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Christian Gries Gründerenkel kauft die Deko-Kette Depot zurück

Wegen der rasanten Expansion unter dem Eigentümer Migros hatte Depot jahrelang Verluste gemacht. Nun soll als Familienunternehmen die Wende gelingen.
13.12.2019 Update: 13.12.2019 - 16:23 Uhr Kommentieren
Der Unternehmer kauft die Deko-Kette Depot vom Eigentümer Migros zurück.
Christian Gries

Der Unternehmer kauft die Deko-Kette Depot vom Eigentümer Migros zurück.

Düsseldorf Christian Gries hat Erfahrung darin, sein eigenes Unternehmen wieder zurückzukaufen. 2004 gab er 40 Prozent der Deko-Kette Depot an das Privat-Equity-Unternehmen 3i ab, nur um sie zwei Jahre später zurückzukaufen. 2007 dann stieg der Finanzinvestor Dawnay Day mit 50 Prozent ein. Diese Partnerschaft hielt nur ein Jahr, weil Dawnay Day in die Insolvenz rutschte.

Jetzt also der dritte Anlauf. Im Rahmen eines Management-Buy-outs erwirbt er das von seinem Großvater gegründete Unternehmen von der Schweizer Genossenschaft Migros, die zuvor sieben Jahre die Mehrheit hielt. „Ich freue mich sehr, dass die Gries Deco Gruppe vollständig in den Besitz der Gründungsfamilie zurückgeht“, sagt Christian Gries. „Ich glaube an die Zukunft von Depot. Deshalb bin ich auch jetzt wieder in die Verantwortung gegangen“, betont er.

Leicht wird der Neustart für die defizitäre Handelskette nicht. Immerhin hat die Migros auf die Rückzahlung eines großen Teils der Darlehen verzichtet, die sie Depot in den vergangenen Jahren gewährt hat, um dem Unternehmen Luft zum Atmen zu geben. Das wird das Migros-Ergebnis 2019 mit 400 Millionen Franken (365 Millionen Euro) belasten.

„Es ist uns wichtig, die Gries Deco Gruppe und ihre Mitarbeitenden mit einem guten Fundament in die Zukunft zu entlassen, auch wenn wir als Migros dadurch kurzfristig eine finanzielle Belastung in Kauf nehmen müssen“, sagt Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen.

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    Es ist nicht die erste schwierige Situation, die das Familienunternehmen in seiner wechselvollen Geschichte durchstehen musste. Im Jahr 1948 hatte Oskar Gries eine Fabrikation für künstliche Früchte und Weihnachtsdekoration gegründet. Sein Sohn Michael machte daraus 1969 zunächst einen Großhandel. Als Christian Gries 1995 nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann in den Familienbetrieb einstieg, war die Situation nicht einfach: Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage mussten damals 260 von 300 Mitarbeitern entlassen werden. Doch es gelang die Wende und im Jahr 2000 übernahm er als Geschäftsführer in dritter Generation die Verantwortung.

    Seine Leistung ist der Ausbau der 1995 gestarteten Einzelhandelskette Depot. Schon 2007 hat er ein Netz von 120 Läden über ganz Deutschland gezogen. Richtig Fahrt bekommt die Expansion jedoch mit dem Einstieg der Migros, die zunächst 49 Prozent übernimmt und dann auf 90 Prozent aufstockt. 500 Geschäfte hat Depot heute in Deutschland, Österreich und der Schweiz und macht mit 8 500 Mitarbeitern einen Umsatz von 480 Millionen Euro.

    Doch dieses stürmische Wachstum hatte seinen Preis. Das Unternehmen machte hohe Verluste, nach den letzten verfügbaren Zahlen hatte die Gries Deco Holding Ende 2017 bereits einen Verlustvortrag von 196,7 Millionen Euro angehäuft. Eigentlich sollte im vergangenen Jahr die Rückkehr in die schwarzen Zahlen gelingen, doch auch 2018 war noch rot, wie Gries bestätigt. Und die Situation hat sich nicht gebessert.

    „Das Geschäftsjahr 2019 war dann stärker unter anderem durch die Investitionen belastet“, berichtet er. „Da haben wir in der Bilanz viel bereinigt, um 2020 in den Neustart gehen zu können.“ Auch er habe unterschätzt, wie schnell sich das Kundenverhalten geändert hat.

    Kaum Synergien mit Migros

    Menschen, die Gries gut kennen, trauen ihm zu, doch noch die Wende zu schaffen. Sie bescheinigen ihm die typischen Eigenschaften eines Unternehmers: ungeduldig und dynamisch sei er, ein „Hans Dampf in allen Gassen“. Sehr clever habe er die Möglichkeiten genutzt, Investoren für die Expansion einzuspannen und dann im günstigen Moment wieder die Verantwortung zu übernehmen. Aber er sei auch jemand, der sich nicht scheut, große Risiken einzugehen.

    Auch Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein hält die Rückgabe an die Familie für hilfreich. „Das dürfte für das Unternehmen die beste Option sein, auch wenn es generell nicht einfacher für stationäre Händler in der Innenstadt wird“, sagt er. Das zeigte sich schon bei Depot-Konkurrenten wie Strauss Innovation, die aufgeben mussten oder Butlers, die sich durch eine Insolvenz vorläufig retten konnten.

    Migros als Eigentümer habe nicht nur Vorteile gehabt, betont Heinemann. „Es ist schon fast Erfahrungsregel, dass erfolgreichen Mittelständlern nach Konzernübernahmen schnell die Luft zum Atmen genommen wird, erst einmal hohe Zentralkostenumlagen übergestülpt, Entscheidungsspielräume genommen und überhöhte Vorgaben gemacht werden“, sagt er.

    Dass es einen Grund hat, dass sich Depot und der Schweizer Haupteigentümer wieder getrennt haben, deutet auch Gries an. „Migros war ein Partner, der gut zu uns gepasst hat und uns auch strategisch gutgetan hat“, sagt er, aber ergänzt auch: „Letztlich hatten wir uns alle von der Partnerschaft mehr erhofft. Die Synergien sind nicht in dem Maß eingetreten, wie wir das erwartet hatten.“

    Nun wird bei Depot einiges zurückgedreht und neu ausgerichtet. Das Führungsteam hat einen Zehn-Punkte-Plan ausgearbeitet, der ab Anfang 2020 umgesetzt wird. In der offiziellen Mitteilung heißt es zwar, dass der Eigentümerwechsel für die Mitarbeiter „keine unmittelbaren Auswirkungen“ habe. Aber an einer Straffung des Filialnetzes und Kürzungen in der Verwaltung dürfte das Unternehmen nicht vorbeikommen.

    „Wir haben bereits angefangen, das Filialnetz anzupassen und werden auch weiterhin unser Portfolio optimieren“, bestätigt Gries. Aber er betont auch: „Ich werde um jede Filiale kämpfen.“

    Nachdem unter dem alten Eigentümer bereits viel in den Onlinehandel investiert wurde, sieht das neue Konzept vor, sich wieder mehr um die stationären Läden zu kümmern. „Wir haben auch neue Shopformate entwickelt, die wir jetzt verstärkt ausrollen“, erklärt Gries. Die Läden werden frischer, moderner gestaltet, digitale Screens bieten zusätzliche Infos für die Kunden. Die ersten Erfahrungen dabei machen ihm Mut. „Die Geschäfte, die wir bereits modernisiert haben, laufen deutlich besser, die Kunden nehmen das sehr gut an.“

    Große Hoffnungen setzt Gries auch auf das Shop-in-Shop-Konzept, das Depot bisher schon beispielsweise in Karstadt-Häusern anbietet. Und vielleicht könnte eine engere Zusammenarbeit mit Galeria Karstadt Kaufhof ohnehin eine gute Zukunftsperspektive bieten.

    Seit Galeria zur Signa Holding des österreichischen Milliardärs René Benko gehört, hat es schon einige angeschlagene Ketten übernommen, wie zuletzt Sport Scheck. Beste Kontakte dorthin hat Gries jedenfalls. Denn Benkos Verantwortlicher für den Handelsbereich ist Dieter Berninghaus. Und der hatte bis vor Kurzem als Mitglied der Generaldirektion von Migros das Tochterunternehmen Depot betreut.

    Mehr: Wie die Migros-Tochter Galaxus sich in Deutschland als Konkurrenz zu Amazon und Otto etablieren will.

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