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Buchverlag Neue Ravensburger-Chefin: Anuschka Albertz ist jetzt „Mrs. Buch und Tiptoi“

Anuschka Albertz scheut weder ungewohnte Inhalte noch moderne Elektronik. Mit unkonventionellen Produkten machte die Historikerin Karriere.
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Erstmals ist die 46-Jährige in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse ganz allein für den Auftritt des renommierten Kinder- und Jugendbuchverlags verantwortlich. Quelle: PR
Anuschka Albertz

Erstmals ist die 46-Jährige in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse ganz allein für den Auftritt des renommierten Kinder- und Jugendbuchverlags verantwortlich.

(Foto: PR)

Ravensburg Abschied, Tod und Trauer“. Der neueste Titel aus der Reihe „Wieso? Weshalb? Warum?“ fällt sofort auf im Regal von Anuschka Albertz. Schließlich geht es in der bunt bebilderten Sachbuchserie für Kinder sonst vorzugsweise um Dinosaurier, die Feuerwehr oder den Bauernhof.

„Das ist ein sehr mutiges Buch“, gesteht die neue Chefin des Ravensburger Buchverlags. Mit ihren Mitarbeitern habe sie lange darüber diskutiert. Dass sie sich letztlich dafür entschied, dürfte in dem schwäbischen Familienunternehmen freilich niemanden überrascht haben.

Die 46-Jährige war schon immer bereit, Neues auszuprobieren. Das hat sich für Albertz ausgezahlt. Erstmals ist sie in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse ganz allein für den Auftritt des renommierten Kinder- und Jugendbuchverlags verantwortlich.

Anfang 2016 übernahm die promovierte Historikerin bereits die inhaltliche Führung der Buchsparte von Ravensburger, des nach Carlsen zweitgrößten deutschen Kinder- und Jugendbuchverlags. Zu Jahresbeginn hat ihr Vorstandschef und Gesellschafter Clemens Maier nun auch die kaufmännische Leitung übertragen.

Sie sei jetzt die „Mrs. Buch und Tiptoi“, scherzt Albertz. Der Zusatz „Tiptoi“ ist wichtig. Das ist jenes interaktive Lernspiel, das sich in den vergangenen Jahren zu einem der größten Umsatzbringer des schwäbischen Familienunternehmens entwickelt hat. Von Anfang an hatte Albertz einen maßgeblichen Anteil am Erfolg von „Tiptoi“. Denn sie betreute die Bücher der Serie. Mit einem elektronischen Griffel können sich Kinder dabei Texte vorlesen lassen oder Geräuschen lauschen.

Berührungsängste mit Elektronik hatte sie nie. „Tiptoi war ein Glücksfall für mich“, meint Albertz. „Das war immer ein Projekt des Topmanagements. Dadurch bin ich gesehen worden.“ Nicht zuletzt deshalb gelang ihr auch der Aufstieg bis in die zweite Führungsebene des größten und bekanntesten deutschen Spieleproduzenten.

Albertz besaß in den vergangenen Jahren aber auch ein gutes Gespür für populäre Inhalte und die richtigen Formate. So kletterte der Umsatz der Buchsparte von Ravensburger vergangenes Jahr um knapp acht Prozent auf rund 69 Millionen Euro. Der Markt legte demgegenüber nur um gut vier Prozent zu. Kinder- und Jugendbücher stehen für gut ein Sechstel des gesamten deutschen Buchhandels.

Ravensburger sei ausgesprochen innovativ, lobt Nina Hugendubel, Chefin und Gesellschafterin der Buchhandelskette Hugendubel. Die ‧Verzahnung von Spielen und Büchern bei Ravensburger sei ideal, schließlich verkaufe Hugendubel ja schon längst beide Warengruppen.

Blick auf den Weltmarkt

Es ist kein Zufall, dass Albertz gerade jetzt die alleinige Führung des Buchverlags übernommen hat. Vorstandschef und Gesellschafter Clemens Maier baut das Familienunternehmen gerade grundlegend um.

Das geht auch einher mit frischem Personal an den entscheidenden Stellen. Den bislang streng nach Spielen und Büchern getrennten Vertrieb hat der 47-Jährige jüngst unter einem Dach gebündelt. Mit Susanne Knoche, 45, als Vertriebschefin hat Maier dabei eine weitere Schlüsselposition mit einer Frau besetzt.

Maier löste zuletzt die große Division Spiele auf. Stattdessen entstanden vier Einheiten: die traditionellen Brettspiele, Puzzles, die Bücher sowie die Sparte Spielsysteme, die aus der schwedischen Tochter Brio besteht. „Das ist ein großer kultureller Wandel, denn wir gehen an gelebte Strukturen heran“, sagte Maier vergangenen Sommer.

Der Unternehmer hofft, mit der neuen Struktur schlagkräftiger zu werden und global erfolgreich zu sein. Die Hits für Kinder sollen künftig mit Blick auf den Weltmarkt entstehen. Der radikale Wandel ist nicht selbstverständlich, denn Ravensburger ist beileibe kein Sanierungsfall.

Im Gegenteil: Der Spieleverlag wächst und ist profitabel. Der Konzernumsatz kletterte vergangenes Jahr um rund vier Prozent auf 492 Millionen Euro, der Gewinn lag bei 32 Millionen Euro, fast acht Millionen mehr als im Jahr davor.

Maier ist dennoch fest überzeugt, dass nichts so bleiben kann, wie es war. Durch einige Akquisitionen gehörten schließlich inzwischen sieben Marken in fünf Ländern zur Gruppe. Außerdem ist der Markt schwer in Bewegung. Reihenweise gingen vergangenes Jahr große Spielwarenhändler pleite. Am schlimmsten traf die Branche das Aus des US-Konzerns Toys „R“ Us.

In der Zentrale in Ravensburg sorgte der Umbau zunächst für erhebliche Unruhe, hieß es im Unternehmen. So mancher der 2 150 Mitarbeiter fürchtete um seinen Job. Betriebsbedingte Kündigungen gebe es jedoch keine, beteuerte Finanzvorstand Hanspeter Mürle.

Bestseller „Tiptoi“ und Guinnessbuch

Auch Albertz musste ihre Leute von der Restrukturierung überzeugen. Vertreter, die über Jahrzehnte nur die Buchhändler abklapperten, müssen nun auch Spielegeschäfte besuchen – und umgekehrt. „Da ist Potenzial auf beiden Seiten“, verteidigt die verheiratete Mutter von zwei Kindern den neuen Kurs.

Ihren Bestseller „Tiptoi“ hat die Managerin über die Jahre hinweg stetig ausgebaut, inzwischen können Kinder mit dem System auch aufnehmen. In dieser Woche in Frankfurt allerdings steht das klassische Buch im Mittelpunkt. An den Publikumstagen am Wochenende lädt Albertz auf ihrem Messestand zu einem Dutzend Lesungen und Signierstunden, es treten Autorinnen wie Bianca Iosivoni oder Jennifer Benkau auf.

Und dann ist da noch Marcel Gurk. Der 22-Jährige hat sich bislang zwar nicht als Schreiber hervorgetan. Er kann aber mit dem Fußball jonglieren wie wenige andere. Am Sonntag wird der Sportler auf der Messe einen Weltrekordversuch im Freestyle starten – denn auch das gehört inzwischen zu Albertz’ Bereich: das „Guinnessbuch der Rekorde“. Vergangenes Jahr übernahm sie die Lizenz für das jährlich neu aufgelegte Werk, Gurk ist in der gerade veröffentlichten Ausgabe 2020 prominent vertreten.

Literarisch wertvoll ist das Buch gewiss nicht, aber es lohnt sich für Ravensburger. Und Albertz sieht darin sogar einen pädagogischen Sinn: „Es ist schön, dass wir das im Portfolio haben. Es gibt uns die Möglichkeit, Jungs fürs Lesen zu begeistern.“ Das kann Gurk nur bestätigen: „Als kleiner Junge habe ich schon in den Büchern geblättert. Ich war einfach fasziniert von der Vielfalt, die von der Welt geboten wird.“

Mehr: Clemens Maier will Ravensburger auch global schlagkräftiger machen. In der Zentrale sorgt das für erhebliche Unruhe.

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