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Brandbrief wegen Corona Trachtenfirmen appellieren an Söder: „Retten Sie die Branche“

Das Geschäft mit Lederhosen und Dirndl ist ohne Volksfeste dramatisch eingebrochen. Modelabels und Trachtenhändler hoffen auf weitere Hilfen.
08.12.2020 - 14:44 Uhr Kommentieren
Die Branche hofft, dass die Trachtenrenaissance durch die Krise nicht beendet wird. Quelle: dpa
Trachtenmode von Angermaier

Die Branche hofft, dass die Trachtenrenaissance durch die Krise nicht beendet wird.

(Foto: dpa)

München Seit 1948 gibt es Trachten Angermaier. Wer eine Lederhose oder ein Dirndl fürs Oktoberfest braucht, geht oft zum größten Trachtenhändler Münchens. Filialen gibt es in Berlin, Stuttgart und Ulm. Doch ein Jahr wie dieses hat Axel Munz noch nicht erlebt. „Die Geschäfte gehen katastrophal. Der Umsatzrückgang beläuft sich auf etwa 80 Prozent“, sagte der Angermaier-Chef dem Handelsblatt.

Die Trachtenbranche ist von Corona ganz besonders betroffen. Gerade in Bayern wird ein Großteil des Geschäfts rund um die Wiesn gemacht – die in diesem Jahr gestrichen wurde. Zudem wurden Geburtstagsfeiern und Hochzeiten abgesagt, für die oft ein neues Dirndl oder eine Lederhose gekauft werden.

„Die Trachtenbranche ist mehr als andere Branchen von solchen Anlässen abhängig“, sagt Angermaier-Chef Munz. Tracht sei ein Ausdruck eines Lebensgefühls. „Aber wo soll die Lebensfreude und die Lust auf Tracht herkommen, wenn Volksfeste, Hochzeiten und alle Veranstaltungen komplett ausfallen?“

In einem Brandbrief an Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger schlagen die Unternehmen jetzt Alarm. „Retten Sie eine Branche, die nicht nur Bekleidung herstellt und verkauft, sondern die Tradition erhält, die Zusammengehörigkeit erzeugt in den Städten und in den kleinen Gemeinden und Vereinen, die für ein modernes bayerisches Bild in der Welt sorgt“, heißt es in dem Schreiben, das weit mehr als 100 Labels und Trachtenhäuser unterzeichnet haben.

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    Die Umsätze von Trachtenmode-Firmen und -Händlern seien um bis zu 90 Prozent eingebrochen, heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt. Die Ware für diesen Winter sei schon im Februar geordert worden, als das Ausmaß der Pandemie noch nicht absehbar war. Nun quellen die Lager über. Doch auch das wichtige Weihnachtsgeschäft dürfte in diesem Jahr weitgehend ausfallen.

    „Aber wo soll die Lebensfreude und die Lust auf Tracht herkommen, wenn Volksfeste, Hochzeiten und alle Veranstaltungen komplett ausfallen?“ Quelle: Angermaier
    Angermaier-Chef Axel Munz

    „Aber wo soll die Lebensfreude und die Lust auf Tracht herkommen, wenn Volksfeste, Hochzeiten und alle Veranstaltungen komplett ausfallen?“

    (Foto: Angermaier )

    Tracht hat in den letzten ein, zwei Jahrzehnten einen nachhaltigen Boom erlebt. Auf der Wiesn sind Dirndl und Lederhose auch für junge Leute wieder Pflicht. Bei Angermaier hat Influencerin Cathy Hummels eine eigene Kollektion, die Kundschaft, von der Angermaier berichtet, reicht von Dirk Nowitzki bis Snoop Dogg.

    Doch durch Corona brachen die Umsätze ein. Der Branchenverband BTE bezifferte die Einbußen des stationären Modefachhandels im Frühjahr und Sommer auf fünf Milliarden Euro oder ein Drittel der Erlöse. Bei den meisten Trachtenhändlern fiel das Minus noch größer aus.

    Tracht ist wieder cool geworden

    „Bereits zum jetzigen Zeitpunkt haben etliche Trachtenfirmen aufgegeben, aber kritisch wird es im neuen Jahr, wenn irgendwann die Reserven aufgebraucht sind“, sagt Angermaier-Chef Munz. Sein Wunsch an die Politik sei es, die Überbrückungshilfen im neuen Jahr fortzusetzen. Da die Hilfen nicht unbegrenzt fortgeführt werden könnten, sollten zudem andere Maßnahmen wie etwa die Erweiterung der Verlustrücktragsmöglichkeiten beschlossen werden.

    In dem Brief an die Staatsregierung heißt es, die bisherigen Überbrückungshilfen reichten nicht aus, um ein großflächiges Ladensterben und eine Riesen-Insolvenzwelle zu verhindern. „Unser Anliegen ist daher ein anteiliger Ausgleich der Umsatzverluste durch den (Teil-)Lockdown vergleichbar mit der Unterstützung der Hotel- und Gastronomiebranche.“

    Verfasst haben das Schreiben Sonja und Stefanie Ragaller. Die Schwestern haben den Versandhändler Almliebe gegründet. Die Umsätze waren in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf einen einstelligen Millionenbetrag gestiegen – bis die Erlöse im Coronajahr einbrachen.

    Das bayerische Wirtschaftsministerium betonte auf Anfrage, Geschäfte aller Art seien bisher nicht vom Lockdown betroffen. „Trachtenläden dürfen öffnen und ihre Ware verkaufen.“ Die außerordentlichen Wirtschaftshilfen seien vom Bund aber so definiert, dass sie nur Unternehmen stützen, die überhaupt keine Einkommen mehr hätten. Für die Trachtenbranche kämen deswegen vor allem Überbrückungshilfen in Betracht.

    Sonja (links) und Stefanie Ragaller waren mit ihrem Trachtenversender lange sehr erfolgreich unterwegs – dann kam Corona. Quelle: Ecollections
    Almliebe-Gründerinnen

    Sonja (links) und Stefanie Ragaller waren mit ihrem Trachtenversender lange sehr erfolgreich unterwegs – dann kam Corona.

    (Foto: Ecollections)

    Die Branche hofft, dass die Trachtenrenaissance durch die Krise nicht beendet wird. Als sie jung gewesen seien, seien die jungen Leute 1985 in Niederbayern in Jeans und Sweatshirt zum Karpfhamer Volksfest gekommen, schreiben die Ragaller-Schwestern in ihrem Brief an die Staatsregierung.

    Erst in den Jahren danach sei Tracht wieder cool geworden, auch dank einer lebendigen Kulturszene in Bayern mit Bands wie LaBrassBanda und Filmemachern wie Marcus Rosenmüller. Die Modebranche folgte mit jungen Labels wie Gottseidank, Amsel und Luis Trenker. Es müsse verhindert werden, dass man wegen Corona wieder in die alten Zeiten zurückfalle.

    Mehr: Fair Fashion statt Wiesndirndl: Die Almliebe-Gründerin schafft sich ein zweites Standbein

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