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Crew Republic Wie zwei Ex-Unternehmensberater die deutsche Craft-Bier-Szene prägen

Timm Schnigula und Mario Hanel schufen mit Crew Republic eine der bekanntesten deutschen Craft-Brauereien. Mut und Kreativität haben sich für sie ausgezahlt.
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Die beiden Ex-Berater haben sich den Brauerei-Traum erfüllt. Quelle: Crew Republic
Mario Hanel (links) und Timm Schnigula

Die beiden Ex-Berater haben sich den Brauerei-Traum erfüllt.

(Foto: Crew Republic)

München „Craft-Beer is not a crime“, prangt in großen schwarzen Lettern an einer Industriehalle am Rande Unterschleißheims. Der Platz des „O“ in „not“ wird von einer als Handgranate stilisierten Hopfendolde eingenommen. Es ist das Logo der Kleinbrauerei Crew Republic, die sich 2015 in dem Münchener Vorort angesiedelt hat.

„Hopfenbomben“, um den deutschen Biermarkt zu erschüttern? Den Gründern geht es darum, Craft-Bier als Alternative zum Industriebier zu etablieren.

Die Gründer sind der Rheinländer Timm Schnigula und Mario Hanel aus Tirol. Gemeinsam haben sie im Nischenmarkt Craft-Bier eine der bekannteren deutschen Marken geschaffen. Die Leser des Fachmagazins „Hopfenhelden“ kürten das Crew-Erzeugnis „Drunken Sailor“ jüngst zum zweitbeliebtesten India Pale Ale (IPA), geschlagen nur vom Branchenriesen Brewdog.

Ein Ergebnis, das den Ansatz der Macher bestätigt: „Wir wollen Lieblingsbiere kreieren“, sagt Schnigula, Jahrgang 1981, Erkennungszeichen Schirmkappe mit Firmenlogo. „Wir sind in Deutschland mit gutem Bier gesegnet – aber es mangelt an Vielfalt.“ Das bayerische Reinheitsgebot nehmen die Selfmade-Brauer als Ansporn, innerhalb der strengen Regeln aufzuzeigen, welche Geschmacksvarianten möglich sind.

„Wir wollen nicht das stärkste, bitterste oder extremste Bier brauen“, sagt Schnigula. Die Trinkbarkeit spiele eine wichtige Rolle. Vom Massenmarkt ist die Bewegung der Kleinbrauereien mit Biersorten jenseits des handelsüblichen Geschmacks ohnehin weit entfernt.

Insgesamt braute die Sparte 2017 rund 218.000 Hektoliter, wovon Craft-Brauereien nur einen Teil produziert haben. Masse ist aber nicht das Ziel, auch nicht für Crew. Den Gründern geht es, so sagen sie, um Qualität und Ausgewogenheit.

Etwa zwei Euro kostet eine Flasche Crew im Einzelhandel, deutlich mehr als ein übliches Industriebier, aber deutlich weniger als viele andere Craft-Biere.

„Auch unser Bier muss etwas teurer sein, da wir nicht die wirtschaftliche Größe haben, es über Masse wieder hereinzuholen“, sagt Schnigula, „vor allem haben wir aber eine ganz andere Rohstoffauswahl und eine viel aufwendigere Produktion.“ 

Schnigula und Hanel sind keine studierten Brauer, die Bierkunst haben sie sich über Kurse und Küchenexperimente selbst beigebracht.

Ein bisschen Widerstand

In ihrer ersten Karriere waren die beiden Gründer Unternehmensberater in der gleichen Firma, die sie allerdings nicht nennen wollen. Nach einer beruflichen Auszeit war Schnigula und Hanel klar, dass sie etwas Neues versuchen wollten. Sie machten sich mit der Materie vertraut, und nach erfolgreichen Versuchen reifte mit dem Bier auch der Wille, sich selbstständig zu machen.

Eine Brauerei in der Brauhochburg? „Freunde und Familie haben uns einen Vogel gezeigt“, erinnert sich der Gründer. Bei den Banken gab es zunächst ähnliches Feedback. Die Anschubfinanzierung gewährte letztlich ein österreichisches Institut. Gebraut wurde in den Anlagen anderer Unternehmen.

Bis 2013 firmierte das junge Unternehmen als „Crew Ale Werkstatt“, dann folgte der Wechsel zur „Crew Republic“. „Die Republic kam ein bisschen als Widerstand dazu“, sagt Schnigula, „wir haben uns in der konservativen deutschen Bierlandschaft schon manchmal als das kleine gallische Dorf gefühlt.“ Profitiert hat davon die ganze Szene.

„Crew sind im deutschen Markt ganz wichtige First Mover“, erklärt Nina Anika Klotz, Biersommelière und Gründerin der „Hopfenhelden“. Während sich andere eher als Heimbrauer verstanden, habe Crew bereits groß gedacht. „Sie waren mit die Ersten der Craft-Start-up-Bewegung, die eine eigene Anlage besaßen und den Weg in den Einzelhandel gesucht haben“, so Klotz, „das war für die ganze Szene wichtig, weil es mutige Pionierarbeit war.“

Hopfenhändler als Investor

Für das junge Unternehmen zahlten sich Mut und Kreativität aus. 2015 verwirklichten die Crew-Gründer ihren Traum von der eigenen Brauerei. „Uns war von Tag eins an klar: Wir müssen so schnell wie möglich eine eigene Brauerei haben“, sagt Timm Schnigula. Über Bestellungen von exotischen Hopfensorten kam der Kontakt zum weltgrößten Hopfenhändler, Joh. Barth & Sohn aus Nürnberg, zustande.

Was als Austausch über mögliche Hilfestellung und Kontakte begann, mündete in einem Investment. Mit dem Eigenkapital und steigenden Verkaufserfolgen im Rücken ließen sich diesmal auch die Banken überzeugen. In Unterschleißheim beschäftigt Crew heute rund zehn Mitarbeiter samt Azubis.

„Wir spüren den wirtschaftlichen Erfolgsdruck, allein schon aus Verantwortung für unsere Mitarbeiter“, sagt Schnigula. „Wir müssen weiterwachsen, um absehbar finanziell so richtig Freude am Unternehmen zu haben.“ Die Kunden, erklärt er, akzeptierten höhere Preise und sorgten für steigenden Absatz. „Es sieht sehr gut aus“, attestiert der Gründer und spricht von ein bis zwei Jahren, bis die Brauerei wirtschaftlich dort sei, wo sie einmal hinwollte.

Und so hat sich auch im Vorort Unterschleißheim inzwischen herumgesprochen, dass Craft-Bier kein Verbrechen ist. Im Mai 2018 durfte Crew das Bier für das örtliche Volksfest herstellen – als erste lokale Brauerei.

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1 Kommentar zu "Crew Republic: Wie zwei Ex-Unternehmensberater die deutsche Craft-Bier-Szene prägen"

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  • Bier muß getrunken und nicht geschmeckt werden. Zäpchen umklappen und dann reinlaufen lassen. Dieser Vorgang darf nur vom Klo unterbrochen werden. Kein Craftbier konnte meinem Anspruch bisher gerecht werden. Diese Biere sind in der Regel extrem aufdringlich. Das wenigstens haben sie mit ihren Hipsterbraumeistern gemein.

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