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Bernhard Burgener Uefa und Finanzinvestor verhandeln über Champions-League-Beteiligung – dieser Mann ist der Strippenzieher

Der schillernde Medienunternehmer und Ex-Eigentümer des Fußballklubs FC Basel kämpft an vielen Fronten – und um sein Lebenswerk.
13.05.2021 - 13:00 Uhr Kommentieren
Bernhard Burgener: Der Schweizer Unternehmer gilt als gewiefter Strippenzieher – und hat die Uefa mit dem Finanzinvestor Centricus zusammengebracht. Quelle: imago images/Pius Koller
Bernhard Burgener

Der Schweizer Unternehmer gilt als gewiefter Strippenzieher – und hat die Uefa mit dem Finanzinvestor Centricus zusammengebracht.

(Foto: imago images/Pius Koller)

Zürich Bernhard Burgener, 63, bleibt lieber im Hintergrund. Der Schweizer Unternehmer, der unter anderem das Münchener Filmstudio Constantin und den Fernsehsender Sport 1 kontrolliert, verriet einmal im Interview mit der TV-Moderatorin Claudia Lässer: „Ich habe immer gesagt, ich gehöre nicht in die Öffentlichkeit.“

Doch in diesen Tagen sorgt Burgener für Schlagzeilen: Seit der weltweiten Aufregung um eine europäische Super League als Konkurrenz zur Uefa Champions League steht er im Fokus des Interesses. Burgeners Highlight-Konzern vermarket die TV-Rechte der Königsklasse im Fußball. Und er verhandelte monatelang mit dem Finanzinvestor Centricus über einen Verkauf seiner Anteile am Schweizer Fußballklub FC Basel.

Centricus wiederum bot dem europäischen Fußballverband Uefa Mitte April an, sich mit bis zu sieben Milliarden Dollar an der Champions League zu beteiligen, um die Konkurrenz durch die Super League abzuwehren. Die Konstellation ist kein Zufall: Es war Burgener, der die Uefa und Centricus an einen Tisch brachte, wie mit dem Vorgang vertraute Personen dem Handelsblatt bestätigten.

Die Verhandlungen zwischen Uefa und Centricus laufen weiter, ist zu hören – obwohl die Super League am Widerstand der Fans scheiterte. Es gebe „nichts Konkretes“ mitzuteilen, heißt es von der Uefa. Es gibt jedoch offenbar ein Problem: Centricus hatte die Finanzierung der Milliardensumme gar nicht gesichert, wie das Handelsblatt von zwei Insidern erfahren hat. Erst nachdem die Offerte bekannt wurde, soll Centricus etwa beim Finanzinvestor Apollo angeklopft haben, um Kapital einzuwerben. Centricus und Apollo lehnten einen Kommentar ab.

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    Lebenswerk in der Krise

    Burgener steht noch aus anderem Grund im Fokus: Sein Sport- und Unterhaltungsimperium steht finanziell unter Druck. Die börsennotierte Holding, die Highlight Event & Entertainment AG (HLEE), musste die Veröffentlichung des Jahresabschlusses um zwei Wochen verschieben. Die Zahlen fielen wegen der Pandemie schlecht aus: Der Umsatz der Gruppe fiel um 20 Prozent auf 414 Millionen Franken (377 Millionen Euro), der operative Cashflow brach um fast 50 Prozent ein. Die Holding musste 2020 eine neue Anleihe ausgeben und eine Kapitalerhöhung durchführen, um sich kurzfristig Liquidität zu verschaffen.

    Der Selfmademillionär macht kein Geheimnis daraus, dass er sich aus einfachen Verhältnissen in die Baseler High Society emporgearbeitet hat. Geschäftspartnern zeigt er gern aus dem Fond seiner Mercedes S-Klasse heraus die Arbeitersiedlung, in der er aufgewachsen ist. „Egal, woher du kommst, es haben alle die gleiche Chance, du musst sie einfach nutzen“, sagte Burgener der TV-Moderatorin Lässer.

    Das erste große Geld hat Burgener in den Achtzigerjahren mit einer Kette von Videotheken verdient. Nachdem er die Firma erfolgreich verkauft hatte, stieg er in den Handel mit Filmrechten ein. „Das Geld ist nie die Triebfeder gewesen“, so Burgener. Seine Faszination für Film und Fußball erklärt er mit Kino- und Stadionbesuchen in früher Kindheit.

    1999 brachte er den Medienkonzern Highlight Communications AG (HLC) an die Börse. 2007 stieg der Münchener Medienunternehmer Leo Kirch trickreich bei der HLC als Großaktionär ein, Burgener verlor die alleinige Kontrolle. „Das war eine Überraschung, die mich schwer getroffen hat“, so Burgener. Das Ringen mit der Kirch-Gruppe um die Vorherrschaft bei Highlight verschlang Millionen und währte lange über den Tod von Kirch im Jahr 2011 hinaus. Erst 2018 gelang es Burgener, den Kirch-Vertrauten Dieter Hahn aus der Firma zu drängen.

    Für den Übernahmekampf versammelte Burgener eine illustre Schar an Geldgebern hinter sich: Dazu zählen etwa der deutsche Immobilieninvestor Rolf Elgeti, das von den Schweizer Taschenmessern bekannte Familienunternehmen Victorinox und Alexander Studhalter, in der Schweiz bekannt als Treuhänder des russischen Oligarchen Suleiman Kerimow.

    Komplexe Firmenstruktur

    Sie sind – zusammen mit Burgener selbst – Großaktionäre bei der Holdinggesellschaft. Sie besitzt rund 48 Prozent der Aktien an der HLC, an der auch Kleinanleger und Fonds Anteile halten. In der HLC sind wiederum die Beteiligungen an Constantin Film, dem Münchner Fernsehsender Sport 1 und der Agentur Team gebündelt, die die Fernsehrechte der Uefa Champions League vermarktet. Über Kreuzbeteiligungen kontrolliert Burgener die Mehrheit an der HLC. Er führt den Konzern eher wie ein Familienunternehmen denn wie eine börsennotierte Firma.

    Die von Burgener und seinen Partnern kontrollierte Holding HLEE schreibt bereits seit 2018 Millionenverluste. Liquidität besorgte sich Burgener unter anderem bei der börsennotierten Tochter: Die HLC und andere Beteiligungen haben Kredite in zweistelliger Millionenhöhe an die HLEE ausgereicht, wie aus den Geschäftsberichten hervorgeht. Das Volumen der Schulden, die innerhalb eines Jahres fällig werden, wuchs 2020 von 72 auf rund 95 Millionen Franken – bei einem Kassenbestand von knapp zwei Millionen.

    Was den Druck auf den Konzern erhöht: In vielen Fällen dienen Anteile an Burgeners Firmenreich als Sicherheiten für Schulden. So hat die HLEE über 26 Millionen Aktien der HLC für eigene Verbindlichkeiten verpfändet – das entspricht 94 Prozent der gehaltenen HLC-Aktie. Die HLC hat ihrerseits Anteile an Constantin Film und Sport 1 als Sicherheiten für Kreditlinien hinterlegt.

    Umso wichtiger ist, dass alle Firmen aus Burgeners Imperium flüssig bleiben. Im Dezember 2020 stieg ein russischer Investor über eine Kapitalerhöhung bei der HLEE ein. Der Konzern mit über 200 Millionen Euro Börsenwert nahm nach eigenen Angaben etwas über fünf Millionen Euro ein „zur Deckung des kurz-bis mittelfristigen Cashbedarfs“.

    Der dürfte vorerst nicht kleiner werden: Geschlossene Kinos sorgten dafür, dass die Filmtochter Constantin Premieren verschieben musste. Der Fernsehsender Sport 1 hat seine Verluste 2020 ausgeweitet – und der Fußballrechtevermarkter Team ist darauf angewiesen, dass die Uefa den Vertrag in diesem Sommer verlängert.

    Bislang konnte Burgeners HLEE hohe Abschreibungen auf die Beteiligungen vermeiden. Ein Sprecher erklärt: „Wir prüfen jährlich unsere Beteiligungen auf Werthaltigkeit in Bezug auf die zukünftigen Einnahmen.“ Burgener ist dazu verdammt, dass die Einnahmen im nächsten Jahr steigen.

    Mehr: Fußball-Milliardäre blamieren sich mit Exklusivliga – Uefa triumphiert

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