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Christian Gaiser, Dimitri Chandogin und Gerhard Maringer Diese Gründer wollen aus dem Nichts eine neue Hotelkette aufbauen

Investoren stecken Geld in ein neues Start-up, das mit kleinen Appartement-Hotels die Branche aufmischen will. Die drei Gründer denken groß.
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Dimitri Chandogin, Gerhard Maringer und Christian Gaiser wollen mit ihren Hotels wachsen.
Cosi-Gründer

Dimitri Chandogin, Gerhard Maringer und Christian Gaiser wollen mit ihren Hotels wachsen.

Berlin Der Optimismus der Angreifer auf die Hotelbranche ist gigantisch: Nicht weniger als „eine der größten Hotelketten der Welt“ kündigen Christian Gaiser und Dimitri Chandogin an – während sie in einer weitgehend leeren Berliner Bürowohnung neben einer halbvertrockneten Zimmerpalme an einem Konferenztisch sitzen.

Mit dem Geld von Investoren aus der Immobilienbranche und Berliner Start-up-Finanzierern wie Eventures wollen sie die Branche aufrollen und aus dem Nichts eine neue Hotelmarke schaffen. In ihrem ersten Interview dazu klingt ihr großer Plan einfach: Sie wollen alles effizienter machen als die bisherigen Betreiber – vor allem als die heutigen familiengeführten Hotels.

Christian Gaiser kommt selbst aus einer Schwarzwälder Hoteliersfamilie und ist, wie er sagt, im Hotel aufgewachsen. Viel mehr verbindet den 33-Jährigen bislang nicht mit der Branche: Er war in den vergangenen Jahren Gründer und Chef der lokalen Einkaufsplattform Kaufda/Bonial – und ist daher zumindest in der Berliner Start-up-Szene bestens vernetzt. Sein zwei Jahre älterer Partner Chandogin, in Russland geboren und in Deutschland aufgewachsen, war zuletzt Leiter des Deutschlandbüros des russischen Großinvestors Sistema. Er sieht sich als den Immobilienexperten im Team. Dritter Gründer ist der Österreicher Gerhard Maringer, der aus der Fintech-Welt stammt.

Mit dem Anspruch, rasch zu den ganz Großen aufzuschließen, hat das Start-up Cosi der drei eine für deutsche Verhältnisse umfangreiche Seed-Finanzierung über fünf Millionen Euro eingesammelt. Hinter dem Anfangsinvestment steht neben dem Flixbus-Investor Cherry auch Eventures mit dem Partner Christian Miele, Spross der Waschmaschinen-Familie.

Der Berliner Wagniskapitalgeber, der etwa 9Flats mitfinanziert, hat gerade einen neuen, 350 Millionen Euro schweren Fonds geschlossen, an dem sich überwiegend Family Offices von industriellen Familien beteiligt haben. „Das Projekt zeigt, dass inzwischen auch traditionelle Offlinebranchen von Start-ups angepeilt werden. Mit Christian Gaiser kehrt dafür ein sehr renommierter Serienunternehmer auf das Parkett zurück“, sagt Miele.

Hotelketten wollen expandieren

Die Zeiten, in denen Start-ups die Reisebranche durch neue Plattformlösungen revolutionieren wollten, sind vorerst vorbei. Dieser Markt ist besetzt: Booking.com und Airbnb sind weltweit feste Größen. Sie nutzen die volle Macht einer Plattform und verbinden Endkunden mit Vermietern – als reine Vermittler. Weitere junge Unternehmen wie Travelperk versuchen, klassische Geschäftsreiseanbieter wie BCD durch ansprechendere Technik zu ersetzen.

Dagegen drängen nun auch Wagniskapitalgeber und Start-ups in die Immobilienbranche und sprechen von Proptech. Es lockt ein florierender Markt: 2018 stieg die Zahl der Übernachtungen in Deutschland um drei Prozent auf 297,6 Millionen. Auch die Zahl der Hotels steigt: Für Immobilienentwickler sind Hotels renditestarke Bestandteile von Quartiersentwicklungen. Die Hotelketten planen ebenfalls zu expandieren: Holiday Inn sowie Accor, Motel One und die Hamburger Novom-Gruppe (Niu). Einige Skeptiker warnen bereits vor Überkapazitäten.

Dennoch erkennt Moritz Dietl, Chef der Branchenberatung Treugast, gute Möglichkeiten für Investoren. Flexiblere Arbeitswelten ließen gerade die Appartement-Nachfrage steigen. „Der Markt ist groß genug für neue Anbieter“, ist er überzeugt. Beim Abschwung, der in den nächsten Jahren droht, könnten solche neuen Konzepte sogar einen Vorteil gegenüber Hotels haben, die lange nicht renoviert worden sind oder ineffektiv arbeiten.
Attraktiv für Immobilienbesitzer

Das sehen die Cosi-Gründer ähnlich: „Wir wollen die traditionelle Hotellerie professionalisieren“, sagen sie. Sie versprechen, effizienter zu arbeiten als die althergebrachten Hoteliers. Neuste IT-Systeme im Hintergrund sollen Kosten senken. Dazu kommen die einheitliche Ausstattung und der Verzicht auf Fitnessräume, Spas und Restaurants. Tatsächlich schätzt sich, laut einer Umfrage der Beratung Roland Berger, nur ein Viertel der deutschen Hoteliers als „digital fortgeschritten“ ein. Erst ein Drittel nutzt digitales Umsatzmanagement, gerade einmal zwölf Prozent nutzen elektronische Einkaufslösungen.

Preislich auf Vier-Sterne-Niveau

Cosi soll wie eine klassische Hotelkette funktionieren – mit kleineren Abweichungen im Detail, keine Revolution. Das Konzept sieht Appartements von rund 30 Quadratmetern vor – mit einheitlichen Einrichtungsstandards, aber lokalen Design-Unterschieden. Frühstück und Rezeptionisten soll es nicht geben, die Gäste checken wie bei einem Billighotel selbst ein. Preislich und von der Ausstattung sollen sich die Räume dagegen auf Vier-Sterne-Niveau bewegen.

Im Oktober wird ein erstes Haus mit Zimmerpreis zwischen 130 und 150 Euro je Nacht in Berlin starten. Die Marke Cosi soll in den nächsten sechs Monaten an vier bis fünf „Leuchtturmprojekten“ in Berlin, Düsseldorf, Hamburg und München prangen. In fünf Jahren wollen die Gründer in den größeren Städten Europas bereits 10 000 Appartements betreiben und damit vor allem Boutique-Hotels Konkurrenz machen. Zum Vergleich: Motel One vermietet derzeit etwa 14 000 Zimmer allein in Deutschland.

Der Engpass bei der Expansion der Hotelketten sei derzeit das Immobilienangebot: Der Markt sei leer gefegt, warnt Experte Dietl, große Ketten hätten sich neue Projekte gesichert. Als Wachstumstreiber für Cosi könnte sich daher erweisen, dass die Gründer ihr Konzept auch für die Umnutzung größerer Wohnungen und Büros auslegen. Schon ab zehn Zimmern soll sich das conciergelose Hotel lohnen.

Das heißt: Die Hotelkette könnte in Teile von angemieteten Immobilien ziehen, die bislang für eine Kette nicht infrage kommen, statt wie beispielsweise Motel One überwiegend neue Häuser zu bauen und zum Teil auch selbst zu besitzen.

„Die Gründer werden beweisen müssen, dass sie solch kleine Einheiten effizient betreiben können und zugleich den Gästen so viel Qualität bieten, dass sie mit den Hotelketten mithalten können“, beschreibt Berater Dietl die Herausforderung für Cosi. Entsprechend gehören Immobilieninvestoren wie Andreas Bremke, der unter anderem in Berlin mehrere Büroimmobilien entwickelt, zum Cosi-Investorenkreis.

Denn Hotelnutzungen bieten vergleichsweise gute Renditen. Die Gründer versprechen sich schnellen Erfolg durch rasche Projektlaufzeiten. Schon innerhalb eines halben Jahres sollen sich neue Objekte rechnen. Mit langfristigen Mietverträgen geht Cosi allerdings ins Risiko. Auch sonst wollen die Gründer finanziell aggressiv vorgehen, etwa über alternative Finanzierungsmodelle.

Mehr: Der Brite Sir Rocco Forte über das Wachstum seiner Hotelkette, den Brexit und über beeindruckende Treffen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

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1 Kommentar zu "Christian Gaiser, Dimitri Chandogin und Gerhard Maringer: Diese Gründer wollen aus dem Nichts eine neue Hotelkette aufbauen"

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  • Glückwunsch den Gründern. Wieder ein Konzept dass sich an dem vielen Geld der Investoren ausrichtet und den Markt eigentlich gar nicht mehr braucht.
    Die richtige Team-Michung und die nebulöse Ausrichtung sind ein Traum für den Investor, der seinerseits den Geldgebern Geschichten liefern muß.
    Dank an den Autor, der zumindest kritisch hinterfragt.