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Christian Busch So will der Walbusch-Inhaber dem Modeversender ein neues Image geben

Christian Busch gilt in Solingen als Moderator des Wandels: Der Walbusch-Eigentümer will die Produktpalette verjüngen und mehr eigene Filialen eröffnen.
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Der Walbusch-Chef will eine jüngere Zielgruppe erreichen. Quelle: Walbusch
Christian Busch

Der Walbusch-Chef will eine jüngere Zielgruppe erreichen.

(Foto: Walbusch)

Solingen Leicht federnden Schrittes steigt er die Stufen zum Eingang des Bürohochhauses hinauf. „Ich habe meinen Stil gefunden, da muss ich nicht mehr jeden Trend mitmachen“, sagt der freundliche Mann im hellblauen Anzug und dem weißen Hemd mit leicht geöffnetem Krage in dem Werbefilm.

„Der TV-Spot mit Fernsehkommissar Klaus J. Behrendt soll den Imagewandel beschleunigen“, hofft Christian Busch, der geschäftsführende Gesellschafter von Walbusch. Den traditionellen Modeversender aus Solingen, 40 Kilometer östlich von Düsseldorf, will Busch mithilfe des Kölner Tatort-Kommissars „zu einer begehrlichen Marke machen“, wie der Walbusch-Inhaber sagt, der zum ersten Mal in eine TV-Kampagne investiert hat.

Das ist nicht leicht. Denn Walbusch steht bisher vor allem für solide Herrenhemden und andere eher biedere Kleidung für das ältere Semester. Doch auch die Zielgruppe der 60-Jährigen will sich inzwischen jünger kleiden und kauft deshalb mal gerne modischere Teile bei großen Modeketten ein.

Das bekommt Busch zu spüren. Der 46-jährige Unternehmer konnte die Finanzziele im vergangenen Jahr nicht erreichen. Mit 320 Millionen Euro lag der Umsatz seiner Firmengruppe um 2,4 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Zur Gruppe gehören noch der Herrenausstatter Mey & Edlich, die Outdoor-Marke Klepper und der Gesundheitsversand Avena, die miteinander verbindet, „Problemlöser“ zu sein, wie es Busch sagt.

Doch der 1,95-Meter-Mann lässt sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Er steuert dagegen, auf seine eigene Art: Er hält an seinem Versand fest („Wir werden für Walbusch noch lange Kataloge drucken“), will das Onlinegeschäft ausbauen, in der Einzelhandelskrise weitere eigene Läden eröffnen und das Image der reinen Hemdenmarke loswerden. „Wir wollen künftig mehr komplette Outfits verkaufen“, sagt Busch.

Eigenen Stil entwickeln

So will er den Umsatz seiner Firmengruppe wieder steigern. Denn bislang sind die Hemden, mit denen er mit Marken wie Olymp oder Seidensticker konkurriert, immer noch das Kernprodukt des Solinger Unternehmens. Dort ist Walbusch weniger bekannt für modische Trends als für Slogans wie „Zwei bügelfreie Hemden zum Preis von einem“.

Das soll sich ändern. „Wir sind gerade dabei, den Walbusch-Stil zu entwickeln“, erzählt Busch, der selbst ein blaues Jackett, weißes Hemd und Jeans trägt. Wie der neue Stil aussehen soll, ist noch offen. Vielleicht so, wie sich Tatort-Kommissar Behrendt kleidet, der sich im TV-Spot immerhin mal etwas lässiger in der braunen Lederjacke zeigt?

Der neue Stil soll helfen, dass das 80 Jahre alte Unternehmen „im Haifischbecken des Modehandels als unabhängiges Familienunternehmen bestehen“ kann, wie es Busch ausdrückt. Vertrauensbildend soll da die Fünf-Jahres-Garantie wirken, die Busch für alle Produkte des Hauses gibt.

Diese Großzügigkeit scheint Walbusch aber nicht finanziell arg zu belasten. Denn die Unternehmensgruppe ist besser ausgestattet als derzeit mancher in der Modebranche, die wie Gerry Weber, Tom Tailor oder Esprit in Dauersanierungen um ihre Existenz kämpfen.

Die Walbusch-Gruppe hat nach eigenen Angaben auch im vergangenen Jahr schwarze Zahlen geschrieben. „Wir haben das große Privileg, alle Investitionen aus eigenen Mitteln bestreiten zu können“, macht Busch klar, dass es keine finanziellen Engpässe gibt.

Die Mittel braucht er auch, um mit dem Unternehmen im schwierigen Modegeschäft zu überleben. Er fährt eine Doppelstrategie: Er will nicht nur das Onlinegeschäft ausbauen, wo Walbusch zuletzt mit knapp 60 Millionen Euro Umsatz auf Platz 18 in Deutschland rangierte und das zusammen mit dem Versandgeschäft für die Hälfte des Umsatzes von Walbusch steht, sondern auch den Verkauf über eigene Filialen.

Umsatz im stationären Handel wächst

Trotz der Probleme im Einzelhandel setzt er weiter auf stationäre Läden. „Nach einer längeren Expansionspause wollen wir die Zahl unserer Filialen in den nächsten fünf bis zehn Jahren verdoppeln“, kündigte er an. Seit dem Start vor zehn Jahren hat Walbusch 43 Läden eröffnet. Und da läuft es, anders als bei vielen in der Branche, nicht schlecht. Der Umsatz wachse in den Filialen seit zwei Jahren gegen den Trend im stationären Einzelhandel, freut sich Busch.

Die Strategie, alle Vertriebskanäle vom alten Katalog- über das moderne Onlinegeschäft bis zum stationären Einzelhandel zu bedienen, halten Experten für richtig. „Dadurch dass Walbusch alle Kanäle verzahnt bespielen kann, hat das Unternehmen gute Voraussetzungen, sich weiter als Marke zu etablieren“, erwartet Michael Hauf, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Hachmeister + Partner. Allerdings sieht er die Verdoppelung des Filialnetzes als eine erhebliche Kraftanstrengung für das Unternehmen an.

Doch Busch ist niemand, der unüberschaubare Risiken eingeht. „Christian Busch ist einerseits offen dafür, Neues im Unternehmen auszuprobieren, aber er ist andererseits weitsichtig und pragmatisch, um auch zu sehen, was wirtschaftlich machbar ist“, beschreibt ihn Sebastian Müller-Potthoff, Geschäftsführer von Buschs FSF Beteiligung GmbH, der ihn lange kennt.

Bereits Buschs Großvater war offen für Neues. Er startete das Unternehmen 1934 mit dem Verkauf von Rasierklingen. In den 1950er-Jahren spezialisierte sich das Unternehmen auf den Versand von Elektrogeräten und Haushaltsartikeln, vor allem Elektrorasierer. 1959 nahm Walbusch bügelfreie Nyltest-Hemden in den Katalog auf und startete so in den Textilhandel.

In den Sechzigerjahren bot er die ersten bügelfreien Hemden und Kragen ohne Knopf an. Sohn Thomas baute dann, nachdem er Walbusch 1976 mit 50 Mitarbeitern übernommen hatte, das Unternehmen kräftig aus. Heute arbeiten rund 1000 Beschäftigte in der gesamten Gruppe.

Söhne müssen sich erst bewähren

Thomas Busch war klar, dass seine beiden Söhne Mathias und Christian sich erst einmal außerhalb des Unternehmens bewähren sollten. So machte Christian eine Lehre beim Privatbankhaus Merck Fink & Co., arbeitete dann als Börsenhändler auf dem Parkett in Düsseldorf, studierte BWL an der Katholischen Universität Eichstätt in Ingolstadt und stieg schließlich in den Vertrieb des Computerkonzerns IBM ein.

Und danach kam immer noch nicht die Firmenleitung infrage. Erst musste sich der Junior beim kleinen Tochterunternehmen Avena bewähren, einem Versand von Gesundheitsprodukten von Schuhen über Wäsche bis zur Kosmetik. Erst 2008 übergab der Vater die Leitung der Gruppe an seinen Sohn. Gleichzeitig verließ sein Bruder das Unternehmen wegen unterschiedlicher Auffassungen. Heute hält Christian Busch 70 Prozent der Anteile, sein Vater 30 Prozent.

Der Sohn hat vor einem Jahr sein Managementteam vergrößert und seitdem als Vorsitzender der Geschäftsführung kein eigenes Ressort mehr. Er sieht sich jetzt mehr in der „Rolle des Moderators“.

So hat er mehr Zeit, sich in der Busch-Stiftung zu engagieren, die sich um demenzkranke Menschen kümmert, und bei seinen Start-ups. Er ist ein Technikfan, der sich für neue Technologien wie den 3D-Druck interessiert. Er trägt eine Apple Watch und freut sich über seinen Tesla 3, mit dem der Vater von drei Kindern jeden Tag zwischen Solingen und seinem Wohnort Düsseldorf pendelt.

Aber sein Hauptziel bleibt es, sein Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Und da läuft es immerhin besser als im vergangenen Jahr. „Im ersten Halbjahr haben wir den Umsatz gesteigert“, sagt Busch. Er hofft, dass dies in den nächsten sechs Monaten so bleibt.

Dafür soll auch der TV-Spot mit Tatort-Kommissar Behrendt sorgen. Der läuft wieder ab Herbst.

Mehr: Das deutsche Modeunternehmen Marc O’Polo wächst wieder profitabel. Den Erfolg verdankt das Unternehmen vor allem dem Chef Dieter Holzer.

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