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Clemens Fischer Dieser Pharma-Unternehmer will Schmerzen mit Cannabis bekämpfen

Clemens Fischer vertreibt mit seinen Pharmaunternehmen Produkte wie Kijimea. Jetzt steigt der 44-Jährige in den lukrativen Cannabis-Markt ein.
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Der promovierte Mediziner hat ein sehr gutes Gespür fürs Geschäft. Quelle: Futrue
Clemens Fischer

Der promovierte Mediziner hat ein sehr gutes Gespür fürs Geschäft.

(Foto: Futrue)

Frankfurt Binnen eines Jahrzehnts hat Clemens Fischer ein millionenschweres Pharmaunternehmen für freiverkäufliche Arzneimittel aufgebaut. Jetzt will der 44-Jährige im vielversprechenden Cannabis-Markt Fuß fassen. Und zwar vor allem im Bereich der Schmerztherapie, denn: „Es gibt allein in Deutschland bis zu fünf Millionen Patienten mit chronischen Schmerzen, und fast die Hälfte ist unzureichend therapiert.“

Der promovierte Mediziner und Betriebswirt mit MBA kennt sich aus auf diesem Gebiet, verkauft er doch seit Jahren Arzneimittel gegen Schmerzen. Cannabis habe auf diesem Gebiet ein großes Potenzial, findet er.

Ab sofort bietet Fischer mit seinem in Gräfelfing bei München ansässigen Unternehmen Vertanical Cannabis-Extrakte auf dem deutschen Markt an. Diese Rezepturarzneimittel können schwerkranken Patienten seit Frühjahr 2017 auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden. Damals wurde Cannabis für den medizinischen Einsatz in Deutschland freigeben.

Zugleich arbeitet Fischers Unternehmen an einem zulassungspflichtigen Schmerzmedikament auf Cannabis-Basis, das im nächsten Jahr in die entscheidende klinische Phase vor der Zulassung starten soll. Wenn alles gut läuft und die europäische Zulassungsbehörde grünes Licht gibt, könnte das Mittel 2022 oder 2023 auf dem Markt sein.

Die Weichen für eine entsprechende Produktion des Rohstoffs, die Cannabis-Blüten, hat Fischer gestellt. Unter anderem mit dem Aufbau einer Anlage in Dänemark. In Kerteminde am Großen Belt lässt Fischer in Gewächshäusern medizinisches Marihuana anbauen.

Fischer ist zwar auch Mediziner, sieht sich selbst vor allem aber als Unternehmer. „Meine Motivation ist es, echte Innovationen mit wissenschaftlich belegtem Nutzen für Patienten zu entwickeln, und diese schneller als die herkömmliche Pharmaindustrie zur Verfügung stellen zu können.“

Finanziell gut aufgestellt

Das Pharmabusiness hat er über einige Jahre beim Novartis-Konzern gelernt. Weil ihm im Großkonzern manches zu langsam ging, startete er 2007 sein Unternehmen Fischer Healthcare und gründete in den Folgejahren weitere Arzneimittelfirmen. Heute hat Fischer unter dem Dach seiner Futrue Holding insgesamt 24 Unternehmen gebündelt.

Zu den bekanntesten Produkten aus Fischers Pharmawelt gehören Kijimea gegen Reizdarm und die nicht verschreibungspflichtigen Mittel Restaxil oder Rubaxx gegen Schmerzen.

Rund 96 Millionen Euro Umsatz erzielte Futrue laut Bundesanzeiger im Jahr 2017, der Jahresüberschuss lag bei 20 Millionen Euro. Mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 90 Prozent und fast 200 Millionen Eigenkapital ist Fischer finanziell gut aufgestellt. Wie viel Umsatz Futrue 2018 erzielte, dazu macht Fischer keine Angaben. Das Wachstum sei stark gewesen, und in diesem Jahr peile er einen Zuwachs von zehn Prozent an, heißt es.

Nach Einschätzung des promovierten Neurologen Michael Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga, ist der Ansatz der geplanten Studie von Vertanical seriös und entspreche den aktuellen Standards bezüglich Design, Umsetzung und geplanter Fallzahl für Zulassungen.

Aus Sicht der Schmerzliga ist die Durchführung kontrollierter klinischer Studien zu Cannabis als Medizin dringend notwendig. „Mit dem geplanten klinischen Studienprogramm geht Herr Fischer einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung – ob er erfolgreich sein wird, bleibt allerdings abzuwarten“, so Überall.

Mehr: Die schrittweise Legalisierung von Cannabis lockt in den USA Unternehmer und Hedgefonds auf den Markt – doch die unklare Rechtslage hat kuriose Folgen.

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