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Coronakrise Michael Käfer will Feinkost in Seniorenheime bringen

Der Feinkosthändler und Party-Caterer ist stark von der Coronakrise betroffen. Doch seinen Optimismus lässt sich der Unternehmer nicht nehmen.
18.04.2020 - 14:15 Uhr Kommentieren
Feinkost Käfer ist nicht nur in München eine Institution. Quelle: Imago
Michael Käfer

Feinkost Käfer ist nicht nur in München eine Institution.

(Foto: Imago)

München Den „Chief Emotional Officer“ hat ein Mitarbeiter seinen Chef Michael Käfer einmal genannt. Der Feinkostkönig ist nicht nur für das Seelenheil seiner Kunden zuständig, auch um die Stimmung seiner Beschäftigten ist er stets besorgt.

Und in der aktuellen Coronakrise ist der Optimismus des 62-Jährigen ganz besonders gefragt. Denn etwa 80 Prozent der Umsätze von zuletzt erstmals mehr als 200 Millionen Euro macht Feinkost Käfer mit Partyservice, Catering auf Messen und anderen Veranstaltungen und mit der hauseigenen Gastronomie. All das liegt derzeit brach.

Käfer ist nun viel in den eigenen Läden unterwegs. Für die Mitarbeiter sei der Stress dort derzeit besonders groß, sagt er dem Handelsblatt. Es sei ungewohnt, den ganzen Tag mit einer Maske zu arbeiten. Da helfe es, wenn der Chef persönlich vorbeischaue.

Und der Handel laufe ja auch sehr gut. Champagner und andere Luxuswaren seien dabei weniger gefragt, doch interessanterweise kauften die Menschen derzeit wieder mehr Fleisch und Wurst.

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    „Gehobene Hausmannskost wollen die Leute derzeit haben.“ Auch der Bestellservice für zuhause und der Online-Shop verzeichnen Zuwächse. Das Angebot weitet Käfer aus, das werde auch nach der Krise helfen.

    Fast alle Catering-Aufträge werden storniert

    Doch die Einbußen ausgleichen kann all das nicht. Die Caterer in Deutschland gehören zu den Hauptbetroffenen der Krise. Schon im März hatte der Branchenverband Leca in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel Stornierungsquoten von mehr als 90 Prozent beklagt. „Durch den hohen Personaleinsatz im Event-Catering ist diese Branche aber nicht nur besonders betroffen, sondern auch besonders personalintensiv.“

    Besserung ist nicht in Sicht, in der vergangenen Woche wurde das Verbot von Großveranstaltungen bis August verlängert.

    Bei Käfer sind etwa 900 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Doch bange ist dem Unternehmer nicht. „Ich bin ein Verfechter davon, dass man einen gesunden Optimismus haben muss“, sagt Käfer. Das Land habe schon noch schlimmere Krisen gesehen, die Kriege zum Beispiel.

    Seine Firmengruppe sei zudem in Sachen Liquidität auch für eine längere Krise gut gerüstet. „Wir müssen uns um die Existenz keine Sorgen machen.“ Und so sei er in der Lage, die Krise als Chance zu sehen. Mancher Wettbewerber werde wohl nicht so lange durchhalten. Zudem nutze er die Zeit, um die Prozesse zu optimieren. „Die Produktivität ist ja im Dienstleistungsgewerbe meist nicht besonders hoch.“

    Vor allem aber hat er auch neue Angebote entwickelt. Virtuelle Geburtstagsfeiern zum Beispiel hat er schon ausgerichtet. Die Gäste werden per Videokonferenz zusammengeschaltet, Speisen und Getränke werden in einer Box jedem persönlich nach Hause geliefert.

    Drei-Gänge-Menüs für Seniorenheime

    Und ab dieser Woche bietet Feinkost Käfer die Belieferung von Altenheimen an, die ihre Küche wegen Corona schließen müssen. Die Kapazitäten in der Küche des Party-Services in Parsdorf bei München sind groß, hohe Hygienestandards und Kühlfahrzeuge vorhanden.

    Vom Frühstück über das Drei-Gänge-Menü bis zu Kaffee und Kuchen bietet Käfer Verpflegung an, und führt mit mehreren Einrichtungen vielversprechende Gespräche. „Es wäre toll, wenn das etwas wird.“

    Feinkost Käfer ist nicht nur in München eine Institution. Neben dem Stammhaus mit Feinkost-Handel und Edel-Restaurant betreibt er zum Beispiel ein Wiesnzelt, das Restaurant im Bundestag und Catering bei Motorsport-Rennen und Hauptversammlungen.

    Es werde lange dauern, bis das Geschäft ganz zurückkomme, ist Käfer überzeugt. „Ich bin schon froh, wenn wir Anfang nächsten Jahres wieder bei 50 Prozent sind.“ Dass das Oktoberfest in diesem Jahr stattfindet, glaubt in München kaum einer mehr. Offiziell fällt die Entscheidung über die Wiesn im Juni.

    Doch auch darüber hinaus könnte der Markt schrumpfen. Manches Unternehmen werde sich wohl überlegen, ob es Meetings und Versammlungen nicht auch in Zukunft virtuell abhält. „Ob die Branche da jemals wieder 100 Prozent erreicht, weiß ich nicht“, sagt Käfer. Doch die Unternehmer dürften jetzt nicht nur jammern. „Es wichtig, dass wir positiv denken und mutig sind.“

    Nach dem Studium hatte Michael Käfer in München 1984 die Nobeldisco P1 eröffnet. Vier Jahre später stieg er ins Geschäft seines Vaters Gerd und seines Onkels Helmut ein, übernahm 1995 alleine Feinkosthandel und Gastronomie.

    Regionale Kost statt Flugobst aus fernen Ländern

    Anfangs setzte der Junior auf starke Expansion, ein Börsengang und 250 Millionen Euro Umsatz waren das Ziel. Nicht alle Pläne gingen auf, Käfer setzte fortan auf einen moderateren, aber nachhaltigen Wachstumskurs. Statt Flugobst aus exotischen Ländern waren bei ihm in den vergangenen Jahren regionale Produkte gefragt. Dieser Trend sei nachhaltig, sagt Käfer. Er hat nun zwei Spezialisten für Nachhaltigkeit angeheuert.

    Auch, wenn ihn der Shutdown stark getroffen hat, beklagen will Käfer die Maßnahmen nicht. Deutschland gehöre zu den Ändern, die am besten mit der Krise zurecht kämen. „Dem Sozialstaat muss ich ein Riesenkompliment machen“, sagt er unter anderem mit Blick auf die Kurzarbeit. „Da verstehe ich noch mehr, dass man hohe Steuern zahlen muss.“

    Mehr: So wird die Coronakrise auf Handel, Industrie und Gastgewerbe.

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