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Christian Klöber und Daniel Krumme Wie die Corona-Pandemie den Vliesproduzenten Innovatec ins Rampenlicht rückt

Der Vlieshersteller Innovatec fährt die Produktion wegen der Corona-Pandemie hoch. Der Bund fördert den Marktführer mit einem Millionenbetrag.
05.06.2020 - 17:56 Uhr Kommentieren
Innovatec ist Marktführer im Bereich medizinischer Vliesstoffe. Quelle: Matthias Hoffmann
Christian Klöber (links) und Daniel Krumme

Innovatec ist Marktführer im Bereich medizinischer Vliesstoffe.

(Foto: Matthias Hoffmann)

Troisdorf Christian Klöber verkörpert all das, was einen verschwiegenen Familienunternehmer ausmacht: Zahlen zum Umsatz will der Inhaber des Vliesproduzenten Innovatec in Troisdorf nicht verraten. Nicht einmal, wie viele Anlagen zur Vliesherstellung er besitzt – nur so viel: Es sind mehr als zehn.

Und er ist sich sicher, dass aktuell kein Unternehmen mehr solcher Anlagen hat als Innovatec. Auch zu den Rohstoffpreisen für die Produktion von sogenanntem Meltblown-Vlies, das für die Produktion von professionellen Atemschutzmasken benötigt wird, sagt er nicht gern etwas. Das brauchte er bislang auch nicht.

Sein Unternehmen beschäftigt gerade einmal 100 Mitarbeiter und hat sich in einer sehr speziellen Nische die Marktführerschaft in Europa und auch darüber hinaus erarbeitet. Der Marktanteil liegt nach Klöbers Angaben bei mehr als 50 Prozent. Über den chinesischen Markt habe er allerdings keinen Überblick, schränkt er ein.

Nun hat die Coronakrise den Eigentümer Klöber und den Geschäftsführer Daniel Krumme mit einem Mal in die Öffentlichkeit gerückt. An diesem Freitag hatten sich sogar Fernsehteams angekündigt. Denn Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kam persönlich von Berlin ins Rheinland, um Klöber und Krumme die allererste Förderung in Höhe von 3,4 Millionen Euro für eine sogenannte Meltblown-Anlage zu übergeben – unter den gegebenen Hygienevorschriften, versteht sich.

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    Meltblown-Vlies ist 70-mal dünner als ein Haar und gehört zu den nichtgewebten Vliesen. Das heißt, dass die Fasern zufällig angeordnet werden. Der Vorteil: Sie filtern sehr gut und lassen dennoch viel Luft durch. Sie werden für OP-Masken und die sogenannten FFP2- und FFP3-Masken benötigt.

    Peter Altmaier (CDU) übergab am Freitag die Förderung an den Vlies-Hersteller Innovatec. Quelle: Matthias Hoffmann
    Bundeswirtschaftsminister vor Ort

    Peter Altmaier (CDU) übergab am Freitag die Förderung an den Vlies-Hersteller Innovatec.

    (Foto: Matthias Hoffmann)

    Die Bundesregierung hat während der Pandemie festgestellt, dass es ein Problem ist, sich von importierten Schutzmasken abhängig zu machen. Sie hat daher entschieden, Anlagen zur Herstellung dieses besonderen Vlieses zu fördern, das nicht nur Viren besonders gut stoppt, sondern es auch den Trägern ermöglicht, vergleichsweise gut darunter zu atmen. Zum anderen hat die Bundesregierung beschlossen, auch Maschinen für die Produktion von Masken zu fördern.

    Ein Drittel des Anschaffungswertes bekommen die Firmen erstattet. „Unser Ziel ist es, langfristig die gesamte Wertschöpfungskette – von den Maschinen über das Filtervlies bis hin zu Schutzmasken – abzudecken“, sagte Bundeswirtschaftsminister Altmaier in Troisdorf. „Hierfür setzt Innovatec als Hersteller von Maskenvlies ein wichtiges Signal.“

    Innovatec ist das erste Unternehmen, das im Rahmen des bundesweiten Aufbaus einer Maskenindustrie staatlich gefördert wird. Insgesamt produzieren die beiden neu geplanten Anlagen 1500 Tonnen Meltblown-Vlies pro Jahr. Um den Aufbau einer heimischen Maskenindustrie zu unterstützen, werde Innovatec vorrangig nach Deutschland und Europa liefern.

    Weitere Maschinen geplant

    Darüber hinaus hat sich die Bundesregierung bis Ende 2021 zu einer wöchentlichen Abnahme von 40 Millionen OP-Masken und zehn Millionen FFP2- und FFP3-Masken verpflichtet. OP-Masken sind Medizinprodukte und unterliegen daher strengeren Anforderungen als FFP-Masken, die als Arbeitsschutzmasken im Bergbau oder bei Lackierarbeiten genutzt werden.

    Klöber hat seine neueste Maschine, die nächste Woche mit der Produktion startet, schon lange vor der Coronakrise gekauft und wird nun eine andere für die Vliese zur Maskenproduktion umrüsten. Bis Ende des Jahres soll es noch zwei weitere Maschinen geben – Kostenpunkt: 21 Millionen Euro –, die dann nur das Vlies für die Masken produzieren. Ab nächster Woche sollen bei Innovatec 35 Millionen OP-Masken pro Woche produziert werden – aktuell ist es die Hälfte.

    Innovatec liefert Vlies für Filtermedien (Luft und Flüssigkeiten), Staubsaugerbeutel und Absorber an deutsche Kunden. Das macht rund 35 Prozent des Umsatzes aus. Hinzu kommen als größere Produktgruppen noch Vliese für Reinigungstücher, die für rund ein Drittel des Umsatzes stehen, und solche für die Lebensmittelindustrie, die rund 15 Prozent des Umsatzes ausmachen. Die größten Kunden kommen aus Deutschland.

    Das Vlies für die Produktion von Schutzmasken machte bislang gerade einmal fünf Prozent des Umsatzes aus, und weil es in Deutschland keine Maskenhersteller gab, lieferte Innovatec vor allem nach Italien, Frankreich, in die Niederlande und die Türkei. Doch Geschäftsführer Krumme rechnet nun mit einer deutlichen Steigerung des Umsatzanteils für die Maskenproduktion. „Die Nachfrage auch aus China ist unverändert hoch“, sagt er. Die Maschinen laufen 24 Stunden an sieben Tagen. Wegen der Vollauslastung mussten neue her.

    Die Anlagen sind sehr teuer – da kommen schon mal zehn Millionen Euro Kosten pro Maschine zusammen. Zudem ist sehr viel Know-how nötig. Ein weiteres Tochterunternehmen von Klöbers Familie, die Firma Granulat, liefert die notwendigen Additive, das Polypropylen kommt von anderen Herstellern. Klöber und Krumme, die beide in England studierten, hatten bereits dort zusammengearbeitet.

    Und natürlich ist es kein Zufall, dass Innovatec in Troisdorf sitzt. Dort wirtschaftet auch das Familienunternehmen Reifenhäuser. Der Maschinen- und Anlagenbauer ist weltweit der größte Hersteller von Vliesanlagen, von denen rund 75 Prozent ins Ausland verkauft werden. Als die beiden ursprünglichen Gründer 1995 mit Innovatec starteten, war die erste Anschaffung eine Maschine von Reifenhäuser.

    Innovatec und Reifenhäuser sind beides Beispiele für typische mittelständische Familienunternehmen, die es in einer sehr speziellen Nische zur Marktführerschaft gebracht haben. Der Chef des Maschinenbauers, Bernd Reifenhäuser, ist ebenso wie Klöber davon überzeugt, dass es durchaus sinnvoll ist, dass es künftig Vlies und Masken made in Germany gibt. Auch er ist an diesem Tag gekommen, an dem der Bundeswirtschaftsminister zu Besuch ist. Durch den hohen Automatisierungsgrad sei man schon wettbewerbsfähig – auch wenn Marktbeobachter fürchten, dass nach dem Engpass wieder billige Masken aus China den Markt fluten.

    25 neue Mitarbeiter sollen eingestellt werden

    Tatsächlich gehe man davon aus, urteilt Klöber. „Der Einkauf in den Krankenhäusern ist sehr preisorientiert. Bundesgesundheitsminister Spahn will aber eine eigene Industrie etablieren. Ich glaube, dass eine Maske made in Germany eine Chance hat, das ist so wie mit der Babymilch dann ein Gütesiegel.“

    Denn „97 Prozent der Masken sind in internen Tests in unserem Labor durchgefallen“, stellt Klöber mit Blick auf Importe aus dem Ausland nüchtern fest. Da werde auch viel betrogen, weil die Nachfrage so groß ist. Das zeige auch das Beispiel der Essener Feuerwehr, die große Mengen an Masken zurückschicken musste.

    Zugleich seien die Anforderungen der Ärzte und des medizinischen Personals hoch, sagt Krumme: „Sie wollen Material, das sicher ist. Unser Innovamed ist nicht wesentlich teurer, durch den hohen Automatisierungsgrad ist eine deutsche Produktion wettbewerbsfähig.“

    Der 49-jährige Klöber und sein 41-jähriger Geschäftsführer haben bereits in anderen Unternehmen der Klöber-Familie gearbeitet: bei Granulat und der Klöber-Gruppe. Klöbers Familie war zuvor in einer anderen Branche aktiv gewesen: Sein Vater hatte eine Firma für Dachzubehör in Ennepetal, die er später an den Baustoffkonzern Lafarge verkaufte. Weil das Unternehmen aber bereits mit dem damaligen Start-up Innovatec zusammenarbeitete, um Dachunterspannbahnen zu produzieren, übernahm die Familie Innovatec 1999, als einer der Gründer starb.

    Die beiden Manager haben sich tief in die Nische der Meltblown-Produktion eingearbeitet und wollen angesichts der Inbetriebnahme der neuen Anlagen auch neue Mitarbeiter einstellen. 25 sollen es wohl werden.

    Es herrscht „Goldgräberstimmung“ im Maskenmarkt, beobachtet Klöber, doch er bleibt vorsichtig: „Wir schauen uns unsere neuen potenziellen Kunden an. Wir haben diejenigen identifiziert, von denen wir glauben, dass sie sich langfristig am Markt etablieren.“

    Zu diesen Unternehmen gehören auch das von Ming Gutsche Ende der 1990er-Jahre gegründete Unternehmen Dach Schutzkleidung oder die Firma Curt Maria in Hilden. „Das sind Unternehmen, die vorher schon im Medizinbereich tätig waren und daher über medizinisch ausgebildete Mitarbeiter verfügen und auch noch andere Produkte anbieten.“

    Mehr: Wie aus dem Tuning-Spezialisten Zender ein systemrelevanter Maskenproduzent wurde

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