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Christian Senitz, Christine Claussen Know-how fürs Wachstum: Die Fotoagentur Eyeem rüstet personell auf

Die Berliner Fotoagentur Eyeem holt zwei neue Manager an Bord. Die sollen stärker auf die Zahlen achten – ohne App-Nutzer zu vergrätzen.
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Verstärkung für den strategischen Kurs Quelle: EyeEm
Christian Senitz, Christine Claussen

Verstärkung für den strategischen Kurs

(Foto: EyeEm)

Berlin Die Gründungslegende der Foto-App Eyeem ist fast zu schön, um wahr zu sein. Demnach hat Mitgründer Florian Meissner vor zehn Jahren seine Karriere als BWLer bei Henkel nach kurzer Zeit wieder beendet und ist nach New York gezogen. „Nach nur einem Monat bin ich in der U-Bahn überfallen worden. Mein gesamtes Foto-Equipment war weg“, erzählt er. Ab da musste er mit einem Smartphone fotografieren – und entdeckte das Potenzial der einfachen Kameras zusammen mit Software in App-Form. 

Der Erfolg von Instagram zeigt: Foto-Communities funktionieren als Social Media bestens. Meissners Gründung Eyeem verfolgt ein etwas anderes Modell. Die Foto-Community aus Berlin-Kreuzberg verspricht ihren Nutzern, mit den Bildern auch Geld verdienen zu können.

Große Unternehmen können mit den Bildern aus der Community Präsentationen und Werbeauftritte anreichern – und die Fotografen erhalten Geld. Zumindest ein bisschen: Zehn Euro etwa für die Nutzung in Social Media, für andere Nutzungen bis zu 125 Euro. Die meisten allerdings gehen bislang leer aus, weil ihre Bilder nicht gekauft werden.

Seit zwei Jahren beobachtet Meissner jedoch, dass das Geschäft auch finanziell in Gang kommt. 24,5 Millionen Nutzer verzeichnet die App – die Bildauswahl ist nun umfangreich genug, um sie im großen Stil zu vermarkten. Dafür holt er Verstärkung an Bord: Christine Claussen soll die knapp 70 Mitarbeiter als neue COO – also operative Chefin – auf strategischen Kurs bringen. Zudem kommt ein neuer Finanzchef von Rocket Internet: Christian Senitz.

Die Personalien sind ein Zeichen für die Professionalisierung und stärkere Ausrichtung darauf, profitabler zu arbeiten. Laut Bundesanzeiger sind bis Ende 2016 – neuere Zahlen gibt es nicht – 21 Millionen Euro Verlust aufgelaufen. Vor zwei Jahren geriet Eyeem in Turbulenzen: Ende 2017 mussten die Investoren zehn Millionen Euro nachschießen, Eyeem trennte sich von einigen Entwicklern. Im Gegenzug baute das Unternehmen den Vertrieb aus. Zu den Investoren gehören Access Industries, Wellington Partners und Earlybird. Insgesamt hat Eyeem gut 31 Millionen Euro an Kapital eingesammelt.

Ein Börsengang als Option

„Wir holen mit den beiden Neuzugängen Management-Know-how für die nächste Wachstumsphase ins Unternehmen“, sagt der 34-jährige Meissner. Das Problem kennen viele Gründer: Zunächst stehen Technik und Idee im Fokus – wenn es ans Vermarkten und Managen größerer Teams geht, sind andere Fähigkeiten gefragt.

Claussen ist erkennbar ein anderer Typ als Meissner: Während der Mitgründer in farbigen Anekdoten spricht, klingt die Harvard-MBA-Absolventin eher nach Managersprech: Sie wolle eine „Performancekultur“ einfordern, sagt die 36-Jährige beispielsweise. Dazu verpflichtet sie die Teams erstmals auf vierteljährliche Ziele. Claussen hat für die Aufgabe den Medienkonzern Axel Springer verlassen, wo die Volkswirtin das Büro von Vorstandschef Mathias Döpfner leitete. „Ich bin begeistert von den Potenzialen bei Eyeem“, sagt sie.

Während Claussen die internen Abläufe verbessert, soll der neue Finanzchef auch künftige Optionen ausloten. Senitz habe schließlich schon bei Rocket Internet den Börsengang begleitet, betonte Meissner. Das wäre auch für Eyeem denkbar – ebenso wie Interesse von strategischen Investoren.

Große Kunden gibt es bereits: Meissners Ex-Arbeitgeber Henkel nutzt Bilder von Eyeem, um seine Schwarzkopf-Shampoos in Szene zu setzen. Die Berater von Boston Consulting haben Zugriff auf die Bilddatenbank, um ihre Präsentationen aufzuhübschen. Dabei hilft automatische Bilderkennung, eine einheitliche Bildsprache zu finden. Inzwischen gibt Eyeem auch gezielte Aufträge an ausgewählte Nutzer der App weiter, etwa für eine Kampagne der Bank N26. Solche neuen Angebote zahlen sich für Meissner aus: 2018 habe sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.

Um auch in der Konkurrenz gegen Anbieter wie Shutterstock und iStockphoto punkten zu können, umwirbt Meissner neben den Konzernen auch weiter die Fotografen. Durch die internationale Nutzerbasis könne Eyeem eine ungewöhnlich große Bilderwelt liefern – auch aus entlegenen Weltregionen, lobt J. Konrad Schmidt, vom Vorstand des Fotografenverbands BFF. Attraktiv sei die Plattform allerdings eher für Amateurfotografen: Zwar sei der prozentuale Anteil von 50 Prozent am Umsatz für die Fotografen fair, doch absolut komme für Profis zu wenig dabei herum.

In den App-Kommentaren beschweren sich viele, noch nie eine Zahlung erhalten zu haben. Auch Meissner gibt an, erst an eine sechsstellige Zahl von App-Nutzern gezahlt zu haben – weit weg vom selbst verkündeten Ziel, einer Million Fotografen ein Leben von der App zu ermöglichen.

Mehr: US-Start-ups profitieren von risikobereiten Investoren: Sie haben mehr Zeit bis zum Börsengang. Das bringt Milliardenbewertungen – doch das zahlt sich nicht immer aus.

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