseldorf An regnerischen Wochenenden flitzt der 65-jährige Georg Huf gern mit seinen Enkelkindern auf Inlineskates durch die Werkshallen des Familienunternehmens, das er 25 Jahre lang geführt hat. Hier entstehen sonst die charakteristischen Fachwerkfertighäuser mit viel Glas: Die Huf-Mitarbeiter schneiden Holz zu und arbeiten alle nötigen Löcher und Erhebungen ein. Sie schmirgeln, lackieren und setzen meterlange Fassadenreihen inklusive Fenstern und Elektrik zusammen, die dann mit Lkw zu den Grundstücken transportiert und zu Huf-Häusern zusammengebaut werden.

Im April hat Georg Huf die Leitung des Unternehmens an die vierte Generation übergeben – seinen Sohn Benedikt und seinen Neffen Christian, beide Anfang 30. Auch die beiden haben eine ganz besondere Bindung zu ihrem Produkt: Sie sind selbst darin groß geworden – in Huf-Häusern im Musterhaus-Dorf im Westerwald.

„Für uns war das ganz normal, auch sonntags Kunden aus dem Garten zuzuwinken“, sagt Christian Huf. Dass er einmal im eigenen Familienunternehmen arbeiten würde, stand für ihn früh fest. Das Gleiche gilt für Benedikt Huf: „Die Nachfolge war immer in Sichtweite.“ Die beiden hätten kaum einen besseren Zeitpunkt erwischen können, um das Familienunternehmen zu übernehmen. Denn der Fertigbaubranche geht es so gut wie nie.

Jedes vierte genehmigte Haus im Jahr 2020 war ein Fertighaus

Der Wunsch, ein eigenes Heim mit viel Platz und einem Stückchen Grün zu besitzen, ist während der Coronakrise bei vielen gewachsen: 2020 wurden laut Zahlen des Statistischen Bundesamts 106.000 Ein- und Zweifamilienhäuser genehmigt – davon 23.500 Häuser in Holz-Fertigbauweise. Das waren 11,2 Prozent mehr Fertighäuser als im Vorjahr. Fast jedes vierte genehmigte Haus war ein Fertighaus.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Langsam, aber sicher streift das Fertighaus damit seinen schlechten Ruf ab. Denn mit Massenware von der Stange haben die im Werk vorgefertigten Häuser schon lange nicht mehr viel zu tun.

    Susanne Neutzling, die Architektur studiert hat und für den Fachschriften Verlag viele Familien beim Bauen begleitet hat, kennt die Vorteile der Bauweise: „Der Fertigbau hat eine hohe Terminsicherheit und ein System, das wirklich aus einer Hand abgestimmt ist, von der Bodenplatte bis zum Dach.“ Für Bauherren außerdem vorteilhaft: Sie haben über Jahre hinweg nur einen Ansprechpartner.


    Im April haben Christian und Benedikt Huf in vierter Generation die Leitung des Familienunternehmens Huf Haus aus dem Westerwald übernommen. Foto: Huf Haus
    Christian, Georg und Benedikt Huf (v.l.) in einem Musterhaus von Huf Haus

    Im April haben Christian und Benedikt Huf in vierter Generation die Leitung des Familienunternehmens Huf Haus aus dem Westerwald übernommen.

    Foto: Huf Haus

    Das Familienunternehmen Huf hat sich in der Branche einen Namen gemacht: „Das Huf-Haus ist fast schon eine Gattung“, sagt Achim Hannott, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Fertigbau. „Mit der Konstruktion aus Holz und Glas haben sie ihren eigenen, wiedererkennbaren Stil geprägt.“ Gleichzeitig sei Huf Haus typisch für die Fertighausindustrie: ein familiengeführtes Unternehmen, das aus der Zimmermanntradition kommt.

    Fachwerklook seit 1972

    Wer sich in einem Huf-Haus aufhält, bekommt unweigerlich das Gefühl, mitten in der Natur zu sein. Doch nicht jedem gefällt die markante Fachwerkhaus-Architektur: „Man liebt es oder hasst es“, sagt Georg Huf. „Es ist eine besondere Stilrichtung, da gibt es eine kleine, aber seriöse Gruppe, die genau das will.“ Durch das Fachwerk brauchen die Gebäude keine tragenden Wände, Kunden könnten also mit einem offenen Grundriss planen.

    Der Wiedererkennungswert bei Huf-Häusern ist jedenfalls da. „Alles, was bei uns aus der Produktion geht, kann in Europa als Huf-Haus erkannt werden, das ist die Bedingung“, sagt Christian Huf. Allerdings will er gleich mit Vorurteilen bezüglich der Fertigbaubranche aufräumen: „Wir fangen nach wie vor auf dem weißen Blatt Papier an, den Grundriss als Architekturhaus zu designen.“

    Wenn man den Senior Georg Huf nach den wichtigsten Ereignissen der Firmenhistorie fragt, fällt ihm als Erstes die Weltausstellung in Brüssel 1958 ein. Das 1912 als Zimmerei mit angeschlossenem Sägewerk gegründete Unternehmen präsentierte sich dort das erste Mal auch international und baute den deutschen und den arabischen Pavillon. 1960 baute das Unternehmen das erste Fertighaus in einer Kölner Kaufhof-Filiale, 1972 bekam das Huf-Haus seinen traditionellen Look im Fachwerkstil.

    Im Laufe der Zeit ist die Firma gewachsen: Mittlerweile umfasst Huf Haus eine ganze Firmengruppe – vom Finanzierungsservice über den Maler und Gartenbauer bis hin zum Schreiner. Oder: „Von der ersten Baggerschaufel bis zum Besteck in der Schublade“, wie es Christian Huf formuliert. Die Firmengruppe macht mittlerweile einen Umsatz von 75 Millionen Euro im Jahr. Sie wachse langsam, aber stetig.

    Holz ist mittlerweile zur heißen Ware auf dem Rohstoffmarkt geworden, die Preise steigen immens an. Ein Problem für ein Unternehmen, das hauptsächlich mit dem nachwachsenden Rohstoff baut? Bisher profitiere Huf noch von seinen langjährigen Beziehungen zu den Lieferanten, von denen einige selbst in Huf-Häusern wohnen. Sorgen macht den Hufs die Situation deshalb erst mal nicht: „Irgendwelche Krisen gibt’s immer“, sagt Georg Huf dazu.

    Auch vom Brexit haben die Hufs wenig gemerkt, obwohl Großbritannien für die Fertighausbauer der zweitwichtigste Markt ist. Problematischer war da mit Blick aufs Ausland die Coronakrise: Normalerweise schickt Huf seine deutschen Mitarbeiter für den Bau dorthin, „wir machen das komplette Programm made in Germany“, sagt Benedikt Huf. „Auch der Fliesenleger und der Maler kommen dann aus Deutschland.“

    Aufgrund der Einreisebeschränkungen und Quarantäneregeln konnten die Unternehmer ein paar Baustellen über einige Wochen nicht besetzen. „Das nagt natürlich an den Kunden und an uns.“ Ansonsten hat die Corona-Pandemie aber bei Huf, wie auch in der gesamten Fertighausbranche, für eine erhöhte Nachfrage gesorgt. „Die Auftragsbücher sind voll“, sagt Christian Huf. Nur bei den Baugenehmigungen gehe es in der Krise oft etwas langsamer.

    Trends: Nachhaltigkeit, Objektbau und Tiny House

    In den nächsten Jahren dürften Huf und die Fertighausbranche weiterhin vom Trend zu mehr Nachhaltigkeit profitieren: Holz als nachwachsender, natürlicher und CO2-bindender Rohstoff sei im Eigenheimbau ein „Riesenargument“ für alle, die das Klima schützen wollen, sagt Hannott vom Bundesverband Deutscher Fertigbau.

    Außerdem wollen Christian und Benedikt Huf in Zukunft verstärkt auf den Objektbau setzen. In Montabaur steht schon eine Wohnanlage im typischen Huf-Stil mit 44 Einheiten. „Als Bauherr will man auch verstärkt in Immobilien investieren“, sagt Christian Huf.

    Auch das Thema Tiny House greift die Unternehmerfamilie aus dem Westerwald auf, allerdings auf ihre Weise. Die Hufs wollen damit nicht die Minimalisten anziehen, sondern ihre Bestandskunden bedienen: Ein Tiny House als Nebengebäude – etwa als Spa, Homeoffice oder Gästehaus.

    Mehr: Der neue Rohstoff-Fluch: Rekordpreise lasten auf den Gewinnerwartungen der deutschen Industrie

    Startseite
    0 Kommentare zu "Baubranche: Häuslebauer in vierter Generation: Huf Haus profitiert vom Fertighaus-Boom"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%