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Frank Thelen

Der Investor aus der „Höhle der Löwen“ legt seine Autobiografie vor.

(Foto: Stefan Finger/laif)

Biografie des DHDL-Investors Frank Thelens Weg vom Schulversager zu Deutschlands bekanntestem Tech-Investor

Der Juror aus „Die Höhle der Löwen“ war mal fast insolvent und verkaufte erfolgreiche Firmen zu früh. Jetzt erzählt er von seinen Erfolgen und Pleiten.
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DüsseldorfGestürzt ist Frank Thelen schon lange nicht mehr. Kürzlich war der 42-Jährige mal wieder auf der Halfpipe, die nur ein paar Hundert Meter von den Büros seiner Investmentfirma Freigeist liegt. Aber nur um für die Kameras ein bisschen über den Beton zu rollen und einen dieser großen Schecks zu überreichen, 10.000 Euro für den Verein, der den neuen Skatepark im Bonner Stadtteil Beuel gebaut hat.

Ein paar Wochen später liegen die Skateboards in der Ecke seines Büros, auf dem Schrank darüber steht ein Schwarz-Weiß-Bild von Steve Jobs, der in Denkerpose über die opulente Dachterrasse in Richtung Rhein blickt. „Mein Zeitplan ist dazu zu eng getaktet“, sagt Thelen entschuldigend. „Ich belüge mich selber. Jedes Jahr an Silvester sage ich mit meiner Frau: Nächstes Jahr wird es ruhiger.“

Ist natürlich Blödsinn, nix wird ruhiger bei Thelen: Die Start-up-Show „Die Höhle der Löwen“ (DHDL), in der „der Frank“ seit der ersten Folge Juror ist, geht Anfang September in die fünfte Staffel. Und Thelen, der Techie, halst sich weit mehr auf als ein paar Drehtage: Für die Nahrungsmittel-Start-ups wie Little Lunch oder Ankerkraut, in die er in DHDL investiert hat, fuchste er sich in die Eigenheiten des Einzelhandels, um ihre Instant-Suppen und Kräutermischungen bei Rewe unterzubringen.

In der neuen Staffel, erzählt er, habe er sich nun an einem Beauty-Start-up beteiligt, „aber nichts, was bei Edeka im Regal steht.“ Klingt, als käme noch mehr Arbeit auf ihn zu.

Thelen nutzt jede Bühne, um sich, seine Ideen und seine Start-ups zu promoten. Thelen gibt Interviews über die Zukunft des Einzelhandels, über Bitcoin, über Skateboarding. Thelen auf allen Kanälen. „Du bist wie Micaela Schäfer“, giftete ihn Lieferando-Mitgründer Christoph Gerber neulich auf Facebook an. „Suchst Aufmerksamkeit, sagst zu jedem Thema eine Meinung, lässt dich als Werbegesicht buchen, man kann Meet and Greets mit dir gewinnen.“ Frank, der Engagierte? Oder Frank, der Affektierte?

Eben ist er ins Büro gestürmt, das übliche Lacoste-Poloshirt, heute in blau, Einkaufstaschen am Arm, Handy am Ohr. Die Assistentin bringt eine Club Mate. Kaum sitzt Thelen, steht er schon wieder. Ein kurzer Rückruf noch bei seiner Frau Nathalie, mit der zusammen er gerade ein Interview gegeben hat – über seine Autobiografie „Startup-DNA“, die er jetzt veröffentlicht.

Thelen schreibt über Fehler und Versäumnisse

Auf knapp 300 Seiten schildert Thelen darin, wie er vom Schulversager zu Deutschlands bekanntestem Tech-Investor aufstieg. Der Vater Vertriebler, die Mutter Hausfrau, der Sohn schreibt Fünfen und landet auf der Klassenfahrt mit den übergewichtigen Losern auf dem Zimmer. Vieles davon hat Thelen hier und da schon erzählt.

Doch es liest sich gut, weil der „Löwe“ seine Lebensgeschichte nicht zum schnurgeraden Aufsteiger-Epos zusammenspinnt: Er erzählt, wie unsicher er war, als er seine Nathalie kennenlernt und noch einmal als er ihr nach acht Monaten Beziehung einen Heiratsantrag macht.

Er schreibt viel über Fehler und Versäumnisse: Bis heute sei er kaum allgemeingebildet, verstehe wenig von Mathe und Physik. „Ich komme von der Straße. Ich habe immer noch das Gefühl, einen Rückstand aufholen zu müssen“, sagt Thelen.

Zwei Sachen kann der Teenager aus Bad Godesberg aber: skaten und programmieren. Das Skateboard zu kontrollieren lernt er auf den Stufen eines Marmorbrunnens im Diplomaten-Stadtteil der alten Hauptstadt – was weder den Stufen noch seinen Knien guttat.

„Skateboarding lernt man, indem man sich öfter böse zerlegt, als einem lieb ist“, räsoniert Thelen im Buch. „Entweder man lässt es sein, dann wird man kein Skateboarder. Oder man beißt die Zähne zusammen, weil der Wille, es zu lernen, größer ist als die Angst, sich etwas zu brechen.“

Wohl auch deshalb ist Thelen in der „Höhle der Löwen“ oft der Erste, dem die Gesichtszüge entgleiten, wenn er einen Kandidaten überheblich findet. „So eine unfassbare Dummheit trifft mich ins Mark“, schreibt er über eine DHDL-Kandidatin, die nach ihrer Gründung weniger arbeiten wollte als bisher, nennt ihren Auftritt „rücksichtslos und ignorant“. Richtig auf die Schnauze gefallen zu sein, tue einem Gründer gut, ist Thelen überzeugt. „Du lernst im Schmerz“, zitiert er den Jesuiten Anthony de Mello heute.

Seinen bösesten Sturz erlebt er im Jahr 2000: Da steht Twisd, sein drittes Unternehmen, kurz vor dem Börsengang. Für Twisds Boxen, die lokale Netzwerke ans Internet anbinden, geben Investoren im ersten Internetboom massig Risikokapital, der 24-Jährige Thelen fährt 3er BMW und wähnt sich schon als Millionär.

Um die letzte Phase vor dem Börsengang zu überbrücken, leihen sich Thelen und seine Mitgründer knapp zwei Millionen Mark und lassen sich in eine persönliche Bürgschaft quatschen. Dann implodiert der Neue Markt, Twisd schlittert in die Insolvenz und Thelen mit. Plötzlich muss er eine Million Euro samt acht Prozent Zinsen pro Jahr zurückzahlen. Der Mittzwanziger ist pleite, hat kein Studium, keinen Job, keine Freundin.

Die Gründerstimmung ist positiv geworden

Seine Mutter erleidet einen Nervenzusammenbruch, der Sohn bekommt stoßweise Nasenbluten und Hautausschlag und verkriecht sich sechs Wochen lang in seinem Kinderzimmer. „Mein Trigger, da rauszukommen, war wieder Technologie“, sagt Thelen heute, „es gab eine neue Software und ich hab wieder angefangen zu bauen.“

Plötzlich habe sich da wieder ein „Reality Distortion Field“ um ihn herum aufgebaut, sagt Thelen, jene Fähigkeit zur Selbst- und Fremd-Suggestion, die jener Apple-Gründer perfektioniert hatte, der nun von der Bürowand in seine Richtung blickt. Die Privatinsolvenz verhindert er durch einen Deal mit der Bank: Zehn Jahre lang zahlt er 500 Euro im Monat ab, danach ist er schuldenfrei. „Ich wollte, dass mich die monatliche Überweisung an diese schwere Zeit in meinem Leben erinnert“, schreibt er.

Es gibt diese zwei Frank Thelens, den Fernsehinvestor und den Tech-Finanzier. Dass der eine heute die große Rampe nutzt, die sich ihm bieten, nehmen ihm auf der kleinen manche übel. „Als ich das erste Start-up gegründet habe, haben mich alle gefragt: Hast du keinen Job bekommen?“ Heute gebe es eine positive Grundstimmung gegenüber Start-ups in Deutschland. „Das liegt auch an der Höhle der Löwen“, verteidigt sich Thelen. Dass die Gründershow von Jette Joop abgesetzt wurde, finde er deshalb schade. „Ich habe die Show selber aber auch nie gesehen. Ich habe gehört, die Qualität war schlecht.“

Er selbst fällt heute nur noch selten hart: Seinen Digitalfoto-Dienstleister ipLabs entwickelt er zum Weltmarktführer in einer Zukunftsbranche und verkauft ihn 2008 angeblich für einen zweistelligen Millionenbetrag an den japanischen Konzern Fujifilm, auch wenn er während der Verhandlungen vor einem schlafenden CEO referieren und beim Dinner beinahe Walsperma trinken muss.

Er investiert in MyTaxi, das Daimler übernimmt. 6Wunderkinder, Erfinder der To-Do-App Wunderlist, geht für einen dreistelligen Millionenbetrag an Microsoft. Und bei Lilium, das in der Nähe von München fliegende Elektroautos baut, war er schon dabei, lange bevor der chinesischen Tech-Giganten Tencent und andere Großinvestoren mit rund 100 Millionen Euro einstiegen.

Doch selbst seine vergangenen Erfolge schmerzen manchmal: Seit SAP sei kein Technologie-Unternehmen von Weltgeltung mehr in Deutschland entstanden, klagt er im Buch und ist ein bisschen auch selbst schuld – schließlich verkaufte er auch seine Erfolgsgeschichten ziemlich früh an ausländische Konzerne: „Wir waren als Gründer wohl noch nicht gut genug, die Kapitalgeber waren nicht mutig genug“, sagt Thelen heute. „Ich hätte heute gerne ipLabs oder Wunderlist als eigenständiges, großes Unternehmen hier. Das war auch mein Fehler.“

Es fehle an visionärem Kapital

Es fehle an vielem in Deutschland, um im Technologiebereich zu den USA und China aufzuschließen, gerade an visionärem Kapital. Oliver Samwer, der mit Rocket Internet auf Milliarden sitzt, sei „kein Deep-Tech-Guy“.

Als Thelen für Lilium weitere Investoren suchte, habe er in Deutschland keine anderen Geldgeber gefunden. „Ich habe alle angerufen, die ich kannte. Die haben alle gesagt, das mache ich nicht, das ist verrückt.“ Am Ende beteiligte sich Niklas Zennström, Skype-Gründer und Chef des VC-Fonds Atomico – ein Schwede.

Bei Lilium will Thelen aus seinen alten Fehlern nun lernen, seinen Trick perfektionieren.

Und was, wenn, sagen wir, Uber oder Toyota Lilium nun für zehn Milliarden Euro kaufen wollten? „Ich bin nur Investor und Board Member, aber ich persönlich würde dieses Angebot ablehnen. Wir haben die richtigen Investoren an Bord, wir haben herausragende Gründer. Das kann der nächste Weltmarktführer aus Deutschland werden.“

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