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Capinside Geschäftsführer Philipp Schröder verlässt Sonnen und gründet eigenes Fintech

Erst gab er seinen Job als Deutschlandchef von Tesla auf, um den Solar-Batteriehersteller Sonnen nach vorn zu bringen. Nun gründet er sein eigenes Unternehmen.
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Bereits 2016 sorgte Schröder für Wirbel, als er den Posten des Tesla-Deutschlandchefs für das Oberallgäuer Start-up Sonnen aufgab. Quelle: Sonnen GmbH
Philipp Schröder

Bereits 2016 sorgte Schröder für Wirbel, als er den Posten des Tesla-Deutschlandchefs für das Oberallgäuer Start-up Sonnen aufgab.

(Foto: Sonnen GmbH)

DüsseldorfEigentlich hatte Philipp Schröder mit dem bayerischen Solar-Batteriehersteller Sonnen Großes vor: von einer Revolution der Energiewelt träumte der Geschäftsführer des Greentech-Unternehmens. Nur drei Jahre später zieht es den rastlosen Jungunternehmer schon zu seinem nächsten Projekt. Mit dem Fintech Capinside kehrt Schröder der Energiewelt den Rücken und geht nun selbst unter die Gründer in Hamburg. „Ich liebe den Branchenwechsel, das ist für mich eine Verjüngungskur“, begründet Schröder seine Entscheidung – mit 34.

Der plötzliche Abgang bei Sonnen ist nicht die erste „Verjüngungskur“, die er in den vergangenen Jahren hingelegt hat. Schon 2016, als er den Posten des Tesla-Deutschlandchefs für das Oberallgäuer Start-up aufgab, sorgte Schröder für ordentlich Wirbel.

Vom Silicon Valley ins bayerische Wildpoldsried – ein Wechsel, den kaum einer nachvollziehen konnte. Jetzt geht es vom Marktführer im Bereich Heimspeicher zu einem selbst gegründeten Fintech, das an diesem Freitag gerade einmal offiziell an den Start geht. „Wenn es bei mir klick macht, dann geh ich“, erklärt Schröder.

„Der entscheidende Punkt für mich war immer der Hype des Neuen“, das sei auch damals bei Tesla so gewesen. Damals, 2012, arbeitete Schröder schon einmal bei Sonnen, als Vertriebsleiter. Als er ein Jahr später nach einem USA-Trip ein Jobangebot von Elon Musk im Postfach fand, hielt er das zunächst für eine Verwechslung.

Aber der Tesla-Chef meinte tatsächlich ihn und machte Schröder zum Manager für Deutschland und Österreich. Als er seinen alten Weggefährten, Sonnen-Mitgründer Christoph Ostermann, auf einem Flug in die USA zufällig wiedertraf, machte dieser ihm wiederum ein Angebot, das er nicht ausschlagen konnte.

Vision einer neuen Energieversorgung

Die Idee, dass Kunden mit Solarspeichern künftig nicht nur sich selbst, sondern auch andere Haushalte mit ihrem Sonnenstrom versorgen, gefiel dem gebürtigen Niedersachsen. Die Energieversorgung in Deutschland komplett umzukrempeln und Millionen Haushalte zu Stromproduzenten zu machen, das war eine Vision, mit der sich Schröder gut identifizieren konnte.

Im Wendland, jener Gegend, in der das umstrittene Atommülllager Gorleben vor sich hin strahlt, hatte er schon als Teenager regelmäßig gegen Atomtransporte demonstriert. Einmal hat er sich sogar an die Gleise der Castorstrecke gekettet und kam dafür kurzfristig in Gewahrsam. Sein Jura-Studium hat er abgebrochen, um sein erstes Start-up zu gründen, es ging damals um Immobilien. Doch das wurde nichts. Dann heuerte Schröder beim Wind- und Solaranlagenbauer Juwi an, bevor es dann zu Sonnen ging.

Mit Geschäftsführer und Mitgründer Ostermann verbindet ihn seit diesem Moment eine enge Freundschaft. Daran ändert auch der erneute Abgang des „Sonnenkönigs“, wie ihn die Medien tauften, nichts. „Philipp ist ein Start-up-Typ. Uns war von Anfang an klar, dass das eine Zusammenarbeit auf Zeit ist“, sagt Ostermann dem Handelsblatt. Man habe ihn geholt, um die Marke neu auszurichten und bekannt zu machen, und das hat in den Augen des Sonnen-Chefs auch sehr gut funktioniert.

In der Tat läuft es nicht schlecht für das 2010 gegründete Solarunternehmen. Der Markt für Solarbatterien ist noch relativ überschaubar. Bislang führt Sonnen das Geschäft an. Und das Greentech-Unternehmen verfolgt eine aggressive Wachstumsstrategie. Fast im Monatstakt haben die Allgäuer ihre Auslandsexpansion vorangetrieben.

Als Elon Musk im April 2015 mit einer pompösen Show eine eigene Batterie für Privathaushalte ankündigte, die Powerwall, war Schröder schon halb auf dem Absprung. Im Herbst 2015 ging er zu Sonnen und managte dort auch die Expansion in die USA, den Heimatmarkt des größten Rivalen und ehemaligen Arbeitgebers, Tesla. Ein Vergleich, den der selbstbewusste Schröder nie scheute.

Schließlich hatte er seinem Ex-Boss Elon Musk zuvor noch sechs Manager aus der deutschen Tesla-Zentrale abgeluchst und mit zu seinem neuen Arbeitgeber genommen. Wenn Schröder was von seiner Zeit bei dem amerikanischen Elektropionier gelernt hat, dann ist es, eine Vision mit voller Überzeugung zu verkaufen. Erst durch Schröder hat Sonnen nach außen hin den Glanz des hippen Weltverbesserer-Start-ups bekommen, sagen Branchenexperten. Er verkaufe keine Solarspeicher, sondern ein Lebensgefühl – und das mit Erfolg.

Sonnenkrieger bleibt Sonnenkrieger

In ihrer letzten Finanzierungsrunde konnten die Bayern so satte 60 Millionen Euro einsammeln. Der Großteil kam von dem britisch-niederländischen Ölmulti Shell. Auch US-Riese General Electric und der chinesische Windkonzern Envision investierten schon in den Solarbatteriehersteller, der 2017 einen Umsatz von rund 65 Millionen Euro verbuchte, aber immer noch rote Zahlen schreibt.

Von Schröders ambitionierter Vision, die vier großen Energieversorger zu entthronen, ist Sonnen aber noch weit entfernt. „Es geht jetzt erst richtig los“, ist sich Schröder sicher. Seinen Soll habe er bei Sonnen aber nun erfüllt. Das sieht Ostermann genauso.

„Sonnen ist mehr als Philipp Schröder. Jetzt wollen wir das Unternehmen in den Vordergrund stellen und keine einzelne Person“, erklärt er. Es sei kein Bruch, sondern ein geplanter Übergang, auch wenn man noch keinen Nachfolger habe. Das liege aber auch daran, dass Schröder ja auch weiterhin beratend zur Verfügung stünde. Auch seine Anteile will Schröder behalten.

„Sonnenkrieger wird man, und das bleibt man dann auch“, bekräftigt Schröder. „Ich bin gut im Aufbau und darin, Dinge voranzubringen. Ich weiß aber auch genau: Wenn eine bestimmte Phase vorbei ist, ist es auch wieder Zeit weiterzuziehen.“ Und in seine Fintech-Idee habe er sich nun mal verknallt.

Diesmal will er nicht die Energiewelt aufwirbeln, sondern eine kleine Revolution in der Finanzbranche anstoßen. Gelingen soll das mit einer eigentlich unspektakulär klingenden Idee. „In diesem Markt gibt es einfach eine wahnsinnige Intransparenz für den einfachen Anleger“, auf Capinside sollen alle Grundinformationen in Sachen Investmentfonds für jeden verständlich und kostenlos zugänglich sein.

Der Anleger soll einen unabhängigen Vergleich aller relevanten Investmentmöglichkeiten haben, um selbstständig Entscheidungen zu treffen. Dass er von der Finanzwelt eigentlich keine Ahnung hat, schreckt Schröder nicht. Als er bei Sonnen angefangen habe, wusste er schließlich auch nicht, was eine Ionen-Batterie ist. Und wenn er eins von Elon Musk gelernt habe, sei es, dass man mutig sein muss.

„Tesla hat man am Anfang belächelt, genau wie Sonnen. Und auch meine Entscheidung, Sonnen jetzt zu verlassen, wird man belächeln“, es ist ihm egal. Außerdem gebe es noch einen entscheidenden Vorteil an seinem neuen Job in Hamburg: „Mit dem Fahrrad von der Wohnung zur Arbeit fahren zu können ist megageil.“

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