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Christian Kunz Dieser Mann will Konsumenten helfen, ihre Daten zu Geld zu machen

Der Gründer will Konzernen die Hoheit über die Kundeninformationen entreißen. Nun sammelt der Ex-Ebay-Manager Millionen für die Expansion in Deutschland ein.
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Der Gründer will nach Deutschland expandieren. Quelle: BitsaboutMe
Christian Kunz

Der Gründer will nach Deutschland expandieren.

(Foto: BitsaboutMe)

München Die Payback-Karte im Supermarkt gezückt, später bei Amazon per Kreditkarte eingekauft, dann noch eine Reise gegoogelt. Jeder hinterlässt jeden Tag Spuren im Netz. Mit den Daten, die dabei entstehen, verdienen Konzerne wie Google Milliarden. Christian Kunz weiß das, weil er jahrelang für Onlinehändler wie Ebay gearbeitet hat. Mit seinem Start-up Bitsaboutme will der Gründer den Konsumenten die Kontrolle über ihre Daten zurückgeben. Mehr noch: Der promovierte Kernphysiker verspricht, dass die Leute damit sogar Geld verdienen.

Vor zwei Jahren hat der gebürtige Kölner Bits-aboutme in seiner Wahlheimat gegründet, der Schweizer Hauptstadt Bern. Nun möchte der Ex-Berater von McKinsey in Deutschland durchstarten – und braucht dafür Kapital. Bis zu drei Millionen Euro will er in den nächsten Monaten bei strategischen Partnern einsammeln, also Händlern, Marktforschern, Banken oder Versicherungen.

„In fünf Jahren wird jeder so eine App haben, auf der sich die Daten managen lassen“, erklärt Kunz. Auch andere Firmen weltweit versuchen, den Konsumenten dabei zu helfen, ihre Daten zu Geld zu machen. Dazu gehören etwa die Datenmarktplätze Wibson oder Datum.

Bitsaboutme sei dabei weiter als alle Wettbewerber. „Wir sind einzigartig in Europa“, behauptet der Unternehmer. Auf seiner Plattform können Privatleute die Daten ihrer sämtlichen Konten hochladen, von Amazon über Payback bis Zalando. Alles sei verschlüsselt, nur die Nutzer selbst hätten Zugriff, beteuert Kunz. Damit bekämen die Leute einerseits einen Überblick, welche Spuren sie überhaupt im Netz hinterließen, meint er.

Andererseits könnten Sie entscheiden, wem sie die Informationen zur Verfügung stellen. Marktforschern etwa, Firmen oder Forschern von Unis. Dafür bekämen sie jeweils ein paar Euro. In der Schweiz sei das etwas weniger relevant, wohl aber in Deutschland: „Es ist das Land der Schnäppchenjäger.“

Der Clou dabei: Wenn die großen Internetkonzerne die Kundendaten verwerten, müssen sie diese anonymisieren. Stellen die Konsumenten diese selbst zur Verfügung wie bei Bitsaboutme, sind sie wertvoller. Denn die Käufer der Informationen wissen, wer dahintersteckt.

Datenhunger der Marktforscher

Kunz verdient sein Geld, indem er von jeder Transaktion ein Fünftel kassiert. Das sind allerdings häufig nur Cent-Beträge. „Deshalb brauchen wir Millionen Nutzer“, so der Gründer. Bislang seien es lediglich ein paar Tausend, insbesondere auf dem Schweizer Heimatmarkt von Bitsaboutme. Doch auch damit ließe sich schon etwas verdienen, meint Kunz. Denn die Datenbasis von Marktforschern sei in dem Land mitunter auch nicht größer.

Seine ersten Kunden hat Kunz bereits gewonnen. Christoph Ludmann, Chef des Reiseportals Holiday-Check Schweiz, sieht die Zusammenarbeit sehr positiv. Newsletter-Abonnenten würden Informationen über vergangene Urlaubsziele seiner Plattform zur Verfügung stellen. Dafür bekämen sie fünf Franken Prämie. Ludmann: „So können wir auf eine faire, innovative Art unseren Kunden maßgeschneiderte Angebote machen.“ Er sei davon überzeugt, dass der transparente Umgang mit Kundendaten „für uns langfristig einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bringt“.

Kunz hat die Firma mit derzeit neun Mitarbeitern vor drei Jahren gegründet. Das war kein Zufall. Er war damals Chef von Ricardo, einer Schweizer E-Commerce-Plattform, die er gerade im Auftrag der Eigentümer verkauft hatte. Nun suchte er eine neue Herausforderung. Zur selben Zeit trat die sogenannte Datenschutz-Grundverordnung in Kraft. „Das war ein Paradigmenwechsel“, konstatiert der Unternehmer. Die EU-Richtlinie verpflichtet Firmen, Kunden eine Kopie ihrer gesammelten Daten zur Verfügung zu stellen. Und das in einem „strukturierten, gängigen und maschinenlesbaren Format“. Das ist bis heute die Grundlage für das Geschäft von Bitsaboutme.

Fachleute sehen den Vorstoß von Kunz positiv. „Konsumentenzentrierte Datenmärkte wie Bits-aboutme sind ein wichtiger Beitrag zur digitalen Selbstbestimmung“, meint Elgar Fleisch. Der Professor für Informations- und Technologiemanagement an der ETH Zürich und der Universität Sankt Gallen arbeitet mit der kleinen Firma in dem Forschungsprojekt Receipt2Nutrition zusammen. Verbraucher stellen über die Plattform vollautomatisch und anonym die elektronischen Kassenzettel ihrer Lebensmitteleinkäufe für die Ernährungsstudie zur Verfügung.

Im Gegenzug erhalten sie personalisierte Nutri-Score-Auswertungen und Tipps für eine gesündere Ernährung. Fleisch: „Damit kann jeder sein individuelles Risiko für ernährungsbedingte Krankheiten im Blick halten und senken, ohne über jede Mahlzeit Protokoll führen zu müssen.“ Solche Auswertungen der eigenen Einkaufsdaten könnten bald schon so normal sein wie das Schrittzählen, glaubt Fleisch.

In einer ersten Finanzierungsrunde besorgte sich Kunz vergangenes Jahr eine Million Schweizer Franken. Genügend, um seinen Service nach dem Start in der Eidgenossenschaft auch in Deutschland anzubieten. Aber zu wenig, um den deutschen Markt richtig zu bearbeiten. Deshalb versucht er nun, noch mehr einzutreiben. Und auch das dürfte nur ein Zwischenschritt sein. Bitsaboutme könnte in Zukunft über den deutschsprachigen Raum hinausreichen. Dann seien zweistellige Millionenbeträge nötig, so Kunz.

Mehr: Ob Shopping-Seiten oder Dating-Apps: Überall hinterlässt man Spuren im Netz. Werden diese nicht gelöscht, können sie eines Tages zur Gefahr werden.

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