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Cäcilie Albrecht ist tot Die bescheidene Hüterin des Aldi-Erbes

Im Alter von 91 Jahren ist die Witwe des Aldi-Nord-Gründers gestorben. Bis zuletzt lenkte sie im Hintergrund die Geschicke ihres Clans.
Update: 26.11.2018 - 19:50 Uhr Kommentieren
Im Jahr 2010 legte Cäcilie Albrecht Blumen am Grab ihres Mannes nieder. Nun ist die Matriarchin der Albrecht-Familie tot. Quelle: dpa
Grab des Aldi-Gründers Theo Albrecht

Im Jahr 2010 legte Cäcilie Albrecht Blumen am Grab ihres Mannes nieder. Nun ist die Matriarchin der Albrecht-Familie tot.

(Foto: dpa)

DüsseldorfSie sah sich als die Beschützerin der Familienwerte. Bescheidenheit und Zurückhaltung waren für Cäcilie Albrecht Grundtugenden. Die Witwe des Aldi-Nord-Gründers Theo Albrecht fühlte sich dem geistigen Erbe ihres Mannes verpflichtet – und kämpfte auch dafür. Nach ihrer Vorstellung hatten die Familienmitglieder dem Unternehmen zu dienen und nicht umgekehrt.

Wie nun bekannt wurde, ist die Matriarchin der Albrecht-Familie im Alter von 91 Jahren gestorben. Sie ist bereits im engsten Kreise der Familie auf dem Friedhof in Essen-Bredeney beigesetzt worden.

Cäcilie Albrecht, von der Familie nur Cilly genannt, lebte komplett von der Öffentlichkeit zurückgezogen. Sie stammte genau wie ihr Mann aus einfachen Verhältnissen, ihr Vater war Metzger. Bevor sie Theo kennenlernte, hatte sie als Verkäuferin bei den Albrechts gearbeitet.

Ihr vor acht Jahren verstorbener Mann Theo Albrecht hatte zusammen mit seinem Bruder Karl aus dem elterlichen Lebensmittelgeschäft einen der weltgrößten Einzelhändler aufgebaut. Die Brüder gelten als Erfinder der Discountidee. Der Name Aldi ist eine Kurzform von Albrechts Diskont.

Cilly und Theo hatten zwei Söhne, den heute 68-jährigen Theo jun. und Berthold, der 2012 im Alter von nur 58 Jahren verstarb. Beide begannen direkt nach ihrer Ausbildung im Familienbetrieb. Theo jun. hat zwar heute die operative Führung an familienfremde Manager abgegeben, geht aber noch täglich ins Büro und hat bei allen wichtigen Entscheidungen das letzte Wort.

Das wohl einschneidendste Erlebnis im Leben von Cilly Albrecht war die Entführung ihres Mannes im November 1971. Genau 17 Tage lang hielten ihn die Entführer fest und gaben ihn erst nach der Zahlung von sieben Millionen Mark Lösegeld frei. Danach schottete sich das Ehepaar noch stärker von der Öffentlichkeit ab. Ein Foto von ihr gibt es nicht.

Cäcilie Albrecht wählte die Zurückhaltung

Nachdem Theo Albrecht 2010 an den Spätfolgen eines Sturzes gestorben war, hatte seine Witwe sogar kurzzeitig die Leitung des Familienunternehmens übernommen. Dann jedoch hatte sie die Geschicke von Aldi Nord in die Hände ihrer Söhne übergeben. Doch stets lenkte sie aus dem Hintergrund die Geschicke ihres Clans.

Nur einmal gab die Grande Dame der Albrecht-Dynastie ihre selbstgewählte Zurückhaltung auf. Als der Streit zwischen ihrem Sohn Theo und seiner Schwägerin Babette um die Verfügungsgewalt über das Erbe von Berthold eskalierte, bestellte sie sich einen Notar in den Familiensitz in Essen-Bredeney und diktierte ihm eine lange eidesstattliche Versicherung zur Verwendung vor Gericht.

Und dabei fand sie deutliche Worte. „Hemmungslos“ würden sich Babette und die Kinder von Berthold über den Willen ihres Vaters hinwegsetzen, schimpfte sie. Berthold habe bewusst nicht gewollt, dass seine Kinder über die Jakobus-Stiftung verfügen könnten, in die er sein Vermögen gelegt habe. Profitieren vom Vermögen dürften die Kinder, aber bitte mit Augenmaß und nicht in Form von Selbstbedienung. 

Cilly Albrecht hatte von Anfang an mit der Ehefrau ihres Sohnes Berthold gefremdelt. Sie machte auch Babette dafür verantwortlich, dass sich Berthold mit zunehmendem Alter immer weiter von der Bescheidenheit, zu der sie ihn erzogen hatte, entfernte. Er kaufte Oldtimer und teure Kunstwerke, ging mit seiner Frau auf Partys. Die Folge war ein Riss durch die Familie, der in den vor Gericht ausgetragenen Streitigkeiten um das Erbe Bertholds gipfelte – und bis zum Tod von Cilly Albrecht nicht mehr gekittet werden konnte.

Die Witwe des Aldi-Nord-Gründers war eine der reichsten Frauen Deutschlands, das Vermögen ihrer Familie wird auf rund 19 Milliarden Euro geschätzt. Doch zu vererben gibt es deutlich weniger. Denn der größte Teil des Vermögens liegt in Stiftungen. Und die sollen in erster Linie dem Unternehmen dienen, ganz wie es die Familientradition vorgibt.

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