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Constanze Buchheim Diese Gründerin vermittelt Führungskräfte mit Digitalkompetenz

Constanze Buchheim nutzt ihre Kenntnis der Berliner Start-up-Szene für ihre Personalberatung. Zu ihren Kunden gehören große Tech-Konzerne ebenso wie Mittelständler.
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„Digitalisierung ist Trial and Error. Man muss in der Lage sein, Angst und Frust auszuhalten.“ Quelle: Alex Klebe
Constanze Buchheim, Gründerin von I-Potentials

„Digitalisierung ist Trial and Error. Man muss in der Lage sein, Angst und Frust auszuhalten.“

(Foto: Alex Klebe)

Berlin Als Constanze Buchheim ihr BWL-Studium beendet hatte und auf Jobsuche war, verkündete sie, dass sie zwei Dinge niemals tun würde: im Personalwesen arbeiten und sich selbstständig machen.

Ersteres sei ihr schon im Studium zu langweilig gewesen, sagt sie heute, Letzteres habe sie bei ihren Eltern beobachtet und als abschreckend empfunden. Auch dass es sie beruflich zurück in die Kleinstadt in Sachsen-Anhalt ziehen würde, in der sie aufgewachsen war, hätte sie ausgeschlossen. Es kam anders.

Buchheims Firma I-Potentials ist heute zehn Jahre alt. Die 37-Jährige vermittelt Führungskräfte mit Digitalkompetenz und berät Unternehmen in Organisationsfragen. Zu ihren Kunden gehören Start-ups und große Tech-Konzerne ebenso wie Mittelständler und Konzerne, die händeringend nach Managern für die digitale Transformation suchen. Das Personal ist vom weichen Thema zur strategisch wichtigen Ressource geworden.

Der Aufbau einer mehrfach ausgezeichneten Organisation mit 25 Mitarbeitern war für die dreifache Mutter kein Selbstläufer. Um eines aber hat sie sich nie Sorgen machen müssen: die Nachfrage. „Talent ist der begrenzende Faktor für den Erfolg eines Unternehmens“, sagt Buchheim. Eine Vermittlung bei ihr kostet ab 60.000 Euro aufwärts.

„Sie weiß, wie digitale Unternehmen funktionieren und welche Leute man in welcher Phase braucht“, sagt Dirk Graebner, Gründer des Brillenhändlers Mister Spex und langjähriger Kunde von I-Potentials. Er lasse sich immer wieder auch Lebensläufe von einer der großen Personalberatungen schicken – doch diese hätten oft weder Verständnis für digitale Geschäftsmodelle noch belastbare Kontakte in der Szene.

Persönlichkeit und Haltung

Buchheim ist in der Branche zu Hause. Angefangen hat sie als Assistentin von Lukasz Gadowski. Der hatte gerade die T-Shirt-Plattform Spreadshirt gestartet und brauchte dringend Leute.

Das Problem: Viele der zu besetzenden Positionen hatte es bis dato nicht gegeben. Buchheim blieb nichts anderes übrig, als sich dem ungeliebten Personalthema zu widmen. Es half nichts, in den Lebensläufen potenzieller Kandidaten nach passenden Erfahrungen zu suchen. Es mussten neue Kriterien her.

Was sie damals gelernt habe, gelte noch heute, meint Buchheim: „Wir rekrutieren Persönlichkeit und Haltung. Den Rest kann man lernen – und muss man auch, schließlich wird die Halbwertszeit von Wissen immer kürzer.“ Um die richtigen Kandidaten zu finden, müsse man darum auch herausarbeiten, auf welchen Werten eine Organisation beruhe.

Als Gadowski nach Berlin ging, um als Investor Unternehmen wie Delivery Hero oder auch Mister Spex zu finanzieren, ging Buchheim mit und rekrutierte das Personal für die wachsende Szene, inzwischen als eigenständige Einheit. Anfangs war Gadowski noch beteiligt, später zahlte Buchheim ihn aus.

Stattdessen machte sie die Personalberaterin Martina van Hettinga zur geschäftsführenden Partnerin. Mit Katja Bauer kam im vergangenen Jahr noch eine Partnerin dazu. Die Gründerin kann nicht mehr jedes Mandat selbst betreuen – aber ihre Kunden erwarten Beratung auf Augenhöhe. „Es geht um wichtige Positionen, es geht um die Zukunft“, sagt Buchheim.

Auch ihre eigene Firma muss sich anpassen. Ihre Szenekenntnisse sind kein Alleinstellungsmerkmal mehr, mit Akteuren wie D-Level, gegründet von Katharina Wolff, gibt es längst Konkurrenz im gleichen Segment.

Hinzu kommt: Zahlreiche HR-Start-ups arbeiten an Künstlicher Intelligenz für die Personalsuche. Auch Buchheim lässt gerade eine Software entwickeln. Die höchste Führungsebene aber, ist sie sicher, „bleibt ein Vertrauensbusiness“.

Das richtige Personal zu finden aber wird auch für einen Profi zunehmend zum Problem. „Mit den Preisen können wir hier in Berlin nicht mithalten“, sagt Buchheim. So kam sie auf die Idee, es in der Provinz zu probieren, in Querfurt in Sachsen-Anhalt, wo sie aufgewachsen ist. Sie heuerte vier Quereinsteiger an, bildete sie zu Recherchekräften aus und gründete eine Außenstelle.

Buchheim glaubt, dass die Menschen in Regionen, in denen nicht die höchsten Löhne gezahlt werden, einen entscheidenden Vorteil haben: „Sie haben Lust, zu lernen und weiterzukommen.“

Das sei auch für die Bildung entscheidend. Wichtiger, als den Kindern das Programmieren beizubringen, sei es, dass sie neugierig blieben. Und resilient: „Digitalisierung, das ist Trial and Error. Man muss in der Lage sein, Angst und Frust auszuhalten“, sagt Buchheim. „Das erfordert emotional stabile Menschen.“

Mehr: Fachkräfte sind rar und werden von vielen Firmen gejagt. Damit floriert auch das Geschäft der Personalberater. Statt auf Software setzen diese noch auf persönliche Kontakte.

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