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Charlie MacGregor Dieser Schotte hat das Studentenwohnheim neu erfunden

Er flog mit 15 Jahren von der Schule und studierte nie: Nun will Charlie MacGregor mit seiner Kette „The Student Hotel“ in Europa expandieren. Neu sind Standorte in Berlin und Dresden.
10.12.2019 - 14:22 Uhr Kommentieren
Mit 16 Jahren heuerte er bei einem Bauunternehmen an. Später arbeitete er in der Immobilienfirma seines Vaters. Quelle: The Student Hotel
Charlie MacGregor

Mit 16 Jahren heuerte er bei einem Bauunternehmen an. Später arbeitete er in der Immobilienfirma seines Vaters.

(Foto: The Student Hotel)

Dresden Spielautomaten im Retrodesign, bunte Sessel, Popmusik und Tischtennis in der Lobby, große Leuchtschilder weisen den Weg zum „Self Check-in“: Wenn es nach Charlie MacGregor geht, sieht so die Zukunft von Studentenunterkünften aus. Der Schotte ist Gründer von The Student Hotel, einer Mischung aus Studentenwohnheim, Hotel und Coworking-Räumen.

Derzeit gibt es 13 Student Hotels in zwölf europäischen Städten mit 4.400 Zimmern. In Berlin wurde gerade eines am Alexanderplatz eröffnet – nach Dresden der zweite Standort des Unternehmens hierzulande.

Das Konzept ist überall gleich: je nach Semesterzeit werden 60 bis 80 Prozent der Zimmer an Studierende vergeben, der Rest an Hotelgäste. „Ich will Studenten, Touristen und Einheimische zusammenbringen, dann fühlt sich das alles nicht nach Studentenbude an, sondern es entsteht eine Atmosphäre wie in einer Bücherei, wie bei Starbucks oder einfach wie im richtigen Leben“, sagt MacGregor über sein Hybridmodell beim Treffen in Dresden.

Selbst studiert hat der Gründer nicht. Im Alter von 15 Jahren wurde er von der Schule geschmissen. Mit 16 Jahren heuerte er bei einem Bauunternehmen an. Später arbeitete er in der Immobilienfirma seines Vaters. „Ich fand relativ spät heraus, dass ich Legastheniker bin. Schule war für mich sehr anstrengend, ich war nicht gut darin. Ich wäre auch nicht gern zur Universität gegangen“, erzählt der 44-Jährige.

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Standort erkennen

    Sein Vater baute 1982 die ersten Studentenwohnheime für die Universität von Edinburgh. Wie MacGregor erzählt, waren diese ihm zu monoton: „Ich fragte meinen Vater: ‚Warum haben alle Gebäude die gleiche Farbe, die gleiche Einrichtung, die gleichen Möbel?‘, und er sagte: ‚Wen interessiert das, es sind nur Studenten‘.“

    Die ganze Branche habe wie sein Vater gedacht, sagt der Gründer, der sich früher viel bei Freunden in Studentenunterkünften aufhielt. 2003 zog er nach Amsterdam, wo er drei Jahre später seine Firma gründete. Die Hotelindustrie habe jahrzehntelang die immer gleichen Businesshotels gebaut, sagt er. „Wir setzen dagegen Design ein, um ein angenehmes Umfeld zu schaffen, in dem sich Menschen kennen lernen und wohlfühlen sollen und kreativ werden.“

    Studenten können im The Student Hotel den Waschraum und die Gemeinschaftsküche mitnutzen.
    Waschraum

    Studenten können im The Student Hotel den Waschraum und die Gemeinschaftsküche mitnutzen.

    „Wir überstürzen nichts“

    Preiswert ist das allerdings nicht. Wer ein Semester im Berliner Student Hotel bleibt, zahlt mehr als 600 Euro pro Monat für ein 22 Quadratmeter großes, minimalistisch möbliertes Zimmer. Ein Fahrrad und die Nutzung der Gemeinschaftsküche sowie des Fitnessstudios sind inklusive. Zum Vergleich: Ein Zimmer des Berliner Studierendenwerks kostet rund 350 bis 425 Euro pro Monat.

    MacGregor sucht derzeit in Hamburg, München, Frankfurt und Köln nach Grundstücken. Aber auch Aachen, Mainz, Stuttgart, Heidelberg kommen infrage, sagt er. Auch in Österreich will die Gruppe wachsen. „Wie Uber, WeWork und andere Start-ups glauben wir an die Ökonomie der Skalierung, aber wir überstürzen nichts.“

    Der Schotte kauft und entwickelt jedes einzelne Gebäude und bleibt Eigentümer. „Heute ist die Gruppe profitabel von Kopf bis Fuß. Das ist fundamental für uns“, sagt MacGregor, der selbst Minderheitseigner ist.

    Die Hauptanteile hält zum einen APG Asset Management, eine Tochter der niederländischen Pensionskasse ABP, die auch in die Hotelgruppe CitizenM investiert hat. Zudem ist ein von Aermont Capital Partners verwalteter Immobilieninvestment-Fonds an dem Hotelunternehmen beteiligt.

    „Wir setzen Design ein, um ein angenehmes Umfeld zu schaffen, in dem sich Menschen kennen lernen und wohlfühlen sollen und kreativ werden.“ Quelle: The Student Hotel
    Zimmer im Student Hotel

    „Wir setzen Design ein, um ein angenehmes Umfeld zu schaffen, in dem sich Menschen kennen lernen und wohlfühlen sollen und kreativ werden.“

    (Foto: The Student Hotel)

    Beide Großinvestoren kauften vor drei Jahren die Anteile vom Kapitalanlageunternehmen Carlyle, das die ersten Student Hotels ab 2012 mitfinanzierte. Ihre Anteile machten damals 85 Prozent am Unternehmen aus, 15 Prozent hielt MacGregor. Insgesamt haben die beiden jetzigen Investoren schon mehr als 400 Millionen Euro in MacGregors Konzept gesteckt.

    Und die Wachstumspläne sind ambitioniert: bis 2024 soll das gesamte Investitionsvolumen in Europa zwei Milliarden Euro überschreiten. Die Anteile des deutschen Marktes machen 20 Prozent aus. 25 weitere Unterkünfte mit insgesamt 20.600 Zimmern sollen entstehen.

    Der europäische Markt für Studentenwohnungen biete eine attraktive Investmentgelegenheit, sagt Robert-Jan Foortse, Leiter der Abteilung European Property Investments bei APG. Das Hybridkonzept halte er für einzigartig.

    Attraktives Investment

    Bereits in den vergangenen Jahren habe es Entwicklungen von Hotels in Richtung Hostelcharakter gegeben, diese Konzepte funktionieren gut und sprechen eine junge Zielgruppe an, sagt Markus Hauk, Hotelexperte bei PwC. „Die Kombination von Studentenwohnheim und Hotel stellt aber eine neue Entwicklung dar. The Student Hotel wurde zwar schon vor fast 15 Jahren gegründet, aber in Deutschland ist das Konzept neuartig.“

    Ein Investment in das Hotel hält Hauk für attraktiv: Die Studentenzimmer seien eine risikoarme Komponente, die eine konstante Nachfrage garantiere, während zusätzlich Erträge von Hotelgästen „on top“ erzielt würden.

    Der Immobilienökonom erwartet aber nicht, dass nun jedes neue Studentenwohnheim mit einem modernen Lifestylekonzept ausgestattet wird. „Andererseits sehen wir aber auch einen wachsenden Markt für ein relativ hochwertiges studentisches Wohnkonzept, da die Internationalität und die Mobilität der Studierenden weiterhin zunehmen.“

    Studentenwohnheime werden zunehmend zur Anlage, wenn sie es nicht schon sind, sagt Hotelfachmann Karl-Heinz Kreuzig von der BBG Consulting aus Düsseldorf. Bei relativ geringen Baukosten sei es eine gesicherte Rendite. „Der derzeitige Hotelmarkt wird von Projektentwicklern getrieben. Die ganzen Objekte gehen in irgendwelche Fonds.“

    Das Konzept von The Student Hotel hält er vor allem für einen Marketing-Gag. „Viele sogenannte Designhotels sind vielleicht lustig, haben aber keine Qualität in der Einrichtung. Die Wertigkeit fehlt oft. Diese Hotels sind gar nicht dafür ausgelegt, 20 Jahre oder länger zu existieren.“

    MacGregor sieht das naturgemäß anders, hat in Dresden zum Beispiel die alten Möbel des Vorgängerhotels aufpoliert und setzt auf Nachhaltigkeit und eine neue Generation von Gastlichkeit. Und angesprochen darauf, ob seine Student Hotels ein ernsthafter Konkurrent zu WeWork werden wollen, sagt MacGregor, sie seien schon siebenmal weiter als WeWork, zwar nicht beim Coworking. „Aber WeWork will auch eine Community erschaffen, die aus Arbeit, Leben, Sport besteht. Wir haben das jetzt schon.“

    Mehr: Der gescheiterte WeWork-Börsengang beschert Anbietern flexibler Büroflächen eine Vertrauenskrise. Wie Eigentümer reagieren und worauf sie achten.

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