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Bildagentur Wie Mark Getty sein Fotoimperium wieder auf Kurs bringen will

Der Spross der legendären US-Milliardärsfamilie hat das Unternehmen Getty zurückgekauft. Die zehn Jahre unter Finanzinvestoren sieht er als verlorene Zeit.
Update: 12.06.2019 - 16:24 Uhr Kommentieren
Wie Mark Getty sein Fotoimperium wieder auf Kurs bringen will Quelle: Thomas Einberger für Handelsblatt
Mark Getty

Der Gründer hat das Unternehmen für geschätzte drei Milliarden Dollar von Finanzinvestoren zurückgekauft.

(Foto: Thomas Einberger für Handelsblatt)

MünchenAus einer bekannten, reichen Familie zu stammen, empfinden manche als Bürde. Mark Getty will das nicht zählen lassen. In jeder Familie gebe es Liebe und Hass, glückliche Momente und Tragödien. Doch wenn man aus einer Milliardärsfamilie stamme, dann habe man zumindest die Chance, dass manche Tiefs etwas sanfter ausfallen. „Das Leben ist so schon hart genug.“

Seiner Privilegien also ist sich Getty bewusst – und hat daraus seine eigenen Schlüsse und Konsequenzen gezogen. In Hemd und Pulli ist er zu Besuch in der Münchener Dependance seiner Bildagentur Getty Images, die Mitarbeiter sind ob seiner offenen und unprätentiösen Art entzückt. Vor wenigen Monaten hat der Gründer das Unternehmen für geschätzte drei Milliarden Dollar von Finanzinvestoren zurückgekauft.

Nun will er das Wachstum von Getty Images wieder beschleunigen und den Schuldenberg weiter verringern. „Die vergangenen zehn Jahre waren wir langsam“, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt, „dabei gibt es so viele Wachstumsmöglichkeiten.“

Natürlich sei der Rückkauf der Firma auch eine Herzensangelegenheit gewesen, sagt Getty. „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, Emotionen hätten keine Rolle gespielt.“ Schließlich hatte er Getty Images 1995 selbst gegründet, als er gemeinsam mit dem Arbeitskollegen Jonathan Klein eine der weltweit führenden Fotoagenturen, Tony Images, kaufte und mit zahlreichen weiteren Akquisitionen den Markt konsolidierte.

Dabei hatte er eine wahrlich ernst zu nehmende Konkurrenz: Bill Gates hatte bereits 1989 die Fotoagentur Corbis gegründet. „Gates ist sehr reich und unglaublich intelligent“, sagt Getty. Zusammen revolutionierten Corbis und Getty Images die Welt der Fotografie mit ihren Mega-Agenturen. Heute verfügt Getty Images über mehr als 300 Millionen Bilder und Videoclips.

Warum Vielfalt bei Agenturfotos so wichtig ist
Menschen mit Behinderung
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Die Foto-Agentur Getty Images hat eine besondere Kampagne ins Leben gerufen und die eigene Datenbank mit Aufnahmen von Menschen mit Behinderung ergänzt. Gerade Bild- und Stockfoto-Agenturen tragen Verantwortung, wenn es um gesellschaftliche Rollenbilder geht.

(Foto: Getty Images)
Junge Gründerin mit Hörgerät
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Obwohl fast jeder fünfte Mensch eine Behinderung hat, bilden nur zwei Prozent der öffentlich zugänglichen Bilder dies ab. Getty Images hat sich nun mit NDLA und Verizon Media zusammengetan und eine Bildkollektion ins Leben gerufen, um sich für eine authentische Repräsentation und lebensgetreue Darstellung von Menschen mit Behinderung einzusetzen: The Disability Collection. Wir zeigen eine exklusive Auswahl von Fotos.

(Foto: Getty Images/iStockphoto)
Frau im Rollstuhl
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„Heutzutage sind Bilder eine Sprache, die auf der ganzen Welt gesprochen wird. Das bedeutet auch, dass es noch nie so wichtig war wie heute, eine visuelle Kommunikation zu erschaffen und zu verbreiten, die progressiv und inklusiv ist,“ sagt Rebecca Swift, Leitende Direktorin des Creative Insight Teams bei Getty.

(Foto: Getty Images/Caiaimage)
Modedesigner bei der Arbeit
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Auch Unternehmen scheinen die Notwendigkeit für den Wandel der Bildsprache erkannt zu haben: Bereits im vergangenen Jahr konnte Getty eine Zunahme folgender Suchanfragen feststellen: Die Häufigkeit des Suchbegriffs „Behinderung“ stieg von 2017 bis 2018 um 98 Prozent, „Menschen mit Behinderungen“ um 218 Prozent, „körperliche Behinderung“ um 162 Prozent und „Barrierefreiheit für Behinderte“ stieg um 124 Prozent.

(Foto: Getty Images)
Vielfalt im Arbeitsleben
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Inzwischen beinhaltet die Sammlung über 1000 kuratierte Bilder, auch um für mehr Toleranz zu sorgen – ein wichtiger Schritt für eine authentischere visuelle Darstellung. Gerade Bilder haben einen sehr großen Einfluss auf das, was jeder von uns in der Gesellschaft erwartet und was wir für unsere Selbstverwirklichung anstreben.

(Foto: Getty Images)
Die Vielfalt von Frauen
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Bereits 2017 hatte sich Getty vorgenommen, ab sofort keine Fotos mehr zu verbreiten, bei denen die Figur von Frauen retuschiert wurde, um sie schlanker oder fülliger erscheinen zu lassen.

(Foto: Getty Images)
„Frauen“ und „Karriere"
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Bilder wie diese bekam man bislang nicht angezeigt, wenn man in Foto-Datenbanken nach den Begriffen „Frauen“ und „Karriere“ suchte. Durch eine inklusivere Bildsprache werden mehr Menschen animiert, sich auf diese Jobs zu bewerben.

(Foto: Getty Images)

Als Gründer hänge man am Unternehmen, sagt Getty. „Doch rein emotionale Entscheidungen funktionieren in der Wirtschaft nicht.“ Er sei zwar persönlich an Kunst und Fotografie interessiert. Doch sei ihm auch „kommerzielle Disziplin“ wichtig. Wirtschaftliche Gründe hätten daher am Ende den Ausschlag für den Rückkauf gegeben. Er glaube vor allem weiterhin fest an die Story und die Mission von Getty Images: „die Welt mit kraftvollen Bildern zu bewegen“.

Die Familie ist eine der bekanntesten in den USA. Vom „traurigsten Milliardärs-Clan der Welt“ schrieb einmal der „Stern“. Mark Getty ist Enkel des US-Ölmilliardärs Paul Getty, des einst reichsten Mannes der Welt. Sein Vater war drogen- und alkoholsüchtig und verlor eine spätere Frau durch eine Überdosis Heroin.

Mark selbst wuchs mit seinen drei Geschwistern und der Mutter in der Toskana auf, um ein normales Leben zu führen, als sein Bruder entführt wurde. Die Kidnapper schnitten ihm ein Ohr ab, weil der für seinen Geiz bekannte Großvater nicht gleich zahlte.

Mark Getty ist frei von Skandalen und entwickelte Getty Images lange mit Erfolg. 2008 verkaufte er die Mehrheit für 2,3 Milliarden Dollar an die Finanzinvestoren Hellmann & Friedman. „Ich glaubte, dass sie gute Investoren sind, und war glücklich, auf dem Rücksitz zu sitzen“, sagt Getty heute. Doch im Wirtschaftsabschwung im Zuge der Finanzkrise litten die Werbeagenturen, damals noch die Hauptkunden von Getty Images, ganz besonders. Die Geschäftspläne der Finanzinvestoren gingen nicht auf, 2012 übernahm mit Carlyle der nächste Finanzinvestor.

Die Firma war hochverschuldet

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten hemme es die Flexibilität, wenn ein Finanzinvestor perspektivisch den Exit suche, sagt Getty. Zudem musste die Firma zu einem guten Teil den Kaufpreis stemmen und war daher in der Spitze mit 2,4 Milliarden Dollar hochverschuldet. In disruptiven Zeiten, in denen sich Technologien und Geschäftsmodelle rasant verändern, rächt sich das. „Wir haben viele Chancen verpasst.“ Die Umsätze von zuletzt geschätzten 850 Millionen Dollar stagnierten über viele Jahre, während neue Konkurrenten wie Shutterstock, gegründet und geführt von Jon Oringer, 2003 emporstiegen.

Ein Einzelfall ist Getty Images nicht. Nicht jedem Familienunternehmen bekommt der Wechsel in die Hand von Finanzinvestoren gut. Gesellschafter von Familienunternehmen wollten der nächsten Generation eine intakte Firma übergeben, sagt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, dem Handelsblatt. Sie wirtschafteten deswegen mit entsprechend langer Perspektive. „Am Kapitalmarkt hingegen gelten andere Spielregeln. Da geht es oft darum, den maximalen Profit in einer kurzen Zeitspanne zu erzielen.“

Nun aber soll Getty Images wieder neuen Glanz bekommen. Die Schulden hat Getty bereits auf 1,8 Milliarden Dollar gedrückt, aus dem in der Branche üppigen Cashflow sollen sie weiter reduziert werden. „Nun haben wir wieder Spielräume“, sagt Getty. Er wolle mindestens so schnell wachsen wie Shutterstock, das im prozentual hohen einstelligen Prozentbereich zulegt, die Umsatzmilliarde dürfte damit mittelfristig in Sicht sein.

Einfach wird die Aufgabe nicht. „Der Bildmarkt ist extrem hart umkämpft“, sagte Stefan Ploghaus, beim Bundesverband professioneller Bildanbieter und Geschäftsführer bei Mauritius Images. Die Geschäfte sind nicht besser geworden. Er gehe davon aus, dass viele Agenturen Umsatzverluste mit Mehrverkäufen zu günstigeren Honoraren kompensieren.

Dies treffe sowohl auf nationale Bildagenturen als auch auf die drei großen globalen Anbieter Adobe Stock, Getty Images und Shutterstock zu. Auch die kostenlosen Anbieter trügen zum Preisverfall bei. Für Bildsuchende seien diese auf den ersten Blick attraktiv. Doch wüssten heute viele, dass „durch den Rattenschwanz an Rechteklärung und Lizenzierungsunsicherheit diese Angebote auch ein unkalkulierbares Kostenrisiko in sich bergen“.

Getty will den neuen Anlauf im umkämpften Markt wagen – und er hat ja auch nicht nur ein rein finanzielles Motiv. Nein, Geld mache nicht glücklich, sagt Getty, der ein leidenschaftlicher Leser ist und gern in den Dolomiten klettert. Das Jetset-Leben früherer Gettys war seine Sache nie. Geld sei etwas Unpersönliches, so wie dieses Hustenbonbon, das er vor sich liegen hat.

Getty lebt in Rom, er ist unentwegt auf Reisen und hat sich im regnerischen München eine Erkältung geholt. Er habe auch ein Boot und nutze manchen Luxus. Doch habe er früh gelernt, dass man selbst etwas unternehmen müsse. Es seien die persönlichen Themen, die glücklich machen, die Kinder natürlich zuallererst. Aber auch ein Purpose bei der Arbeit. Davon sprechen ja auch viele Manager und Unternehmen gerade, dass es wichtig sei, dass eine Firma einen gesellschaftlichen Zweck habe.

Und da hat Getty mit Getty Images noch viel vor. Die weltgrößte Bilddatenbank will er weiter ausbauen. Dabei seien auch weitere Übernahmen nicht ausgeschlossen, schließlich sei die Firma mit Akquisitionen groß geworden. Den moralischen Kompass, der ihm wichtig ist, will er dabei nicht verlieren. Pornografie und Paparazzi-Fotos zum Beispiel lehnte er früh ab.

Zuletzt sorgte Getty Images mit einer Initiative für „ehrliche“ Stockfotos für Aufsehen. Klischeehafte Rollenbilder sollen auf den Symbolfotos nicht mehr verbreitet werden. Getty Images will als weltweit erste Bildagentur keine Bilder mehr von Models in die Datenbank nehmen, deren Körperform retuschiert wurde, um sie schlanker oder fülliger erscheinen zu lassen.

Gates verkaufte seine Agentur

In der Branche ist Getty Images inzwischen eines der ältesten Unternehmen. Dafür könne man sich nichts kaufen, sagt Getty. Für die Plakette an der Wand, vor wie viel Dekaden eine Firma gegründet worden sei, interessiere sich heute niemand mehr. „Eher ist interessant, wie viele Monate es her ist.“ Mit zahlreichen Start-ups also muss Getty Images konkurrieren. „Dein Geschäftsmodell ist immer unter Druck. Du musst dich ständig ändern“, sagt der Gründer.

Aktuell sind es vor allem viele Portale, die kostenlose Fotos anbieten. Mit denen muss Getty Images konkurrieren, um als Partner bei den Premium-Angeboten zum Zug zu kommen. Zudem will Getty den Videobereich, der derzeit 100 Millionen Dollar groß ist und aus etwa 8,5 Millionen Videoclips besteht, ausbauen. Der wachse derzeit überproportional.

Der alte Konkurrent Bill Gates hat seine Agentur Corbis vor einigen Jahren an Visual China verkauft. Getty Images profitierte von dem Deal: Die Chinesen vertreiben die Bildrechte von Getty in China, im Rest der Welt ist es umgekehrt. Die Partnerschaft funktioniere gut. Die chinesischen Behörden kontrollierten sicher, welche Bilder Medien in China verwenden dürften, doch das sei ein Thema für die Kunden.

Vom chinesisch-amerikanischen Handelskonflikt sei Getty Images als Unternehmen nicht betroffen. Privat habe er seine eigene Meinung, und die, lässt er durchblicken, ist durchaus radikal konträr zum Abschottungskurs von US-Präsident Donald Trump.

Nun ist Getty Images also wieder im Besitz der Familie, und Mark Getty kann sich vorstellen, dass es so bleibt. Wenn die Kinder einmal in die Firma einsteigen wollten, müssten sie aber unten anfangen. So wie der Vater, der einst neun Monate auf einer Ölplattform arbeitete, ohne seinem Arbeitgeber zu sagen, wer er wirklich ist.

Mehr: Wer in Magazinen blättert, im Netz surft oder den Fernseher einschaltet, sieht vieles – allerdings nicht immer auch die Realität. Getty Images will sie nun abbilden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass die Schwester von Getty an Aids gestorben sei. Dies ist falsch.

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