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Bildungskonzern Kroton Der Brasilianer Rodrigo Galindo leitet den größten Bildungskonzern der Welt

Rodrigo Galindo hat aus einer Provinzuni den größten Bildungskonzern der Welt geformt: Kroton. Er profitierte vom schlechten Schulsystem in Brasilien.
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Der 42-Jährige hat Kroton zum größten börsennotierten Bildungskonzern der Welt gemacht. Quelle: Gabriel Rinaldi/Redux/laif
Rodrigo Galindo

Der 42-Jährige hat Kroton zum größten börsennotierten Bildungskonzern der Welt gemacht.

(Foto: Gabriel Rinaldi/Redux/laif)

SalvadorSeine erste Erfahrung als Unternehmer machte Rodrigo Galindo mit 13 im Kopiershop an der Uni seines Vaters. Das war in Cuiabá, einer Millionenstadt tief im Landesinnern Brasiliens. Sein Vater war dort Vizerektor, die Mutter Lehrerin. Seine erste eigene Universität zog der 20-jährige Galindo dann, selbst noch Student, in der Amazonasstadt Macapá hoch. Die Stadt in der Amazonasmündung ist nur per Schiff oder Flugzeug zu erreichen. Rondônia, Acre, Mato Grosso heißen die Bundesstaaten, in denen Galindo danach eine Uni nach der anderen aufkaufte oder ausbaute.

Die Standorte in der tiefen Provinz bildeten die Basis für den Aufstieg des Bildungsunternehmers Galindo 2011 als CEO an die Spitze von Kroton, des Universitätskonzerns. Der eloquente, stets in Anzug und weißes Hemd gekleidete Galindo hat dabei nichts Provinzielles an sich – ganz im Gegenteil: Er ist überzeugend wie ein guter Investmentbanker.

Deswegen hat der nordamerikanische Private-Equity-Fonds Advent, der die Mehrheit bei Kroton hält, Galindo bald nach dem Verkauf seines Familienkonzerns an die Spitze des neuen Unternehmens gesetzt. Seitdem prägt Galindo Kroton entscheidend.

Jetzt hat der 42-Jährige ihn zum größten börsennotierten Bildungskonzern der Welt gemacht. Vor einer Woche hat er für umgerechnet 1,8 Milliarden Dollar Somos gekauft, den zweitgrößten Schulkonzern Brasiliens. Die kombinierten Unternehmen erwirtschaften einen Umsatz von insgesamt 2,2 Milliarden Dollar. An der Börse ist das Unternehmen rund 8,5 Milliarden Dollar wert.

Bislang konzentrierte sich Galindo auf Hochschulen. Doch nachdem das Kartellamt im letzten Jahr die Fusion mit seinem größten Konkurrenten untersagte, ist Galindo nun in das Geschäft mit den Schulen eingestiegen. Mit der Übernahme macht er jetzt 28 Prozent seines Umsatzes mit Grundschülern.

In diesen Bereich wird Galindo künftig vermehrt investieren – und sich dabei nicht auf Brasilien beschränken. Der Unternehmer hat dabei einen globalen Markt im Blick mit gewaltigen Dimensionen: Die Zahl der internationalen Schulen in den aufstrebenden Gesellschaften Asiens, Nahost und Lateinamerikas hat sich seit 2010 mehr als verdreifacht: auf rund 9000 Institute, so der Marktforscher ISC Research. Statt wie 2010 knapp eine Million Schüler lernen heute fünf Millionen Kinder und Jugendliche an internationalen Schulen. Ihre Eltern zahlen insgesamt rund 50 Milliarden Dollar Schuldgeld im Jahr – zehnmal so viel wie noch vor sieben Jahren.

Der Grund für diesen Bildungsboom sind die wachsenden Einkommen in den Emerging Markets, so ICS. „Die Eltern wollen bessere Bildungsstandards für ihre Kinder.“ Das Ziel ist der Studienplatz an einer renommierten, meist westlichen Universität. „Das wird von vielen Familien als „Pass“ für globale Karrieremöglichkeiten und Wohlstand angesehen.“

Gezielte Beratung mit Big Data

Weitgehend unbemerkt von der mehrheitlich staatlichen Schullandschaft in Europa entstehen in den Emerging Markets neue globale Bildungskonzerne. Nach einer Untersuchung der brasilianischen Bank Itau BBA gehören die Schulkonzerne GEMS aus Dubai, Cognita aus Großbritannien, Inspire.ed (Australien) und Nord Education aus Hongkong zu den Unternehmen weltweit mit dem höchsten Wachstumspotenzial – neben Galindos Kroton.

Kroton ist gut darauf vorbereitet, um im weltweiten Schulsegment zu wachsen. Denn einerseits kennen Galindo und seine Mannschaft das Geschäft von der Pike auf. Galindo hat nach seinem Jurastudium noch ein Zweitstudium in Pädagogik draufgesattelt: „Damit ich mit den Lehrern auf einer Ebene reden kann.“

Zudem hat Kroton das nötige Kapital in den letzten zehn Jahren mit den Universitäten verdient. Ein hochlukratives Geschäft: Kroton erwirtschaftete im ersten Quartal dieses Jahres eine operative Rendite (Ebitda) von 46 Prozent. „Nach den Unis ist jetzt der Schulmarkt für die Bildungsunternehmer strategisch geworden“, sagt Ademar Batista Pereira vom Verband der Privatschulen Brasiliens. Nach Schätzungen von Kroton ist der Umsatz auf dem gesamten Schulmarkt Brasiliens rund zweimal so groß wie im Hochschulbereich.

Insgesamt geht es dabei um viel mehr als Schulen. Das private, außerakademische Bildungsgeschäft besteht aus mehreren Segmenten: Es gibt neben den Privatschulen auch Institute, die ausschließlich Intensivkurse anbieten, um Schüler auf die landesweite Abitur-Prüfung oder spezieller Fakultäten von Unis vorzubereiten. Daneben gibt es Sprachschulen und Fernuniversitäten. Auch Schulbuchverlage, Entwickler von digitalem Lehrmaterial und Daten-Verarbeiter sind zu wichtigen Akteuren im Bildungsgeschäft geworden – mit bisher schwer einschätzbaren Synergien und Potenzialen.

Mit Big Data etwa können die Schüler künftig gezielt beraten werden, welches Material sie effizienter zum Lernen benutzen sollen. „Bisher schließt nur rund die Hälfte der Schüler Brasiliens mit mittlerer Reife ab“, erklärt Galindo die Herausforderung. „Nur 14 von 100 schaffen es auf die Uni und nur sieben machen dort einen Abschluss.“ Galindo erwartet einen technologischen Quantensprung beim Fernunterricht übers Internet: Mit der derzeitigen Technologie käme man nicht weit. „Bei den Fernunis stehen wir vor einer Revolution wie beim Musikmarkt vor zwei Jahrzehnten.“

Akademiker für den Arbeitsmarkt ausbilden – nicht für die Forschung

Es scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch, dass Schulkonzerne ausgerechnet von Brasilien aus zu globalen Größen ihrer Branchen aufsteigen wollen. Denn Brasilien schneidet bei den PISA-Studien der OECD regelmäßig katastrophal ab. In Mathematik und Lesefähigkeit zählen die brasilianischen Schüler zu den schlechtesten unter den Industrie- und Schwellenländern.

Vermutlich ist das aber gerade der Grund, warum sich brasilianische Unternehmer schon früh auf Privatschulen konzentriert haben: Die Nachfrage wächst angesichts des schlechten öffentlichen Schulsystems. Das gilt für viele Emerging Markets, so ISC Research. Eltern in diesen Ländern erkennen, dass ihre Kinder, um einen der ersehnten Plätze an den begehrten Unis zu bekommen, mehr brauchen als nur gute Noten nationaler Schulen.

Galindo sieht sein Ziel nicht darin, Akademiker für die Forschung auszubilden. „Private Unis sind dazu da, den Markt mit Arbeitskräften zu versorgen, die perfekt auf die Nachfrage der Unternehmen zugeschnitten sind“, sagt er nüchtern. „Schließlich investiert man in Bildung, um danach besser zu verdienen.“ Das dürften viele Eltern in den aufstrebenden Staaten weltweit auch so sehen.

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