Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Baustoffkonzern Annäherung im Übernahmestreit der Gipshersteller Knauf und USG

Der Baustoffkonzern Knauf will für 5,9 Milliarden Dollar den US-Rivalen USG übernehmen. Nun hat der USG-Aufsichtsrat Verhandlungen ermöglicht.
Update: 02.05.2018 - 10:30 Uhr Kommentieren
Knauf und USG: Annäherung im Übernahmestreit der Gipshersteller Quelle: dpa
Knauf

Das Familienunternehmen hat 5,9 Milliarden Dollar für USG geboten. Dessen Aufsichtsrat fand diese Offerte „völlig unangemessen“.

(Foto: dpa)

FrankfurtIn den milliardenschweren Übernahmestreit der beiden Gipskonzerne Knauf und USG kommt Bewegung. Der Aufsichtsrat des US-Konzerns USG, der eine Offerte des fränkischen Konkurrenten Knauf auf dem Tisch hat, gab am Dienstag seinem Management überraschend freie Hand, mit den Deutschen zu verhandeln.

Knauf aus Iphofen bei Würzburg nannte es am Mittwoch in einer Mitteilung ein „positives Zeichen“, dass der Aufsichtsrat von USG sein Management autorisiert habe, in Gespräche über das Angebot einer Auszahlung von 42 US-Dollar pro Aktie einzutreten.

„Wir sind ebenso erfreut, dass der Aufsichtsrat anerkennt, dass Aktieninhaber eine Transaktion sehen möchten.“ Die Unterzeichnung einer Vertraulichkeitsvereinbarung und Gespräche seien die nächsten Schritte. Es gebe jedoch keine Garantie dafür, dass sich aus diesen Gesprächen eine Transaktion ergebe, betonte Knauf.

Gips im großen Stil
Gründerjahre
1 von 19

Die Brüder Alfons (*18. Juli 1906) und Karl Knauf (*27. März 1909) werden in Lothringen geboren, das damals noch zum Deutschen Reich gehört. Ihr Vater Matthias Knauf arbeitete zunächst als Markscheider im Bergbau und später als Obersteiger. Dieser Tradition folgend studieren Alfons und Karl Knauf Ende der 20er-Jahre Bergbau in Berlin. Zunächst ist unklar, wie es nach dem Krieg weitergeht.

(Foto: PR)
1930-50er
2 von 19

1932 erwerben Alfons und Karl Knauf Abbaurechte für eine Gipsgrube in Schengen (Luxemburg) und eröffnen ein Gipsputzwerk in Perl an der Mosel. Im Jahr 1949 entsteht im unterfränkischen Iphofen ein neues Gipsputzwerk und 1958 wird dort die erste Gipskartonplattenanlage gebaut.

(Foto: PR)
Die Gips-Könige aus Franken
3 von 19

Nikolaus Knauf (ganz rechts) wird am 8. April 1936 geboren und am 23. September 1939 kommt Baldwin Knauf (links) zur Welt.

(Foto: PR)
Rückübertragung und Wiederaufbau
4 von 19

Mit Kriegsende werden im Jahr 1945 alle Werke unter Zwangsverwaltung gestellt. Die Rückübertragung der in der britischen und amerikanischen Zone gelegenen Werke erfolgt 1948. 1949, im Jahr der Gründung der Bundesrepublik, bauen die Brüder im nordbayerischen Iphofen ein Gipsputzwerk, es steht für den Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg. Noch immer befindet sich dort der Hauptsitz der Unternehmensgruppe. Der Konzern profitiert vom Wiederaufbau. Die Rückübertragung der Werke im Saarland erfolgt 1951. Die Werke agieren zunächst voneinander unabhängig.

(Foto: PR)
Neues Kapitel der Unternehmensgeschichte
5 von 19

Mit der Aufnahme der ersten Gipsplattenproduktion in Iphofen beginnt 1958 ein neues Kapitel. Entsprechend der Unternehmensstrategie führte die Gipsplattenherstellung bald zur Entwicklung kompletter Trockenbausysteme mit allen zur Verarbeitung benötigten Komponenten. Das Sortiment erweiterte sich dadurch zum Beispiel um spezielle Werkzeuge oder um Metallprofile für Wand- und Deckenkonstruktionen.

(Foto: PR)
Baldwin Knauf (l) und sein Vetter Nikolaus
6 von 19

Nikolaus Knauf (r) wird Betriebsleiter im Werk Perl und ist für die Gruben im Saarland und Lothringen verantwortlich.

(Foto: picture-alliance / dpa)
1960er
7 von 19

Knauf bringt 1960 mit dem Haftputz Rotband den ersten im Werk vorgemischten Trockenmörtel für Gips-Innenputz auf den Markt und entwickelt vier Jahre später, 1964, mit dem MP75 den ersten maschinengängigen Gipsputz. Damit setzt Knauf einen bis heute gültigen Standard.

(Foto: PR)

Zuvor hatte der USG-Aufsichtsrat die Knauf-Offerte einstimmig als „völlig unangemessen“ zurückgewiesen. Die mitten im Umbau steckende USG sei deutlich mehr wert als die gebotenen 5,9 Milliarden Dollar (knapp 4,8 Milliarden Euro) oder 42 Dollar pro Aktie.

Doch damit hat USG offenbar zu hoch gepokert. Knauf hatte mitgeteilt, die einflussreichen Aktionärsberater ISS und Glass Lewis würden den Aktionären von USG empfehlen, auf der Hauptversammlung am 9. Mai gegen alle vier Kandidaten für den Vorstand zu stimmen. So solle USG zu Gesprächen über die Knauf-Offerte gebracht werden.

Auch Starinvestor Warren Buffett unterstützt den Deal. Sein Konglomerat Berkshire Hathaway ist der größte Aktionär von USG und hatte signalisiert, seinen Anteil für mindestens 42 Dollar pro Aktie verkaufen zu wollen.
Berkshire war 2008, mitten in der Immobilien- und Finanzkrise, vergleichsweise günstig bei USG eingestiegen, indem er Schulden aufkaufte. Für den Verkauf stellt Buffett jedoch Bedingungen:

Für die Option, die Papiere der Investmentgesellschaft zu erwerben, soll Knauf Berkshire vorab zwei Dollar je Aktie extra zahlen.
Gelingt Knauf die Übernahme nicht, sollen diese knapp 87 Millionen Dollar dennoch bei Berkshire bleiben. Knauf erklärte, man werde dieses Angebot juristisch prüfen lassen.

USG legte Ende April schwache Zahlen für das erste Quartal vor. Der Gewinn ging um rund 16 Prozent auf 46 Millionen Dollar zurück. Der Umsatz dagegen stieg leicht. USG-Chefin Jennifer Scanlon warb damals noch um die Gunst der Aktionäre. „Wir sind ein transformiertes Unternehmen“, versicherte sie.

USG blickt auf krisengeschüttelte Jahre zurück. Nach einem Asbestskandal musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Kurz nach der fünfjährigen Restrukturierungsphase begann die Krise auf dem US-Häusermarkt.
Sowohl Knauf als auch USG hatten sich noch in der vergangenen Woche an die USG-Aktionäre gewandt. Knauf forderte die USG-Anteilseigner auf, gegen die Wiederwahl von vier Verwaltungsräten zu stimmen und sich somit für einen Zusammenschluss mit Knauf auszusprechen.

Der Widerstand von USG „spiegelt eine Corporate Governance wider, die den Aktionären gegenüber unfreundlich ist“, kritisieren Alexander Knauf und Manfred Grundke, die den Brief unterzeichnet haben. Das Argument der Deutschen: USG habe einen ambitionierten Wachstumsplan in einer zyklischen Branche. Ob der aufgehe, sei unsicher. Daher sollten die Aktionäre lieber jetzt das Angebot von 42 Dollar pro Aktie annehmen.

Die 42 Dollar seien ein Aufschlag von 25 Prozent im Vergleich zum Aktienpreis vom 23. März, dem Tag bevor das Angebot bekannt gegeben wurde. Den Wert hat die Aktie seit 2007 nicht mehr überschritten. Die Amerikaner wunderten sich zunächst über das aggressive Vorgehen des Familienunternehmens, das seit 18 Jahren an USG beteiligt ist und derzeit gut zehn Prozent am Unternehmen hält.

USG-Chefin Scanlon hofft immer noch, einen höheren Kaufpreis auszuhandeln. Knauf „sollte durch den Zusammenschluss“ zusätzliche Werte in dem Unternehmen finden, heißt es in einer Mitteilung.

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter
  • asd
  • rtr
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Baustoffkonzern - Annäherung im Übernahmestreit der Gipshersteller Knauf und USG

0 Kommentare zu "Baustoffkonzern: Annäherung im Übernahmestreit der Gipshersteller Knauf und USG"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.