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Bundestagswahl Warnung vor „Schockstarre“: Start-up-Unternehmer nehmen Grüne und FDP in die Pflicht

Digitalisierung, Klima, Bildung: Die Baustellen sind gewaltig, finden Deutschlands Gründer – und fordern eine schnelle Regierungsbildung. Welche Favoriten sie haben und warum.
27.09.2021 - 15:33 Uhr 1 Kommentar
Die Start-up-Unternehmer hoffen nach der Bundestagswahl auf eine schnelle Regierungsbildung.
Gründer (v.l.) Katharina Kreitz, Manuel Müller und Tao Tao

Die Start-up-Unternehmer hoffen nach der Bundestagswahl auf eine schnelle Regierungsbildung.

Düsseldorf Die SPD hat die Bundestagswahl gewonnen, doch auch die Union will regieren. Es läuft auf ein Dreierbündnis hinaus. Die Koalitionsverhandlungen werden sich über Wochen hinziehen. Die Kanzlerkandidaten Olaf Scholz und Armin Laschet wollen bis Weihnachten Klarheit schaffen. Die Zeit aber hat Deutschland nicht, warnt die Start-up-Szene.

Katharina Kreitz, Mitgründerin des Messsonden-Spezialisten Vectoflow, hofft, dass die einzelnen Vorhaben der Parteien bei einer Ampel- oder Jamaika-Koalition „des Konsens wegen nicht untergehen und wir nicht in der Schockstarre der letzten Jahre verweilen“. Christian Miele, Präsident des Bundesverbands Deutsche Start-ups und Investor, fordert: „Wir brauchen schnell eine neue Bundesregierung.“

Wie die aussehen soll, weiß Manuel Müller schon genau. „Wichtig ist, dass eine Regierung nicht mehr von der CDU geführt wird und uns eine erneute große Koalition erspart bleibt“, sagt der Gründer und Geschäftsführer des Matratzen-Start-ups Emma.

Müller Favorit ist eine Ampelkoalition: „Die SPD unter Olaf Scholz erhoffe ich mir als stabilen Eckpfeiler. Grüne Themen sind in unserer Welt unverzichtbar: Wir müssen hin zu mehr Klimaschutz und langfristig zu Klimaneutralität. Die FDP wäre ein gutes Gegengewicht zu Rot und Grün.“

So könne man sehen, ob die FDP tatsächlich liefere und versprochene Themen wie Digitalisierung, die Förderung junger Unternehmen und Entbürokratisierung wirklich vorantreibe – „oder ob das nur leere Worthülsen sind“.

„Verbote helfen nicht“

Der deutsche Gründer Max Bittner schaut auf den Wahlausgang von Paris aus, wo er Vestiaire Collective leitet, eine Plattform für Luxus-Secondhand-Mode. Er hatte schon vor Wochen per Briefwahl die Grünen gewählt und freut sich, dass die Partei trotz Einbußen im Vergleich zu den Umfrageergebnissen drittstärkste Kraft geworden ist.

„Die kommende Regierung wird gezwungen, die bisherige verantwortungslose Politik zu ändern und den Klimawandel zu stoppen“, sagt Bittner. Er blickt zuversichtlich auf die Verhandlungen zwischen Grünen und Liberalen. „Die Grünen werden verstehen, eher die Karotte denn die Peitsche herauszuholen. Es hilft, Innovationen zu unterstützen. Verbote nicht.“

„In den Fokus gehören die Themen Talente, Kapital und fairer Wettbewerb“, sagt der Investor und Präsident des Bundesverbands Deutsche Start-ups. Quelle: Dominik Butzmann für Handelsblatt
Christian Miele

„In den Fokus gehören die Themen Talente, Kapital und fairer Wettbewerb“, sagt der Investor und Präsident des Bundesverbands Deutsche Start-ups.

(Foto: Dominik Butzmann für Handelsblatt)

Ob ein Bündnis aus SPD, Grünen und FDP oder CDU/CSU, Grünen und FDP, ob mit einem Kanzler Scholz oder Laschet: Die Start-up-Szene hat klare Vorstellungen, was  die künftige Regierung anpacken muss – und zwar nicht erst im neuen Jahr. Schon nach den TV-Triellen hatte die Branche kritisiert, dass zu wenig über Zukunftsthemen diskutiert wurde.

Die Baustellen mit Blick auf Start-ups und Digitalisierung seien gewaltig, sagt Verbandschef Miele. Die neue Regierung sei gut beraten, schnell eine umfassende „Start-up-Strategie“ auf den Weg zu bringen, so der Unternehmer. „In den Fokus gehören die Themen Talente, Kapital und fairer Wettbewerb.“

Deutschlands Anspruch müsse es sein, für die besten Köpfe der Welt attraktiv zu sein, findet Tao Tao, COO der Reise-Plattform Getyourguide. „Das schaffen wir nur, wenn wir bei Lohnkosten und Mitarbeiterbeteiligung im internationalen Vergleich wettbewerbsfähiger werden.“

„Steuersonderzonen für Start-ups“

Viele Start-ups fürchten zudem die Steuerpläne von SPD und Grünen. „Wir müssen junge Menschen ermutigen, den nächsten Impfstoff oder die nächste Klimatechnologie am Standort Deutschland zu entwickeln“, sagt Tao Tao. „Dafür müssen wir Gründen in Deutschland steuerlich attraktiv halten.“

Deutschland habe bereits einen hohen Steuersatz. Wenn dieser weiter erhöht würde, könnten hochqualifizierte Kräfte und Unternehmen abwandern, fürchtet Kreitz von Vectoflow. „Steuersonderzonen für Start-ups würden die Gründung und das Fußfassen deutlich erleichtern“, sagt sie.

Zudem sollte die Digitalisierung endlich Priorität werden, fordert Tao Tao. Dafür brauche es ein Digitalministerium, um sicherzustellen, „dass die Rahmenbedingungen für mehr Innovation geschaffen werden“. Dabei spielen laut Gesche Joost, Professorin für Designforschung an der Universität der Künste Berlin und Unternehmerin, Daten eine wichtige Rolle.

Die Professorin fordert: „Jedes Kind sollte in der Schule mit einem digitalen Endgerät ausgestattet werden.“ Quelle: imago/photothek
Gesche Joost

Die Professorin fordert: „Jedes Kind sollte in der Schule mit einem digitalen Endgerät ausgestattet werden.

(Foto: imago/photothek)

„Der Zugang zu Daten ist für innovative Geschäftsmodelle zentral, daher sollten die Möglichkeiten der Nutzung nicht personenbezogener Daten ausgebaut werden“, so Joost. Die Verwertung von Forschungsergebnissen, deren Transfer in die Wirtschaft und die Ausgründung von Start-ups seien Schwachpunkte in der Innovationspolitik. Ein „Weiter-so“ werde sicher nicht reichen, „um Deutschlands Rolle als innovativer Technologiestandort auszubauen“, findet Julia Bösch, Chefin der Shopping-Plattform Outfittery.

SAP-Aufsichtsrätin Joost plädiert auch dafür, Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu verbinden. „Digitalisierung sollte zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele eingesetzt werden, und umgekehrt brauchen wir eine sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Digitalstrategie.“

Das Zwei-Grad-Ziel müsse zur Chefsache werden und bedeute einschneidende Veränderungen für alle Akteure – „in der Wirtschaft, Mobilität, in unserem Alltag“. Maßnahmen gegen den Klimawandel dürften aber nicht zu einer Frage des Sich-leisten-Könnens werden. 

In Sachen Nachhaltigkeit hätten sowohl die Grünen als auch die Liberalen gute Ansätze, findet Anna Alex, Gründerin des Klimatechnologie-Start-ups Planetly. Die Grünen stünden für ambitionierten Klimaschutz, die FDP für schnellere Genehmigungen entsprechender Maßnahmen. „Deshalb hoffen wir aus der Wirtschaft, dass nun eine starke marktwirtschaftliche Dynamik pro ambitionierten Klimaschutz in der neuen Regierungskoalition ausgelöst wird“, sagt Alex.

„In Zukunft zählt, ob ein Kind Digital spricht“

Auch das Thema Bildung hängen die Start-up-Vertreter hoch. „Damit uns nicht andere Länder endgültig abhängen, müssen wir in Bildung investieren“, sagte Kreitz von Vectoflow. „Digitale Bildung ist Chancensicherung“, meint Tao Tao von Getyourguide. „In Zukunft zählt nicht nur, ob ein Kind Englisch oder Französisch kann, sondern ob es Digital spricht.“

Für Digitalexpertin Joost kommt es darauf an, die „tiefe soziale Ungleichheit“ zu überbrücken, die sich in der Coronakrise offenbart hat. „Jedes Kind sollte in der Schule mit einem digitalen Endgerät ausgestattet werden, WLAN an allen Schulen muss – natürlich – Standard sein und Weiterbildung für Lehrerinnen und Lehrer in Digitalisierung verpflichtend.“

Mehr: Laschet buhlt um Jamaika – was die Union FDP und Grünen anzubieten hat

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1 Kommentar zu "Bundestagswahl: Warnung vor „Schockstarre“: Start-up-Unternehmer nehmen Grüne und FDP in die Pflicht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Eine Steuersonderzone für mich fände ich auch ganz gut.
    Anstatt sich um das Geschäft zu kümmern wird hier Geld von der Allgemeinheit eingefordert ohne bereits etwas für diese etwas geleistet zu haben. Ein wenig Risiko muss schon sein.

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