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Carlos Crespo Warum die Berufung des neuen Inditex-CEOs so leise vonstatten ging

Die spanische Modegruppe Inditex bestimmt den langjährigen Manager aus den eigenen Reihen zum neuen CEO. Trotzdem bleibt er bei der Zara-Mutter die Nummer zwei.
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Inditex begründet die Benennung von Crespo mit dem „strategisch wichtigen Moment der digitalen Transformation und des Engagements für die Nachhaltigkeit des Unternehmens“. Quelle: Zara
Carlos Crespo

Inditex begründet die Benennung von Crespo mit dem „strategisch wichtigen Moment der digitalen Transformation und des Engagements für die Nachhaltigkeit des Unternehmens“.

(Foto: Zara)

Madrid Wenn einer der größten Konzerne eines Landes einen neuen CEO bestimmt, sorgt das in der Regel für Schlagzeilen. Nicht so bei dem Textilgiganten Inditex aus dem spanischen Galicien. Eine knappe Mitteilung schickte der Zara-Mutterkonzern Ende Mai in die Welt, dass der bisherige Vorstand für das operative Geschäft, Carlos Crespo, das Amt des CEOs übernehmen soll. In spanischen Medien folgten ein paar kurze Nachrichten und kleine Porträts, das war es. Die Hauptversammlung am Dienstag wählte Crespo offiziell ins Amt.

Zunächst ist die geringe Aufmerksamkeit ganz nach dem Geschmack des Konzerns. Der ist zwar an der Börse notiert, der Gründer Amancio Ortega hält aber immer noch 59 Prozent der Anteile. Personenkult um den 83-jährigen Gründer, seinen Nachfolger an der Unternehmensspitze oder irgendeinen Manager im Konzern ist verpönt. Im nordspanischen Galicien wird gearbeitet und nicht geprahlt, so will es die Unternehmenskultur.

In A Coruña geboren, wo Inditex seinen Hauptsitz hat, verbrachte Crespo fast sein halbes Leben bei dem diskreten Textilgiganten. Nach dem Studium arbeitete der heute 48-Jährige zunächst als Wirtschaftsprüfer bei Arthur Andersen. Im Jahr des Börsengangs kam er 2001 zu Inditex und war für die Rechnungsprüfung verantwortlich. Anschließend wechselte er in die Logistik und übernahm 2005 die interne Revision, bis er im vergangenen Jahr zum operativen Chef aufstieg.

Dass seine Berufung zum CEO vergleichsweise leise vonstatten geht, liegt auch daran, dass Crespo weiter die Nummer zwei im Unternehmen bleibt. Das Sagen hat nach wie vor Pablo Isla, 55, der als Verwaltungsratschef wie in Spanien üblich auch eine exekutive Funktion ausübt. Crespo war als Chef des operativen Geschäfts bei Inditex Islas rechte Hand, er wird auch künftig an ihn berichten. Neu ist allerdings, dass er mit ihm zusammen auch die Strategie entwickelt und in den Verwaltungsrat einzieht, der neben ihm noch um ein weiteres, unabhängiges Mitglied erweitert wird.

Inditex begründet die Benennung von Crespo mit dem „strategisch wichtigen Moment der digitalen Transformation und des Engagements für die Nachhaltigkeit des Unternehmens“. Der Konzern ist mit seinen Marken wie Zara, Massimo Dutti, Oysho oder Pull & Bear einer der größten Modehändler der Welt. Wachsen will er künftig über mehr Onlineverkäufe. Bislang machen die nur zwölf Prozent des Geschäfts aus.

Die Gefahr einer Verlagerung ins Digitale liegt aber darin, dass die Marge durch die Versand- und Retourkosten sinkt. Inditex will das mit einem grundlegenden Umbau verhindern: Die Zahl der Läden sinkt, aber dafür werden diese immer größer und dienen gleichzeitig als Lager für Onlinesendungen. Schon im nächsten Jahr sollen alle rund 7.500 Shops in 96 Ländern solche Lager-im-Laden bekommen.

Die Modegruppe Inditex hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 26,1 Milliarden Euro erzielt, der Nettogewinn lag bei 3,4 Milliarden Euro. Der Konzern beschäftigt rund 174.000 Mitarbeiter.

Der zweite große Pfeiler soll die Nachhaltigkeit sein. So will der Konzern etwa ab 2025 nur noch Baumwolle, Leinen und Polyester für seine Kleidungsstücke verwenden, wenn die Stoffe entweder recycelt oder aus nachhaltigem Rohstoffanbau gewonnen wurden. Crespo hat den Konzernumbau als operativer Chef seit dem vergangenen Jahr geleitet. Die Beförderung zum CEO soll die Bedeutung zeigen, die der Konzern dieser Transformation beimisst.

Bisher hat der exekutive Verwaltungsratschef Pablo Isla keinen CEO an seiner Seite. Isla folgte 2011 an der Spitze auf Gründer Ortega, als der sich aus der aktiven Konzernleitung zurückzog. Isla war in Personalunion Verwaltungsratschef und oberster Manager des Konzerns, ohne den Titel CEO offiziell zu führen.

Dass Crespo ihn nun erhält, werten einige Beobachter als Versuch, möglicher Kritik von ausländischen Fonds oder Stimmrechtsvertretern auf der Hauptversammlung zuvorzukommen. Die sehen es nicht gerne, wenn die Macht an der Unternehmensspitze bei einer einzigen Person liegt.

Zenit überschritten?

Inditex befindet sich im Moment in einer schwierigen Lage. Analysten fragen sich nach Jahren des steilen Wachstums, ob der Konzern seinen Zenit schon überschritten habe. Der Aktienkurs des einstigen Börsenstars brach im vergangenen Jahr um 22 Prozent ein, hat sich inzwischen aber wieder erholt.

„Gerade in einer ohnehin schwierigen Situation hat ein Konzern kein Interesse daran, dass auf der Hauptversammlung unangenehme Fragen aufkommen“, sagt Joaquín Garralda, Experte für Unternehmensstrategie an der Madrider Business School IE. Bei ihrem Jahrestreffen stimmten die Aktionäre nicht nur über die Beförderung von Crespo ab, sondern auch über die Wiederwahl von Pablo Isla.

„Es gibt im Moment in Spanien viele Diskussionen um die Doppelfunktion als Verwaltungsratschef und CEO“, erklärt Garralda. „Früher haben die großen Fonds und Stimmrechtsberater mit ihren Fragen vor allem auf die Finanzlage eines Unternehmens abgezielt und auf seine Fähigkeit, Cashflow zu generieren. Heute achten sie auch verstärkt auf die Unternehmensführung.“

Bei klassischen Familienunternehmen sei der Gründer häufig nicht nur Verwaltungsratschef und CEO, sondern halte auch die Mehrheit des Kapitals. „Da gibt es oft keine Trennung an der Spitze, weil es auch niemanden gibt, der sie verlangen könnte“, so der Experte.

Ortega hält bei Inditex zwar die Mehrheit der Anteile und fällt damit de facto die Entscheidungen. Aber er hat den Konzern eben auch an die Börse gebracht und muss sich dadurch mit Fonds und Stimmrechtsvertretern zumindest auseinandersetzen.

Der Stimmrechtsberater ISS wertete zwar die Trennung der Posten von Verwaltungsratschef und CEO vor der Hauptversammlung als „rein kosmetisch, weil die Aufgaben beider Personen weitgehend unverändert bleiben“. Er stimmte aber ebenso wie sein Konkurrent Glass Lewis zu.

Die Citibank erwartet: „Die grundsätzliche Strategie und die Umsetzung werden sich nicht ändern.“ Für Investoren sei es das Wichtigste, „dass Pablo Isla als exekutiver Präsident weiterhin voll und ganz dem Geschäft verpflichtet ist und Carlos Crespo darüber berichtet“, kommentierten sie.

Viel Ruhm erwirbt sich Crespo mit seiner Benennung erst einmal noch nicht. Wenn er aber seinen bisherigen Aufstieg bei Inditex weiterführt und eines Tages auf Isla als Nummer eins folgen sollte, wird das größere Wellen schlagen.

Mehr: Die weltgrößte Modekette Inditex profitierte von der Nachfrage nach Frühjahrskleidung. Inditex ist Vorreiter bei schnell wechselnden Kollektionen.

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