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Familienunternehmen Bauder

Familienunternehmen Bauder wechselt in die 4. Generation – Stabübergabe von Paul-Hermann Bauder und Gerhard Bauder an Mark Bauder, Gerhard Einsele, Jan Bauder und Tim Bauder (v.l.n.r.).

(Foto: Paul Bauder GmbH )

Dachsystemhersteller Bauder Wie die Bauder-Brüder den Generationenwechsel im Familienunternehmen vorantreiben

Der Dachsystemhersteller Bauder wollte bei der Nachfolge nichts dem Zufall oder steuerlichen Zwängen überlassen. Die Familie holte lieber professionelle Hilfe.
06.07.2018 - 15:43 Uhr Kommentieren

Stuttgart Es ist ein witziger Prospekt zum Generationswechsel. Die beiden Bauder-Chefs Gerhard, 67, und Paul-Hermann Bauder, 64, stehen auf dem mit traditioneller schwarzer Pappe gedeckten Dach der alten Firmenzentrale im Stuttgarter Stadtteil in Weilimdorf.

Die Senior-Chefs schauen auf ein direkt angrenzendes begrüntes Dach. Der Betrachter soll an einem orangen Punkt am Bildrand „in Richtung Zukunft ziehen“. Und schwupps, springen nach dem Bildwechsel drei junge Männer und ein älterer Herr auf das ökologisch korrekt begrünte neue Dach.

Die drei jungen Männer sind die Söhne Jan, 35, Mark, 34, und Tim, 31, von Paul-Hermann Bauder. Drei saubere schwäbische Buben, geschnitzt aus Unternehmerholz. Gerhard Einsele, 61, ist der familienfremde Manager, der den Sprung aus der alten Geschäftsführung mitmacht und quasi die Ü-30-Jährigen als Geschäftsführer-Nanny noch in den ersten Jahren begleitet.

Die Zahl der Namen zeigt, dass ein solcher Übergang nicht gewöhnlich und schon gar nicht trivial ist. Aber bei Unternehmern, die Dächer abdichten, gehört Sorgfalt quasi zum Geschäftsmodell, sonst regnet es später rein. Und das gilt nicht nur für eine pfiffige Broschüre, sondern auch für den gesamten Prozess der Amtsübergabe.

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    Von langer Hand geplant

    „Wir wollten vor allem vermeiden, dass es uns geht wie einem unserer früheren Konkurrenten“, betont Gerhard Bauder. Der damals größere Widersacher ging vor 20 Jahren an Streitigkeiten eines Brüderpaares zugrunde.
    Deshalb bereiteten die Bauders ihren Generationswechsel über Jahre vor. Die Installation eines Beirats ist da noch ein eher konventioneller Schritt. Gesellschafterverträge und Testamente wurden kontinuierlich angepasst.

    2011 einigen sich die beiden Brüder auf ein Verfahren zur Auswahl von Unternehmensnachfolgern aus der Familie. Erst sollten sich die hoffnungsvollen Sprösslinge in anderen Firmen beweisen. Und sie durften nur ins Unternehmen, wenn sie die Ambition haben, auch in die Geschäftsführung zu kommen. Einer der Jungstars arbeitete etwa bei dem Schweizer Unternehmen Hilti im Außendienst.

    Einfach war die Ausgangslage nicht: Beide Seniorchefs haben je drei Kinder. Aber nur die Söhne von Paul-Hermann haben Zug zum Unternehmen. Was heutzutage immer noch nicht alltäglich ist, die Bauders holten sich professionelle Hilfe von Kirsten Baus als Mediatorin.

    „Ich sehe mich aber eher als Moderatorin“, sagt die Rechtsanwältin – selbst groß geworden in einer Unternehmerfamilie. Sie hat sich auf solche Situationen mit ihrer Stuttgarter Beratung „Familienstrategie“ seit Jahren spezialisiert.

    In zahlreichen Wochenendsessions brachte sie die Familie an einen Tisch. Immer mit dabei auch die Mütter. „Wir wurden mit Abstand zur Firma erzogen und sind nicht typische Unternehmersöhne. Wir durften unser Ding machen. Am Tisch wurde nicht über die Firma geredet“, erinnert sich Mark. Auch die Lebenspartner der Kinder sollen frühzeitig miteinbezogen werden.

    „Die Familie Bauder ist das Thema Nachfolge sehr früh und pragmatisch angegangen. Es herrscht dort ein außergewöhnliches Vertrauensklima zwischen den beiden Eigentümerfamilien. Es gab keine Tabuthemen“, sagt ein intimer Kenner der Familie. Sehr reflektierend hätten sich die Bauders Handlungsoptionen für die Zukunft erhalten.

    Bei der Mediation ging es dann fast ausschließlich und sehr intensiv um die Rollen in der Firma. Schließlich war es gerade für Gerhard Bauder nicht einfach, mit anzusehen, wie die Nachfolge auch seines Lebenswerkes ausschließlich auf seine Neffen hinausläuft. Seit 2012 war die vierte Generation im Haus und bestand den Eingangstest. Seit Jahresbeginn hat sie die Führung übernommen.

    Bauder war schon immer ein ungewöhnliches Unternehmen. Alle Mitarbeiter duzen sich seit über zwei Jahrzehnten. Jeder, der bei Bauder anfängt, bekommt ein drollig wirkendes Begrüßungspäckchen. Darin enthalten unter anderem ein abgeschnittener geflochtener Zopf und eine Schere, die für Lust auf Innovation stehen soll.

    Drei Bälle zum Jonglieren symbolisieren den Spaß an der Arbeit. Ein Zahnrad soll die gegenseitige Wertschätzung anmahnen. Und auch ein Taschentuch mit einem Knoten darf nicht fehlen und den neuen Mitarbeiter daran erinnern, dass am Ende die Kundenzufriedenheit über allem steht.

    Ziel: Europas Nummer eins

    Das wirkt auf den ersten Blick eher bemüht und gewollt, aber die Bauders meinen es genau so: symbolisch, direkt und vor allem eingängig.

    „Wir sind in Weilimdorf umgeben von Porsche, Bosch und Trumpf. Wir müssen die Leute für unser Unternehmen begeistern und für einen fairen und respektvollen Umgang im Unternehmen sorgen“, sagt Gerhard Bauder. „Wir sind überzeugt, dass wir damit am Ende mehr Identifikation, Einsatzbereitschaft und Dynamik im Unternehmen haben“, ergänzt sein Bruder.

    Der Erfolg gibt den beiden schwäbischen Unternehmern bislang recht. Der Marktführer in Deutschland ist schuldenfrei und stemmt seine Investitionen aus dem Gewinn und baut gerade eine neue Firmenzentrale. Der Umsatz ist 2017 um neun Prozent auf 572 Millionen Euro gestiegen. Und hat sich damit im Zeitraum von zehn Jahren verdoppelt.

    Die Junioren wollen die Erfolgsgeschichte unbedingt weiterschreiben. Auch wenn das Geschäft mit Flachdächern derzeit eher stagniert, peilen die jungen Geschäftsführer in diesem Jahr Erlöse von 625 Millionen Euro an. Die Ambitionen der Youngster sind jedenfalls hoch: „Wir wollen Nummer eins in Europa werden“, sagen Mark und Jan Bauder.

    Bislang liegen die Schwaben auf dem Bronzeplatz. Unternehmen wie Soprema oder Braas Monier sind mehr als doppelt so groß.
    In der jüngsten Vergangenheit gab es einige Übernahmen. Die Branche konzentriert sich. Investitionen von 100 Millionen in fünf Jahren sollen die Aufholjagd der Bauders beschleunigen, aber mit Augenmaß. „Wir konzentrieren uns auf Europa. Wir können nicht überall mitspielen“, sagt Mark Bauder nüchtern und ambitioniert zugleich.

    Damit sich die drei aufstrebenden Familienunternehmer nicht zu sehr ins Gehege kommen, sind die Aufgaben gut verteilt. Jan kümmert sich um Export und Finanzen, Mark ist der Techniker und Tim das Verkaufstalent fürs Marketing.

    Altersgerecht setzen die drei auf Digitalisierung. „Aber vor allem in den Geschäftsprozessen. Da ist für uns das größte Potenzial“, sagt Mark Bauder. In der Dachbedeckungsbranche sei der direkte Kundenkontakt nicht zu ersetzen, ergänzen die beiden Firmensenioren.

    Probezeit für die Junioren

    Sie lassen jedoch die neue Generation durchaus machen. Das Vertrauen ist groß, aber dennoch nicht grenzenlos. Die Probezeit ist noch längst nicht abgeschlossen. Beide Senioren wachen im Beirat über das Wirken der Sprösslinge. Auch halten beide Seniorchefs noch ihre 50 Prozent der Anteile.

    Viele andere mittelständische Unternehmer hätten in den vergangenen Jahren längst ihre Unternehmensanteile auf den Nachwuchs übertragen, um Erbschaftsteuer zu sparen.

    Diesen Grund lässt vor allem Gerhard Bauder nicht gelten: „Die Freiheit, eine richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt zu treffen, hat Vorrang vor steuerlichen Aspekten.“ Vielleicht wollen die Brüder auch erst sehen, ob das Trio genauso stabil ist wie seinerzeit die eigene Doppelspitze.

    Bei jedem anderen Unternehmen würde man Misstrauen dahinter vermuten. Die Bauders halten es aber eher für ihre unaufgeregte Art, „die Dinge gewissenhaft und Stück für Stück anzugehen“.

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