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Cybersecurity Die Gründer von Rips schützen mit ihrer Software Firmennetze

Entwickelt hat Johannes Dahse sein Programm ursprünglich für den virtuellen Kampf unter Hackern. Nun hat er mit Rips sein Hobby zum Beruf gemacht.
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2017 stieg der Umsatz bereits um das Sechsfache. Quelle: RIPS Technologies
Die Gründer von „RIPS Technologies" (v.l.):. Martin Bednorz, Johannes Dahse, Hendrik Buchwald und Fabian Lange

2017 stieg der Umsatz bereits um das Sechsfache.

(Foto: RIPS Technologies)

Düsseldorf Eigentlich wollte Johannes Dahse nie Firmennetzwerke schützen. Er wollte gewinnen. Während seines Informatikstudiums im Jahr 2008 war er Teil der „Fluxfinger“, einer studentischen Hackergruppe. Zusammen trainierten sie digitale Selbstverteidigung und Angriffe. Sie traten auch zu digitalen Manövern gegen andere Unigruppen an.

Ziel dabei war es, in das Netzwerk der Gegner einzudringen. Wer als Erstes die Administratorenrechte hatte, hatte gewonnen.

Dafür entwickelte Dahse einen Algorithmus, der Fehler in Codes erkennt und zeigt, wie er sie beheben kann. Sein Programm „Rips“ durchleuchtet die Programmiersprachen PHP und Java. Statische Code-Analyse heißt es in der Fachsprache.

Der Vorteil: Rund 80 Prozent des Internets basieren auf den beiden Sprachen. Es funktioniert, sehr vereinfacht, wie eine Autokorrektur für Programmiersprachen. Codes funktionieren nur, weil sie folgerichtig aufeinander aufbauen. Doch während Menschen beim Lesen ein falsches Wort im Kopf ergänzen können, kann ein falscher Code gravierend sein. Im schlimmsten Fall dient der Fehler als technische Eingangstür für Cyberangriffe.

Motiviert von den Siegen, zu denen er seinem Team verhalf, arbeitete Dahse immer weiter an Rips. Das Programm wurde Teil seiner Promotion. Dann das Schlüsselerlebnis: Oktober 2015, als er mit der Promotion fast fertig war, wurde er zu Yahoo in Sunnyvale in den USA eingeladen.

Dort stellte er einen Prototyp der Software vor. „Sie waren begeistert“, erzählt Dahse noch heute mit leuchtenden Augen. „Ab da war mir klar, dass wir mit Rips nicht so bescheiden sein müssen.“ Er begriff, dass er mit Rips Geld verdienen kann.

Aus dem Prototyp sollte eine marktreife Software werden. Dazu brauchte er Hilfe: Dahse holte seine Fluxfinger-Kollegen Hendrik Buchwald und Martin Bednorz, beide 30, mit ins Team. Bereits fünf Monate später, im Frühjahr 2016, stellten sie das fertige Produkt online. Und es lief.

Ganz ohne Marketing erreichten sie im ersten Jahr einen Umsatz von 75.000 Euro. Der Clou: Die erste Version von Rips hatte Dahse noch zu Fluxfinger-Zeiten kostenlos hochgeladen. Sie war in der Szene bekannt und akzeptiert. Die überarbeitete Bezahlvariante verlinkte er einfach.

2017 stieg der Umsatz bereits um das Sechsfache. Die Gründer wussten: Um wachsen zu können, brauchen sie Investoren. Verträge müssen besprochen, Businesspläne geschrieben werden. Doch von BWL hatten sie keine Ahnung. Sie brauchten Verstärkung.

Da erinnerte sich Bednorz an seinen Schulfreund Fabian Lange. Der Wirtschaftsinformatiker und ehemalige Berater stieg sofort mit ein. Das Gründerteam war komplett.

Binnen zwei Jahren wurden aus dem kleinen Team und einem kahlen Raum in der Uni 35 Mitarbeiter mit zwölf Büros. Firmen wie der amerikanische Online-Shopanbieter Magento von Adobe, Flyeralarm und das chinesische Internetunternehmen Tencent zählen zu ihren Kunden.

In Rankings für statische Code-Analyse wird Rips entweder auf Platz eins oder zwei genannt. In mehr als 40 Länder haben er und seine Mitgründer Lizenzen verkauft.

Eine Erfolgsgeschichte? Das ist schwer zu beurteilen. „Die Lizenzeinnahmen liegen bereits im siebenstelligen Bereich“, sagt Dahse. Genaue Zahlen will er nicht nennen. Die Millionenmarke wurde jedoch dieses Jahr geknackt.

Rips macht bisher keinen Gewinn. Kapitalgeber Ecapital finanziert die Wachstumsphase. Dahse hofft, dass sich sein „Baby“ irgendwann allein trägt.

Die Gründung war für ihn bis jetzt auch eine persönliche Herausforderung, sagt er. Chef zu sein und Mitarbeiter zu führen musste der ITler zunächst lernen. Scherzhaft fasst er zusammen: „Codes sind vorhersehbar. Menschen nicht.“

Mehr: Hacker können mit verschiedenen Methoden Zugriff auf vernetzte Fahrzeuge erhalten. Diese drei Beispiele zeigen, was möglich ist.

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