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Coronakrise Ein Berliner Gründer auf der Suche nach Investoren im Silicon Valley – ein Frustbericht

Noch Anfang des Jahres interessierten sich mehrere potenzielle Geldgeber für das deutsche Start-up. Doch durch die Coronakrise hat sich die Situation dramatisch verändert.
12.04.2020 - 16:33 Uhr Kommentieren
Die Stadt ist leer; auch Investoren bleiben zu Hause. Quelle: AFP
Straße in San Francisco

Die Stadt ist leer; auch Investoren bleiben zu Hause.

(Foto: AFP)

San Francisco, New York Ende Februar sitzt der Gründer eines Berliner Start-ups, der anonym bleiben will, an der Bar eines irischen Pubs in San Francisco und erzählt von seinem aufregenden Tag. Der Pub ist halb voll, ein paar Gäste spielen Billard. Auf einem Fernseher an der Wand läuft eine Beitrag des Fernsehsenders CNN: In Italien sind zwei Menschen an einem Virus gestorben, das Experten neuartig nennen.

Der Unternehmer hat den ganzen Tag in Meetings verbracht, mit Investoren im Silicon Valley und in der Stadt. Ein paar Tage davor war er in London, heute Nacht geht es weiter nach New York. Der Unternehmer, Chef von mehreren Hundert Mitarbeitern, steckt mitten in der nächsten Finanzierungsrunde. In der Excel-Tabelle, die er zur Vorbereitung erstellt hat, stehen 150 Investmentfirmen. In den Wochen vor der Reise gab es zahlreiche Telefonate, um sich näher kennenzulernen und erste Fragen zu klären.

Die persönlichen Gespräche waren gut, trotzdem ist der Unternehmer schon Ende Februar etwas skeptisch: „Amerikanische Investoren versuchen, dich in irgendeine Schublade zu stecken: ,Ihr macht X, okay, dann seid ihr das Uber oder das Airbnb für X'“, sagt er damals.

Der Unternehmer ist kein Neuling in der Szene, er hat schon früher Geld eingesammelt. Insgesamt einen zweistelligen Millionenbetrag bis heute, vor allem bei deutschen Fonds. „Ein US-Investor wäre der nächste Schritt für uns“, sagt er im Pub.

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    In den Wochen danach gerät die Welt aus den Fugen: Aus dem „neuartigen Coronavirus“ wird eine weltweite Pandemie, die Zehntausende Todesopfer fordert und das öffentliche Leben in vielen Ländern abrupt stoppt.

    Aufschwung für Start-ups endet

    Die Finanzmärkte werden schwindsüchtig. Tourismus, Luftfahrt und Transport sind nur einige der Branchen, die in diesen Tagen tief in den Abgrund blicken – und Investoren weltweit mit ihnen.

    Und der Gründer wartet auf eine Investmentzusage.

    Für Start-ups auf der ganzen Welt endet nun ein langjähriger Aufschwung, es droht ein rapider Absturz. Seit der Finanzkrise 2008 ging es für schnell wachsende Technologie-Unternehmen eigentlich ständig bergauf.

    Gerade Europa holte in Sachen Risikokapital in den vergangenen Jahren auf: Zwischen 2016 und 2019 verdoppelte sich die Summe, die in europäische Start-ups investiert wurde, auf zuletzt mehr als 36 Milliarden Dollar.

    Die Risikokapitalgeber (VCs) spiegelten wider, was in der restlichen Finanzindustrie passierte. Das Geld war billig, lohnende Anlagen waren nur begrenzt vorhanden. Folglich verschob sich die Machtbalance von den umgarnten Investoren in Richtung der Unternehmer: Gute Geschäftsmodelle bekamen reichlich Geld, manchmal reichten schon gute Geschichten.

    Fehlende Menschlichkeit

    Doch vom Boom bis zur Pleite sind es bei schnell wachsenden, verlustträchtigen Start-ups oft nur ein paar Monate, wenn die Investoren plötzlich fernbleiben. „Die Mehrzahl der Start-ups ist nur für einige Monate durchfinanziert, danach benötigen sie frisches Geld“, sagte Peter Lennartz, Partner bei der Beratung EY, kürzlich dem Handelsblatt.

    „Jeder sagt immer: Für gute Unternehmen gibt es keinen schlechten Zeitpunkt, wir investieren in Teams und so weiter“, sagt auch der Gründer aus dem Pub, nun allerdings sitzt er vor seinem Laptop im Homeoffice statt im Silicon Valley.

    „Aber wenn es darauf ankommt, ist es doch alles anders.“ Ihn stört nicht mal, dass nicht jeder investieren will. Das sei von Anfang an klar gewesen. Aber manche ließen schon eine „minimale Menschlichkeit“ vermissen.

    Investoren, die sich bis zum Montag nach dem Treffen melden wollten, reagieren nun nicht mal mehr auf mehrere Nachfragen. Andere schicken Absage-Mails mit Nettigkeiten („Really impressed by your business model“) und scheinbaren Gründen („Not in our investment sweet spot in terms of size“), in denen aber sichtbar nur der Name des Adressaten ausgetauscht ist.

    Dabei zählt sein Unternehmen zu denen, deren Dienst auch während der Corona-Pandemie weiter gefragt ist, mehr denn je sogar. Es kommt viel Neugeschäft rein.

    Das vor der Krise gesteckte Ziel für März wurde locker erfüllt, allerlei neue Projekte sind denkbar. Auch der Wechsel von Hunderten Mitarbeitern ins Homeoffice habe gut geklappt.

    Das Problem waren die Investoren. Spätestens seit Anfang März sind viele Risikokapitalgeber im Überlebensmodus, als der Branchenprimus Sequoia Capital die Szene auf eine tiefe Krise einstellte, in der jeder sein Geld zusammenhalten müsse. Ein Investor sagte dem Gründer trotz Interesse ab, weil bis Mai erst mal gar kein Geld investiert werde – die Branche, die Risiko im Namen trägt, rennt vor dem Risiko davon.

    Mehr Risiko, aber nicht mehr Gewinn
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