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Christian Haub Tengelmann-Chef Haub löst Holding auf – und fast alle Mitarbeiter verlieren ihre Jobs

Christian Haub hat mit seinen Mitarbeitern Klartext gesprochen. Auch wenn die Abfindungen großzügig sind, ist der Schritt hart – aber notwendig.
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Tengelmann schließt Holding – viele Mitarbeiter verlieren Jobs
Tengelmann-Chef Christian Haub

„Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen.“

DüsseldorfChristian Haub hat am Morgen noch mit Betriebsratschef Werner Ensink zusammengesessen. Nach monatelangen Verhandlungen klärten die beiden die letzten Details und setzten dann ihre Unterschriften unter den Sozialplan.

„Der Betriebsrat kann zufrieden sein, er hat alles für die Mitarbeiter getan“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter von Tengelmann. Ihm sei es wichtig gewesen, dass die Werte aus 150 Jahren Familienunternehmen auch in dieser schweren Situation Bestand hätten. Der Sozialplan erscheint fair und sozial verträglich.

Danach gingen sie gemeinsam ins Technikum, einer Versammlungshalle auf dem altehrwürdigen Firmengelände an der Wissollstraße in Mülheim an der Ruhr. Dort verkündete der seit April 2018 amtierende Chef den Mitarbeitern die bittere Nachricht, mit der viele so gerechnet hatten: Die Holding des Unternehmens, zu dem auch der Textildiscounter Kik und die OBI Bau- und Heimwerkermärkte zählen, wird zum 31. Dezember dichtgemacht.

Christian Haub geht einen radikalen Schritt. Er sah keine Alternative und hatte zuletzt das Gefühl, dass selbst die Mitarbeiter es irgendwie verstanden haben. Als der 54-Jährige antrat, arbeiteten in der Zentrale des Unternehmens noch rund 250 zum Teil altgediente Mitarbeiter, die schon für den Vater Erivan Haub, der Tengelmann einst groß gemacht hatte, tätig waren.

Sie alle hatten auch mit Karl-Erivan, seinem Bruder, zusammengearbeitet – bis er von einer Skitour am Matterhorn nicht mehr zurückkehrte. „Für die meisten von ihnen gibt es leider keinen Platz mehr in der Holding“, sagt Christian Haub jetzt nüchtern.

Einige hatten schon die Konsequenz gezogen und sich einen neuen Arbeitgeber gesucht. Zuletzt waren es noch knapp 200, die in der überdimensionierten Firmenzentrale wirkten. Doch die wichtigste Botschaft für die Mitarbeiter war im Technikum, was ihnen von ihrer Arbeit für den einstigen Handelsriesen bleibt.

Und das ist zunächst eine finanzielle Entschädigung. Jeder Mitarbeiter erhält als Abfindung ein Monatsbruttoentgelt pro Jahr der Betriebszugehörigkeit, plus 7 500 Euro oder die Teilnahme an einer Outplacement-Maßnahme. Ältere Mitarbeiter und solche vor der Rente erhalten weitere großzügige Zahlungen, ebenso wie Eltern, Alleinerziehende und Schwerbehinderte weitere 3 500 Euro.

An der Tatsache aber, dass nur sehr wenige Mitarbeiter, darunter Finanzvorständin Ágnes Faragò, in die neue Holding, wechseln werden, ändert sich nichts. Sie bekommen noch einmal warme Worte vom Chef. „Ich weiß, die Entscheidung zum Stellenabbau hat Sie im Januar schwer und überraschend getroffen“, schreibt er auch in einem Brief, der am gleichen Tag an alle Mitarbeiter herausgeht.

„Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen.“ Aber gerade deswegen solle sie so sozial verträglich wie möglich gestaltet werden. Haub ist für klare Verhältnisse, einen klaren Schnitt, der sich auch darin manifestieren soll, dass die neue Holding sich ein neues Domizil suchen wird.

Er würde gern in Mülheim bleiben, doch sicher ist noch nichts. Da viele operative Aufgaben, die heute noch durch die Zentrale erbracht werden, künftig durch die einzelnen Gesellschaften selbst wahrgenommen werden, kann sich die neue Holding mit Namen Tengelmann Twenty One personell deutlich schlanker aufstellen.

Sie wird nur noch rund 40 Mitarbeiter haben. Bislang kümmert sich die Holding um Rechts- und Steuerfragen, künftig auch um Geschäftsentwicklung, Investment-Management und Talententwicklung.

Vor allem der letzte Punkt ist eine Herausforderung, nicht nur bei Tengelmann. Auch der neue Vorstandschef des Familienunternehmens Haniel, Thomas Schmidt, hat erkannt, dass die Holding attraktiver für internationale Talente werden müsse – wenngleich sie mit mehr als 200 Mitarbeitern nicht ganz so schlank aufgestellt wird wie bei Tengelmann.

Holding soll unbelastet agieren

Christian Haub, der selbst 30 Jahre in den USA gelebt hat und dessen vier Kinder dort aufgewachsen sind, überlegt daher auch, einige Mitarbeiter der Holding in New York zu verorten. Dort sitzt auch eine der beiden Venture-Capital-Firmen der Gruppe, die Christian Haub vor seinem Amtsantritt bei Tengelmann verantwortete.

Von dort hat er auch Andreas Guldin mitgebracht, der als Geschäftsführer den dreiköpfigen Vorstand ergänzt und ohnehin weltweit unterwegs sein wird.

Über seine künftige Strategie lässt sich Haub noch nicht viel entlocken. Der Tengelmann-Chef ist erst einmal froh, den ersten Schritt vor dem zweiten getan zu haben, vor den beginnenden Sommerferien am Freitag in Nordrhein-Westfalen hätten die Mitarbeiter nun Klarheit.

Die Holding soll unbelastet von den Beteiligungen agieren und sich auf die Strategie konzentrieren, deshalb werden auch die Risikokapital-Töchter nicht an einem gemeinsamen Standort mit der Holding sitzen. Soll eine Beteiligung zum Beispiel vom Start-up-Financier Tengelmann Ventures langfristig gehalten werden, wechselt diese dann in die Verantwortung der Holding, erklärt Haub.

Neben dem US-Markt kann er sich vorstellen, künftig auch in Asien aktiv zu werden. Er ist aber froh, dass die Tochter Kik ihren geplanten US-Start zunächst gestoppt hat, da wäre man in die Zollfalle getappt.

Mit der neuen Tengelmann Twenty One setzt Christian Haub auf einen Neustart. Und mittlerweile bescheinigen ihm Unternehmensinsider nicht nur, dass er anfangs unterschätzt worden sei und man dieses Bild korrigiert habe, sondern, dass der Umbau prinzipiell richtig und eigentlich überfällig ist.

Doch, so heißt es, sei die Zahl der Baustellen durchaus problematisch, vor allem die der Familie und der Geschäftspartner. Doch darüber will Haub an diesem Sommertag nicht sprechen, ihm ist es wichtig, dass er das Unternehmertum der operativen Gesellschaften und der Holding stärken will.

Denn auch er hat den großen Wunsch, dass seine Kinder eines Tages nachfolgen – und denen möchte er ein bestelltes Haus übergeben. Der Erfolg der neuen strategischen Holding hängt auch an den Führungskräften von morgen, die Haub gerade gewinnen will.

Er will global nach neuen Ideen und Vorbildern suchen, die Holding durch und durch international aufstellen. Seiner Rolle ist sich Christian Haub in den vergangenen 17 Monaten immer bewusst gewesen. „Ich habe den Mitarbeitern viele schlechte Nachrichten bringen müssen: den Tod meines Vaters, das Verschwinden meines Bruders, die Ankündigung, die Holding aufzulösen und heute der Vollzug.“

Dennoch halte er die Werte des Familienunternehmens auch in dieser Stunde hoch und will es weiter tun. Jetzt blickt er vor allem nach vorn – als Unternehmer, nicht als Portfoliomanager.

Mehr: Bisher steckt vor allem das Geld der Familie Haub in der Wagniskapitalfirma. Nun will Firmenchef Christian Winter auch andere Investoren aufnehmen.

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