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Coronakrise Toilettenpapier von Wepa ist in ganz Europa heiß begehrt

Martin Krengel produziert das Produkt, von dem Kunden zurzeit nicht genug bekommen können. Doch ob der Boom langfristig anhält, ist mehr als fraglich.
16.03.2020 - 17:48 Uhr Kommentieren
Durch Fotos von leeren Regalen in sozialen Medien stieg die Nachfrage offenbar weiter. Quelle: Dirk Hoppe für Handelsblatt
Wepa-Chef Martin Krengel

Durch Fotos von leeren Regalen in sozialen Medien stieg die Nachfrage offenbar weiter.

(Foto: Dirk Hoppe für Handelsblatt)

Düsseldorf Seit Anfang März wird es immer schwieriger, Toilettenpapier einzukaufen. Egal ob bei Aldi, Rewe, Edeka, dm oder Rossmann: Die Regale sind häufig leer – nicht nur hierzulande, auch in den anderen europäischen Ländern. Viele Kunden greifen dabei gern zu den Eigenmarken der Händler.

Einer der größten Hersteller in diesem sogenannten Private-Label-Bereich ist Wepa mit Hauptsitz in Arnsberg im Sauerland. Martin Krengel ist seit 35 Jahren bei Wepa aktiv und führt die Geschäfte des 1948 gegründeten Familienunternehmens mit rund 1,3 Milliarden Euro Umsatz seit fast 20 Jahren. Doch eine Situation wie derzeit hat er noch nicht erlebt: So begehrt war Toilettenpapier noch nie.

Die großen Papiermaschinen des Sauerländer Familienunternehmens laufen in den 13 Werken in Europa ohnehin 24 Stunden pro Tag. Der Auftragseingang hat sich durch die Coronakrise natürlich erhöht, bislang gab es aber keine Lieferengpässe, versichert der Unternehmer. „Zusammen mit unseren Kunden tun wir alles uns Mögliche, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten“, sagt er. „Das hat nach der Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter höchste Priorität.“

Allein in Italien, dem derzeit mit 20.000 Infizierten und 1800 Toten am stärksten vom Coronavirus betroffenen Land, produziert Wepa in zwei Werken, in Cassino und Lucca. Selbst dort sei es noch nicht zu Produktionsausfällen oder gar Stillständen gekommen, sagt Krengel. Was dagegen vorkommt, ist, dass die Mitarbeiter auf ihrem Weg zur Arbeit auch im Auto angehalten werden und eine Bescheinigung des Arbeitgebers vorweisen müssen, damit sie die Straßen passieren können.

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Standort erkennen

    Dass sie benötigt werden, ist jedoch offensichtlich. Denn in allen europäischen Ländern steigt aufgrund der Corona-Pandemie die Nachfrage nach Toilettenpapier. So zum Beispiel in Großbritannien. Dort gehört Wepa mit elf Prozent Marktanteil zu den großen Herstellern, die auch vor Ort produzieren. „Wir sehen UK auch als Wachstumsmarkt“, sagt der 63-jährige Unternehmer. Der Brexit habe keinen Einfluss darauf. Die Regale sind auch in Großbritannien zurzeit leer gefegt, Supermärkte wie Tesco rationieren das Toilettenpapier auf zwei Packungen pro Kunde.

    Die Herausforderung bei Hygienepapieren: Die Lkws laden viel Volumen und wenig Gewicht, der Verkaufspreis und damit die Margen pro Tonne sind gering. „Das ist nur profitabel, wenn die Laster nicht weiter als 300 oder maximal 500 Kilometer bis zum Kunden fahren müssen“, erklärt Krengel, warum es so viele Produktionsstätten in vielen Ländern braucht.

    Begonnen hatte Wepa als Handelsunternehmen für Papiere, Vater Paul Krengel hatte es gegründet und eine enorme Wachstumsgeschichte hingelegt. Zunächst wurde aus dem Handels- ein Produktionsunternehmen, dann wagte sich Vater Paul in den Markt für Privatverbraucher, in den 1980er-Jahren fokussierte sich das Familienunternehmen auf Handelsmarken und verbesserte vor allem die Qualität der Hygienepapiere in diesem Segment.

    Nummer drei in Europa

    Das Unternehmen wuchs stetig, dann aber in großen Schritten. 2008 setzt Wepa bereits 450 Millionen Euro um. Dann übernimmt Wepa den italienischen Wettbewerber, die Kartogroup. Allerdings befindet der sich gerade in einem Insolvenzverfahren und ist genauso groß wie Wepa. Ein Kraftakt. Ein wichtiger. Denn der Druck zur Größe ist da.

    Doch die Finanz- und Wirtschaftskrise hinterlässt Spuren bei Wepa. 2010 nehmen die Krengels einen Finanzinvestor ins Unternehmen, um die Eigenkapitalbasis zu stärken. Und sie kaufen ihn wieder heraus. Damals wie heute führt Friedrich Merz, der sich gerade für den CDU-Vorsitz bewirbt, den Aufsichtsrat des Familienunternehmens.

    Wepa ist heute die Nummer drei der Produzenten in Europa, obwohl das Familienunternehmen ausschließlich für Handelsmarken produziert. In Europa steht Wepa mit 1,3 Milliarden Euro Umsatz und 3 700 Mitarbeitern auf Platz drei hinter dem schwedischen Marktführer Essity mit 12,2 Milliarden Euro Umsatz und den Marken Tempo, Tork und Zewa sowie der italienischen Sofidel mit 1,7 Milliarden Euro Umsatz und den Produkten rund um die Marke Regina.

    Als Krisengewinner sollte man die Hygienepapierhersteller allerdings nicht bezeichnen. Denn, so Krengel: „Es wird zwar mehr geordert und gekauft, aber nicht mehr verbraucht.“ Es sei also gut möglich, dass nach dem Ende der Krise zunächst einmal die Nachfrage nach Toilettenpapier wieder sinken wird.

    Zu dieser Einschätzung gelangt auch der Verband Deutscher Papierfabriken (VDP). Das Jahr 2019 war auch für das Segment der Hygienepapiere mit einem Minus von 0,6 Prozent leicht rückläufig, zeigen die Jahreszahlen. Normalerweise wächst dieses Segment in jedem Jahr leicht. „Was wir aber zurzeit sehen, ist, dass die Pipeline verstopft ist“, heißt es im Verband. Bei den Herstellern und Händlern leerten sich die Läger, während sich bei den Verbrauchern das Toilettenpapier stapele. Hierzulande werden im Schnitt 750.000 Tonnen Toilettenpapier verbraucht. Der langfristige Trend wird sich also auch aus Verbandssicht nicht ändern.

    Die größten Potenziale sieht Wepa-Chef-Krengel, der sehr großen Wert auf Nachhaltigkeit und Recyclingprodukte legt, in Osteuropa. Schließlich werden dort pro Person bislang im Schnitt nur sieben Kilo Hygienepapiere pro Jahr verbraucht, in Deutschland sind es dagegen 16 Kilo.

    Zusätzliche Nachfrage verzeichnet Wepa schon mal in dem Segment der Hygienepapiere zum Abtrocknen, die in öffentlichen Bereichen wie Unternehmen, Hotels und Behörden genutzt werden. Das Hygienebewusstsein sei gestiegen. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt darüber hinaus die Benutzung von Einmal-Papiertüchern zur besseren Hygiene – statt Handtücher oder Handlüfter.

    Ob die erhöhte Nachfrage aber anhält, könne man nicht seriös beantworten, weil viele öffentliche Bereiche wie Schulen geschlossen werden. „Wir müssen die Lage täglich neu bewerten“, sagt Krengel. Insgesamt geht der Unternehmer aber davon aus, dass „das erhöhte Hygienebewusstsein langfristig bestehen bleibt und die Verbraucher auf die Handreinigung mit Papierhandtüchern verstärkt Wert legen“. Und er fügt hinzu: „Insbesondere, da es die hygienischste Variante ist.“

    Mitarbeit: Kerstin Leitel

    Mehr: „Richtige Balance aus Schutz, Vermeidung von Panik und Erhalt persönlicher Freiheit“

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