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Bertelsmann Anke Schäferkordt tritt ab – RTL leitet den Generationswechsel ein

Die Deutschlandchefin bekommt keine Vertragsverlängerung. Der neue starke Mann im Fernsehreich von Bertelsmann heißt Bernd Reichart.
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„Unser Unternehmen war für mich mehr als ein Arbeitsplatz, es war immer auch eine Herzensangelegenheit“, schreibt die scheidende Deutschlandchefin von RTL. Quelle: picture alliance/dpa
Anke Schäferkordt

„Unser Unternehmen war für mich mehr als ein Arbeitsplatz, es war immer auch eine Herzensangelegenheit“, schreibt die scheidende Deutschlandchefin von RTL.

(Foto: picture alliance/dpa)

DüsseldorfGroßes Staunen bei den rund 2 500 Mitarbeitern des TV-Senders RTL in Köln: Als sie am Mittwochmorgen ihre Computer hochfuhren, lasen sie im Intranet von dem nahenden Abschied ihrer langjährigen Chefin Anke Schäferkordt.

In einem persönlichen Brief, den sie um acht Uhr morgens veröffentlichte – zeitgleich mit dem Versand der Pressemitteilung – schrieb Deutschlands mächtigste TV-Managerin an ihre Belegschaft: „Unser Unternehmen war für mich mehr als ein Arbeitsplatz, es war immer auch eine Herzensangelegenheit.“ Eine lange Reise würde zu Ende gehen.

Denn nun ist Schluss: Schäferkordt verlässt nach 27 Jahren die Sendergruppe (RTL, RTL2, Vox, Super RTL), die zum Gütersloher Familienunternehmen Bertelsmann gehört. Ende 2018 scheidet sie bereits aus. Ihr RTL-Vertrag, der erst Ende 2019 ausläuft, wird nicht verlängert. An diesen Posten knüpft sich ihr Sitz im Vorstand von Bertelsmann, den sie ebenfalls zum Jahreswechsel aufgeben wird.

Die 55-jährige Managerin will nicht bis zum Ablauf ihres laufenden Vertrags warten, sondern schon jetzt den Weg frei machen für ihren Nachfolger: den erfolgsverwöhnten Vox-Chef Bernd Reichart. Der 44-Jährige wird die Geschäftsführung der Mediengruppe RTL Deutschland übernehmen. Mit dem Niederländer Bert Habets, seit Anfang 2018 alleiniger CEO der RTL Group, bildet er das neue starke Duo der umsatzstarken Bertelsmann-Tochter.

Für den Fernsehsender markiert der Mittwoch nicht weniger als einen Generationswechsel. Schäferkordt hat dem TV-Unternehmen, das einen Jahresumsatz von knapp 6,4 Milliarden Euro erzielt, über Jahrzehnte hinweg ihren Stempel aufgedrückt.

Zwischen 1999 und 2005 war die Diplom-Kauffrau – ebenso wie ihr jetziger Nachfolger Reichart – Geschäftsführerin des kleineren Senders Vox. 2005 trat sie an die Spitze der Mediengruppe RTL, und 2012 wurde sie – zusammen mit dem Belgier Guillaume de Posch – Chefin der internationalen RTL Group in Luxemburg.

Unter Schäferkordts Führung wurde der operative Gewinn der RTL Group, dessen mit Abstand größter Teil das Deutschlandgeschäft ausmacht, seit 2005 mehr als verdreifacht. In jüngerer Zeit hat die Gruppe auch digital mächtig aufgeholt: mit Broadband TV, den digitalen Aktivitäten der Produktionstochter Fremantle und dem niederländischen Streamingportal Videoland, das in Deutschland TV Now heißt.

Die nahbare, unprätentiöse Managerin Schäferkordt hat ein großes Gespür für Programminhalte. Der Sender RTL ist mit Trash-Formaten wie „Big Brother“, „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ und „Deutschland sucht den Superstar“ kräftig gewachsen. Formate, die von Schäferkordt gefördert wurden, auch wenn sie vermutlich nicht ihren persönlichen Präferenzen entsprachen.

Aber das Credo der gebürtigen Lemgoerin lautet auch immer: Man darf nicht vom eigenen Geschmack aus denken – sondern vom Geschmack des Publikums. Anspruchsvolleren Fernsehserien wie „Deutschland 83“ gab sie zwar auch eine Chance, aber Schäferkordt soll schon vor der Ausstrahlung eine Ahnung von den dürftigen Quoten für die aufwendige Produktion gehabt haben.

Schäferkordts Demission ist in zwei Schritten erfolgt. Im März 2017 wurde bekanntgegeben, dass sie ihre Position als Co-Chefin der RTL Group auf eigenen Wunsch aufgeben und sich künftig auf die Geschäftsführung der RTL Mediengruppe Deutschland konzentrieren wird.

Ihren Vorstandsposten im Bertelsmann-Konzern behielt sie indes. Eine kuriose Situation, die dazu führte, dass ihr Nachfolger in Luxemburg, Habets, der fortan ihr Chef war, keinen Sitz im mächtigen Bertelsmann-Vorstand hatte – sie aber schon. Mit dem neuen, zweiten Schritt ihres nun endgültigen Rückzugs löst sich diese Situation auf.

Nahbare Managerin

Schäferkordts Nachfolge im Vorstand des Medienkonzerns ist allerdings unklar. In einem Schreiben teilt Bertelsmann lediglich mit: „Über die Nachfolge im Vorstand von Bertelsmann wird der Aufsichtsrat zu gegebener Zeit entscheiden.“ Eine Sitzung des Kontrollgremiums unter Führung von Christoph Mohn, Sohn der Bertelsmann-Eigentümerin Liz Mohn, steht in naher Zukunft nicht an.

Zum Abgang der Topmanagerin sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Mohn: „Ich bedauere ihr Ausscheiden sehr und möchte mich im Namen des gesamten Aufsichtsrats sehr herzlich bei ihr für die hervorragenden Leistungen bedanken.“ Konzernchef Thomas Rabe, der sich stets auf die Expertise der TV-Macherin verließ, lobt ihren „unternehmerischen Weitblick“, mit dem sie „exzellente Grundlagen für das weitere Wachstum unseres TV-Geschäfts in der Zukunft geschaffen“ habe.

Die Zukunft der Branche wird von der Digitalisierung getrieben. Mit dem eigenen Streamingangebot TV Now, das in Deutschland kurz vor einem großen Relaunch steht, will der TV-Sender US-Onlinediensten wie Netflix und Amazon Prime Video Paroli bieten. Denn der zeit- und ortsunabhängige Medienkonsum gewinnt gerade bei den jüngeren Zielgruppen an Bedeutung. Für diesen Wandel steht zum einen RTL-Chef Habets, und ab Januar 2019 auch der neue Deutschlandchef Reichart.

Der Medienmanager ist seit 2013 Vox-Geschäftsführer – eine Position, die ihm Schäferkordt verschafft hat. Zuvor hatte Reichart bei der spanischen Mediengruppe Antena 3 gearbeitet, wo er eine richtungsweise Programminspiration bekam: die Idee für die Erfolgsserie „Club der roten Bänder“, eine Geschichte über todkranke Jugendliche. Ein alles andere als leichter Unterhaltungsstoff, der aber dank seiner reifen Schauspieler ohne Pathos auskam.

Reichart holte damit die erste eigenproduzierte Serie ins Vox-Programm. Das Format wurde ein Quotenhit, erzählt über drei Staffeln hinweg. Hier bewies Reichart, wie groß sein Mut zum Risiko ist.

Das blieb der Branche nicht lange verborgen. 2016 wurde Reichart vom Marketingblatt „Horizont“ zum „Medienmanager des Jahres“ gekürt. Mit Produktionen wie „Sing meinen Song“, „Grill den Henssler“ und nicht zuletzt mit „Die Höhle der Löwen“ habe er neue Shows etabliert, lobte damals die Jury.

Dem Vox-Chef gelang etwas, woran RTL mitunter scheiterte: Gute Unterhaltung ohne Peinlichkeiten. Glücklich auch sein Händchen beim Kauf der US-Serie „The Good Doctor“, einer Story über einen autistischen Arzt. Noch vor der Ausstrahlung bei Vox platzierte Reichart die Serie bei dem hauseigenen Streamingdienst TV Now und experimentierte so mit den verschiedenen Verwertungswegen.

Die Richtung ist klar, das Tempo wird sich vermutlich noch erhöhen. Für RTL-Chef Habets steht das Streamingangebot, für das auch eigene Formate produziert werden, oben auf der Agenda. Reichart wird vermutlich den Weg ebnen müssen.

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