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Christian Hirmer Dieser Münchner Unternehmer betreibt das größte Herrenmode-Geschäft der Welt

Der Name Hirmer steht bislang vor allem für Anzüge, Krawatten und Pullover. Nun investiert der Manager in großem Stil in das Geschäft mit Luxus-Herbergen.
28.11.2019 - 03:57 Uhr Kommentieren
„Unsere Zielgruppe ist der gehobene Mittelstand.“ Quelle: Hirmer
Christian Hirmer

„Unsere Zielgruppe ist der gehobene Mittelstand.“

(Foto: Hirmer)

München Zum Glück sind die Brasilianer nicht nachtragend. Sonst stünde Christian Hirmers Hotel Campo Bahia wohl heute noch leer. Gerade so wie nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2014.

Da wollte kaum ein Einheimischer in der ehemaligen Teamherberge der deutschen Nationalmannschaft übernachten. Zu tief saß der Stachel der demütigenden Eins-zu-sieben-Niederlage Brasiliens gegen die DFB-Elf im Halbfinale.

Inzwischen aber sei die Anlage gut ausgelastet, beteuert der 49-Jährige. Vier von fünf Gästen seien Brasilianer. Wer unter solch schwierigen Umständen ein Hotel zum Laufen bekommt, der kann wohl auch eine ganze Kette managen – glauben sie zumindest in der Textildynastie Hirmer. Und so hat der Münchener Clan große Pläne im Gastgewerbe.

Vergangenes Jahr haben die Hirmers die Hotelgruppe Travel-Charme mit 700 Mitarbeitern übernommen. Neun Häuser betreiben sie nun unter der Marke, vier Hotels werden gerade entwickelt. Und dabei soll es nicht bleiben. „Wir streben in den nächsten zehn Jahren ein Wachstum auf mindestens 25 Hotels an“, sagte Familienoberhaupt Christian Hirmer dem Handelsblatt.

Der Name Hirmer stand bislang vor allem für Anzüge, Krawatten und Pullover. In der Münchener Fußgängerzone betreibt die Familie das eigenen Angaben zufolge größte Herrenmodehaus der Welt; mehr als eine Million Konsumenten drängen sich jedes Jahr zwischen den Ständern und Regalen. In elf Läden im gesamten Bundesgebiet bieten die Bayern zudem Übergrößen für Männer an. Damit nicht genug: Der Familie gehört auch der Luxusmode-Filialist Eckerle.

Immobiliengeschäfte sind für Christian Hirmer trotzdem nichts Neues. Der Betriebswirt und Fachanwalt für Steuerrecht promovierte einst zwar über „Erfolgspotenziale in der textilen Wertschöpfungskette“. Er hat aber schon vor 20 Jahren damit begonnen, Wohngebäude und Gewerbeobjekte zu erwerben.

So wollte er ein zweites Standbein neben dem Handel aufbauen. Die Hirmers lassen sich nicht in ihre Bilanzen blicken, aber auf dem Papier hat Hirmer sein Ziel inzwischen erreicht: 138.000 Quadratmeter umfasst der Bestand. Nun ist mit den Hotels ein dritter Bereich dazugekommen.

Stets ein guter Gastgeber sein

„Er ist ein pragmatischer Visionär mit dem Blick fürs Wesentliche“, beschreibt Klaus Harnack den Unternehmer. Der geschäftsführende Gesellschafter der Unternehmensberatung Hachmeister + Partner begleitet Hirmer schon seit Jahren und sitzt im Beirat der Handelssparte. Es sei der Anspruch der Familie Hirmer, stets ein guter Gastgeber zu sein. Das verbinde die beiden Bereiche Handel und Hotels.

Zwei Familienstämme besitzen die Firma. Eine Hälfte gehört Christian Hirmer und seinen beiden Geschwistern. Die andere Hälfte dem Cousin Ulrich Hirmer. Kopf der Sippe ist Christian Hirmer als Sprecher der gesamten Unternehmensgruppe. An ihn berichten fünf Geschäftsführer, die nicht der Familie angehören und die einzelnen Bereiche führen.

Externe Fachleute für das Tagesgeschäft einzustellen sei genau der richtige Weg, findet Berater Harnack: „Das ist klug und weitsichtig.“ So bleibe Hirmer genügend Zeit, sich um die großen strategischen Entscheidungen zu kümmern.

Auch für die Hotels hat Hirmer einen Manager von außen eingestellt. Trotzdem ist der verheiratete Vater von vier Kindern selbst mit Herz und Seele dabei und kümmert sich gemeinsam mit seiner Frau auch schon einmal um die Innenausstattung. „Die Gäste sollen den Bezug zu den Orten und die Individualität der Hotels spüren“, lautet Hirmers Credo.

Es sind ausschließlich Vier- und Fünfsterne-Hotels, die die Hirmers betreiben. Das ist kein Zufall. So wie bei der Herrenmode, so haben sie auch in der Gastronomie hohe Ansprüche. „Mit Budget-Häusern könnten wir uns bei Travel-Charme nicht identifizieren. Unsere Zielgruppe ist der gehobene Mittelstand“, erläutert Hirmer.

Die Standorte verteilen sich auf Meer und Berge und sollen für Wochenendtrips attraktiv sein: Die Hotels liegen auf Rügen und Usedom, im Harz, dem Kleinwalsertal und bald auch am Gardasee und in Bad Gastein.

Hirmer sieht viele Gemeinsamkeiten zwischen dem angestammten Textilgeschäft und der für die Familie neuen Hotellerie: „Unsere oberste Maxime: Wir denken vom Kunden aus. Im Handel genauso wie in den Hotels.“

Übernahme streut das Risiko

Tourismusexperte Axel Gruner glaubt, dass sich Modegeschäfte und Hotels gegenseitig befruchten. Beide würden dieselbe Klientel bedienen. So ließen sich die Hotels im Münchener Textilhaus, den Filialen und dem Versandhandel bewerben, in den Hotels wiederum könnte Hirmer Reklame für seine Kleider machen.

Die Übernahme von Travel-Charme sei auch sinnvoll, um das Risiko zu streuen, meint der Professor an der Hochschule München. Allerdings seien gerade die Fünf-Sterne-Hotels sehr anspruchsvoll zu führen: „Da ist viel Personal nötig, es braucht große Flächen, alles in allem ist das ein gewaltiger Aufwand. Eine hohe Auslastung ist deshalb enorm wichtig.“

Damit nicht genug. Hirmer müsse es auch gelingen, eine neue, jüngere Kundschaft in die zum Teil sehr traditionsreichen Häuser zu bringen. „Und das, ohne die bestehenden Gäste zu vergraulen“, so Gruner.

Wie viel die Hirmers in ihre Hotels investieren, wollen sie nicht verraten. Eins ist Christian Hirmer aber wichtig. Das Modehaus werde darunter nicht leiden. Auch auf den 9000 Quadratmetern in bester Münchener Innenstadtlage werde sich einiges ändern. Er denkt an ein Café im Erdgeschoss, an Grillabende auf der Dachterrasse, vielleicht entsteht sogar eine Vinothek.

Denn im Grunde sei es in dem Laden ja nicht so viel anders wie in den Hotels. Die Leute sollten sich wohlfühlen. Und so findet sich mancher der 2000 Beschäftigten der Gruppe mitunter an ganz ungewohntem Ort. „Wir hatten in der Vergangenheit schon interessante Projekte, während denen Mitarbeiter aus dem Handel den Arbeitsplatz mit Mitarbeitern aus dem Hotel für eine Woche getauscht haben“, erzählt Hirmer.

„Der Rezeptions- mit dem Verkaufsmitarbeiter beispielsweise.“ Die Gastgeberrolle einmal in einem völlig neuen Bereich zu leben – das sei eine besondere Erfahrung.

In den Herbstferien war der Firmenchef wieder einmal in seinem eigenen Hotel in Brasilien. Doch arbeiten musste er nicht, er konnte sich mit seiner Familie am Strand entspannen. Der Manager vor Ort hat Campo Bahia voll im Griff.

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