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Carbon Mobile Das superleichte Karbon-Smartphone erlebt einen schweren Start

Gründer Firas Khalifeh will mit Handys aus Karbon den Markt umkrempeln. Doch die Coranakrise macht seinen ohnehin komplizierten Marktstart noch schwieriger.
07.04.2020 - 13:26 Uhr Kommentieren
Der Syrer bezeichnet sich selbst als Seriengründer. Quelle: Carbon Mobile
Firas Khalifeh

Der Syrer bezeichnet sich selbst als Seriengründer.

(Foto: Carbon Mobile)

Düsseldorf Karbon kommt meist im Weltall und auf Rennstrecken zum Einsatz. Doch geht es nach Firas Khalifeh, haben bald auch viele Menschen den Werkstoff in der Hand. Der 31-jährige Gründer hat mit seinem Start-up Carbon Mobile ein Smartphone entwickelt, dessen Gehäuse aus Kohlenstofffaser besteht. Dadurch soll es leicht und gleichzeitig robust sein.

„Viele Leute fragen erst: Warum brauche ich ein leichteres Smartphone?“, weiß Khalifeh. Aber wenn sie das Carbon 1 MKII (sprich: Mark 2) in den Händen hielten, seien sie überzeugt. 125 Gramm wiegt das Vorserienmodell, mit dem der Gründer derzeit an die Öffentlichkeit geht, zudem ist es spürbar dünner als etwa das iPhone. Im Sommer soll der Verkauf beginnen, Enthusiasten können es für 800 Euro vorbestellen.

Nun kommt jedoch das Coronavirus dazwischen: Durch die Epidemie hat zwischenzeitlich die Produktion bei den chinesischen Auftragsfertigern gestockt. Und in Westeuropa bricht die Wirtschaft ein, was sich auf die Nachfrage auswirken dürfte. Das betrifft gerade ein Start-up, das im Vergleich zu den Konzernen eine geringe finanzielle Ausstattung hat, wie Khalifeh offen sagt: „Wir haben keinen großen Spielraum, aber wir werden überleben.“

Firas Khalifeh bezeichnet sich selbst als Seriengründer. So baute der Syrer 2011 in Damaskus einen Anbieter für vernetzte Mobilität auf. Das Start-up musste er jedoch aufgeben, als er vor dem Bürgerkrieg nach Dubai floh. Dort arbeitete der Informatiker bei mehreren Technologiefirmen. Nebenher stellte er sich die Frage, warum Smartphones so gleichförmig sind. „In den letzten fünf Jahren hat die Smartphone-Industrie stagniert“, sagt Khalifeh.

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    Tatsächlich sehen die Geräte mehr oder weniger gleich aus: Es sind Rechtecke mit einer Scheibe Glas, ähnlich breit, ähnlich hoch, ähnlich dick. Die Verwendung von Kohlenstoff und anderen Materialien „ist eine fantastische neue Entwicklung, die ein neues Design und neue Ansätze zeigt“.

    Dass Smartphonehersteller bislang kein Karbon verwenden, hat allerdings gute Gründe: Kohlenstoff schirmt Funkwellen ab und staut die Wärme. Daher verwenden die Anbieter Gehäuse aus Aluminium, Plastik oder Glas. Diese sind bloß relativ dick und schwer. Und wenn es sich um Kunststoff handelt, ist das Recycling oft schwierig bis unmöglich.

    Wir haben keinen großen Spielraum, aber wir werden überleben. Firas Khalifeh, Gründer Carbon Mobile

    Khalifeh hat deswegen mit einigen Experten und Lieferanten ein Verbundmaterial entwickelt, das den Empfang zulässt und trotzdem leicht und stabil ist. Trivial ist das nicht: Es gilt, die richtige Mischung zu finden und das Verfahren zu beherrschen – Kohlenstoff muss erhitzt und gefräst werden. Erste Prototypen seien vielversprechend gewesen, erzählt der Gründer. Um ein kommerzielles Produkt zu entwickeln, zog er nach Berlin, wo Start-ups gute Bedingungen vorfinden und die Industrie nah ist.

    Vier Jahre später ist das erste Gerät serienreif. Das MKII hat eine Ausstattung, wie man sie in vielen Smartphones vorfindet, aber ein besonderes Äußeres: Das Gehäuse besteht aus Karbon und hat dreieckige Flächen am oberen und unteren Ende, die aus dem durchlässigen Material bestehen – dahinter sind die Antennen verbaut.

    Khalifeh geht es aber nicht nur um markantes Design. Karbon sei ein nachhaltiger Werkstoff: „Wir verwenden Reste aus der Industrie. Ein Autokonzern hat uns gefragt: Wie viele Tonnen braucht ihr?“ Auch wenn sie eines Tages größere Mengen produzieren sollten, dürfte es ausreichend Nachschub geben, etwa aus der Industrie. In Zukunft soll es möglich sein, Kohlenstofffasern aus nachwachsenden Rohstoffen herzustellen.

    Allerdings besteht ein Smartphone aus Hunderten Komponenten, von denen das Gehäuse nur eine – wenn auch sehr sichtbare – ist. Die Entwicklung ist daher eine komplexe Aufgabe, zumal für ein Start-up wie Carbon Mobile mit rund 20 Mitarbeitern. Es habe Überlegungen gegeben, als Zulieferer lediglich die Karbonhülle für Gerätehersteller zu fertigen, berichtet Khalifeh: „Verschiedene Unternehmen wollten unsere Technologie lizenzieren.“

    Bislang hat sich der Gründer jedoch dagegen entschieden. Bei der Entwicklung eigener Hardware ergäben sich deutlich größere Möglichkeiten, ist er überzeugt: Carbon Mobile soll sich in diesem gigantischen Markt als Nischenanbieter etablieren. „Es ist definitiv schwieriger, aber ich habe das Gefühl, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

    Auslieferung Ende Mai

    „Smartphones werden immer größer und schwerer – sich mit einem tollen, leichten Design zu differenzieren ist eine gute Idee“, sagt Annette Zimmermann, Analystin beim Marktforscher Gartner. „Die Frage ist: Wie sieht es mit der übrigen Ausstattung aus?“ Gerade im Premiumsegment überbieten sich Apple, Samsung und Huawei mit technischen Höchstleistungen. Ein kleines Unternehmen habe es da schwer, sagt die Spezialistin.

    Nun stellt sich auch noch die Frage, wie sich die Coronavirus-Epidemie auswirkt. Die Fabriken in China nehmen gerade die Produktion des Carbon 1 MKII wieder auf. Einige Verzögerungen werde es wohl geben, sagt Khalifeh. Trotzdem soll die Auslieferung Ende Mai beginnen. Die Vorbestellungen schlüsselt das Start-up nicht auf, auch die Geschäftszahlen macht es nicht publik.

    Gleichzeitig befindet sich die Wirtschaft im Abschwung. Marktforscher prognostizieren, dass der Smartphone-Absatz in diesem Jahr deutlich sinken wird. Der Gründer bewahrt seinen unbändigen Optimismus: „Wir haben schon vorher schwierige Zeiten überstanden.“

    Mehr: Warum der IT-Markt unter der Pandemie leidet

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